VIII-A-02299 Städtepartnerschaft mit der grönländischen Hauptstadt Nuuk
Beschlussvorschlag:
- Der Oberbürgermeister wird beauftragt, unverzüglich mit der grönländischen Hauptstadt Nuuk mit dem Wunsch und Angebot in Kontakt zu treten, eine Städtepartnerschaftsvereinbarung zu schließen.
- Ferner wird der Oberbürgermeister beauftragt, sofern seitens der grönländischen Hauptstadt der Wunsch zum Abschluss einer Städtepartnerschaftsvereinbarung erwidert wird, bis zum 31.12.2026 die erforderlichen Voraussetzungen zum Abschluss eines solchen Vertragswerks zu schaffen.
- In den Doppelhaushalt 2027/2028 sind die entsprechenden Mittel einzustellen, die benötigt werden, um die Reisen der Delegationen in die Partnerstadt teilweise zu tragen und einen Besuch der Gäste aus Grönland zu ermöglichen.
- Wichtige Einrichtungen in Leipzig wie Universität, Hoch- und Fachschulen, IHK, Handwerkskammer, städtische Bühnen und Museen, Gewandhausorchester, kommunale Unternehmen usw. sind im Rahmen sinnvoller Partnerschaften sowie vor dem Hintergrund der Unterschiedlichkeit in Größe und Struktur der Wirtschafts-, Wissenschafts-, Bildungs-, und Kulturlandschaft der potentiellen Partnerstadt in den Vorbereitungsprozess einzubeziehen, so dass deren berechtigte Interessen an einem Austausch zwischen beiden Städten Berücksichtigung finden.
Begründung:
Grönland ist ein politisch eigenständiges Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark, gelegen an der Peripherie der Europäischen Union, und durch eine koloniale Geschichte geprägt. Der lange Kampf der Einwohnerinnen und Einwohner um die Eigenständigkeit politischer Entscheidungen und ihre verfassungsrechtliche Absicherung haben zur heutigen Konstitution mit einem eigenen Parlament und eigener Regierung geführt.
Wenn gleich sich eine historische, geografische, wirtschaftliche oder zivilgesellschaftliche Verbindung zwischen Leipzig und Nuuk nicht unmittelbar aufzwingen mag, hatte eine Begegnung aus dem Jahre 1790 für die direkt Beteiligten als auch für beide Städte bemerkenswerte Folgen. Es geht somit um nicht mehr und nicht weniger als die drängende Wiederbelebung und Vertiefung einer jahrhundertealten Beziehung Leipzigs und Grönlands.
Bis heute zeugt von dieser Begebenheit aus dem Jahre 1790 ein sehr schönes Gebäude in der Petersstraße Nr. 24 – im Erdgeschoss befindet sich eine Filiale einer großen Schuhverkaufskette.[1] Dieses vom Leipziger Handelskaufmann und Krämer Martin Haugk um 1749/50 errichtete Gebäude wird auch „Der Grönländer“ oder „Zum Grönländer“ genannt. So ist es auch in einem Beitrag Otto Mosers in der 1. Ausgabe des 3. Jahrgangs der Zeitschrift „Saxonia“ – Zeitschrift für Geschichts-, Alterthums- und Landeskunde des Königsreichs Sachsen“ von 1878 unter der Überschrift „Der Grönländer. Ein interessantes Wahrzeichen Leipzigs“ ausgeführt.[2] Der Enkel des Erbauers, Martin von Haugk, hatte 1790 ein Schiff ausgerüstet, „… das, wie dies schon früher geschehen, bestimmt war, an der grönländischen Küste Wallfische und Robben zu erlegen, da Fischbein und Thran damals theure Handelsartikel waren.“[3] Besagter Enkel geriet mit Schiff und Mannschaft in schwere See und drohte, darin umzukommen. Ein damals so genannter wackerer Grönländer – heute würden wir selbstverständlich von einem Inuit sprechen – hatte den Leipziger und seine Mannschaft gerettet und später auch das Schiff in Sicherheit gebracht. Aus ehrlicher und zugewandter Dankbarkeit lud Martin von Haugk seinen Retter mitsamt seinem Boot, „… welches aus Knochen und Haut von Robben zusammengefügt ist,“ und Ausrüstung und Waffen nach Leipzig ein, um hier „seine Tage zu verleben“[4]. Der heldenhafte Retter machte sich auch tatsächlich auf den Weg. Leider erkrankte er in Lübeck schwer und verstarb dort.
Martin von Haugk beauftragte daraufhin einen Lübecker Bildhauer, des Retters Konterfei „in Holz zu schneiden“.[5] Dieses Konterfei und das Boot nebst Ausrüstung ließ er nach Leipzig bringen und in seinem Kontor zum Gedenken aufhängen. Über Umwege gelangte dieses wertvolle und geschichtsträchtige Ausstellungsstück in das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig und ist im dortigen Fundus beheimatet.[6]
[1] Vgl. Zum Grönländer, Lage und Beschreibung, Online-Enzyklopädie Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Zum_Grönländer [Zugriff am: 15.01.2026]
[2] Moser, Otto: Der Grönländer. Ein interessantes Wahrzeichen Leipzigs, zitiert nach Saxonia – Zeitschrift für Geschichts-, Alterthums- und Landeskunde des Königreichs Sachsen, 3. Jahrgang, Nr. 1, S.103, Verlagshandlung Louis Senf, Leipzig 1878
[3] Moser, Otto, a. a. O., S. 103
[4] ebd., S. 103
[5] ebd., S. 103 f.
[6] ebd., S. 104
