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VIII-F-02377 Situation sozialer Angebote im Schwerpunktgebiet Leipzig-Grünau

Fraktion Die Linke

Im Schwerpunktgebiet Leipzig-Grünau stehen mehrere soziale, kulturelle und integrative Projekte vor dem Wegfall ihrer Finanzierung (z. B. Study-Hall, Perspectives, Integrationskoordinator*innenstelle). Gleichzeitig bestehen innerhalb des Stadtteils erhebliche Unterschiede in der Angebotsdichte. Insbesondere in Grünau-Nord und Lausen-Grünau gibt es nur sehr wenige bzw. keine entsprechenden Angebote, obwohl dort ein erhöhter Unterstützungsbedarf besteht. Zudem ist in Grünau und anliegend in Kleinzschocher der Bau von drei weiteren Gemeinschaftsunterkünften vorgesehen.

Wir fragen den Oberbürgermeister:

  1. In welchen Grünauer Ortsteilen sind welche sozialen, kulturellen und integrativen Einrichtungen, Projekte und Angebote akut überlastet bzw. hoch nachgefragt? Wie wird auf die Belastungssituation reagiert (z.B. Schließungen, Wartelisten, Ausbau von Angeboten)?
  2. Welche sozialen, kulturellen und integrativen Angebote bestehen aktuell in den Ortsteilen Grünau-Nord und Lausen-Grünau? Wie bewertet die Stadtverwaltung die derzeitige Angebotsdichte vor dem Hintergrund des bestehenden und künftig zu erwartenden Bedarfs?
  3. Welche zusätzliche Nachfrage für bestehende soziale, kulturelle und integrative Angebote erwartet die Stadtverwaltung im Zusammenhang mit den geplanten Gemeinschaftsunterkünften in Grünau-Nord, Grünau-Mitte/ Ost und der Diezmannstraße?

3a. Welche Angebote sind hiervon besonders betroffen bzw. fehlen derzeit vollständig?

3b. Welche Maßnahmen zur finanziellen Absicherung oder Entlastung bestehender Angebote sind vorgesehen?


Antwort:

Vorbemerkung

Die Stadtverwaltung begrüßt das parlamentarische Informationsrecht und beantwortet Anfragen des Stadtrates im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen mit größtmöglicher Sorgfalt. 

Die Anfrage erfasst eine große Zahl unterschiedlicher Einrichtungen, Projekte in verschiedenen Ortsteilen. Eine einrichtungsbezogene Vollerhebung im Sinne einer abschließenden tabellarischen Aufschlüsselung nach Gebiet, Träger, Art und Zeitraum der Finanzierung würde einen erheblichen zusätzlichen Erhebungs- und Auswertungsaufwand erfordern und die laufende Aufgabenerfüllung wesentlich beeinträchtigen. 

Die Beantwortung erfolgt daher auf Grundlage der in der Stadtverwaltung verfügbaren Informationen sowie bestehender Fachplanungen und Fördergrundlagen in zusammenfassender, überwiegend qualitativer Form. 

 

1. In welchen Grünauer Ortsteilen sind welche sozialen, kulturellen und integrativen Einrichtungen, Projekte und Angebote akut überlastet bzw. hoch nachgefragt? Wie wird auf die Belastungssituation reagiert?

Grünau ist ein Schwerpunktgebiet der integrierten Stadtteilentwicklung und steht vor besonderen sozialen Herausforderungen. Für einzelne Angebotsbereiche werden steigende Anforderungen beschrieben.

Im schulischen Bereich sind alle Schulen in kommunaler Trägerschaft in Grünau gemäß Steuerungskonzept mit Schulsozialarbeit ausgestattet. Eine Überlastung ist derzeit nicht feststellbar. Gleiches gilt für das Familienschulzentrum an der Kurt-Biedermann-Schule.

Im Bereich der Kinder- und Jugendförderung werden die Angebote als zeitlich befristete Projekte über den Doppelhaushalt finanziert. Die geförderten Maßnahmen sind bedarfsorientiert im Stadtgebiet verteilt und arbeiten ausgelastet. Eine darüberhinausgehende strukturelle Überlastung ist nicht bekannt. Einschränkungen können punktuell auftreten, etwa bei verzögerten Nachbesetzungen oder krankheitsbedingten Ausfällen.

Im Bereich der geförderten kulturellen Einrichtungen liegen keine Anzeigen akuter Überlastung vor. Die Stadtteilbibliotheken Grünau-Ost und Grünau-Mitte sind gut ausgelastet, ohne Kapazitätsgrenzen zu erreichen. Der Standort Grünau-Nord weist geringere Nutzungszahlen auf.

Im sozialen Bereich erfolgt die Bedarfsermittlung über Fachplanungen. Der Fachplan „Offene Angebote für soziale Teilhabe“ überprüft derzeit den Bedarf an Beratungs- und Begegnungsangeboten einschließlich der Grünauer Ortsteile.

 

2. Welche sozialen, kulturellen und integrativen Angebote bestehen aktuell in den Ortsteilen Grünau-Nord und Lausen-Grünau? Wie bewertet die Stadtverwaltung die derzeitige Angebotsdichte vor dem Hintergrund des bestehenden und künftig zu erwartenden Bedarfs?

Grünau verfügt über eine differenzierte soziale und kulturelle Infrastruktur. Als Schwerpunktgebiet der integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung werden mehrere Ortsteile gezielt berücksichtigt, darunter Grünau-Nord und Lausen-Grünau.

Im Planungsraum Grünau sind derzeit:

  • zwei Familienbildungsangebote gefördert,
  • mobile Jugendarbeit/Streetwork vorhanden,
  • sechs Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit eingerichtet (davon eine kommunal),
  • in Grünau-Nord und Lausen-Grünau jeweils eine Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gefördert,
  • ein stadtweit wirkendes Angebot der außerschulischen Jugendarbeit mit Sitz in Lausen-Grünau tätig.

Im frühkindlichen Bereich wurden zehn Kitas zu Kinder- und Familienzentren weiterentwickelt. Mehrere Einrichtungen erhalten zusätzliche Fachkräfte über das ESF-Programm „Kinder Stärken 2.0“. Zusätzlich werden kommunal geförderte Kita-Sozialarbeiter eingesetzt. Im Rahmen der Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildungsstrategie erhalten ausgewählte Einrichtungen weiteres Personal.

Die Angebotsdichte im Bereich Schulsozialarbeit und Kinder- und Jugendhilfe wird als ausreichend eingeschätzt. Die Fortschreibung der Integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung soll 2027 eine aktualisierte Bewertung ermöglichen.

Im kulturellen Bereich wird die Infrastruktur im gesamtstädtischen Vergleich als ausgebaut bewertet.

Im sozialen Bereich bestehen unter anderem:

  • heilpädagogische Betreuung in der Komplex-Kita „Um die Welt“,
  • Tagespflegeangebote,
  • mehrere vollstationäre Pflegeeinrichtungen,
  • ambulant betreutes Wohnen nach § 67 SGB XII,
  • Unterbringung Geflüchteter,
  • die Stadtteilbibliothek Grünau-Nord sowie soziokulturelle Einrichtungen mit stadtteilweiter Wirkung.

Die Schulsozialarbeit, Kinder- und Jugendhilfe sowie Kultur werden als strukturell abgesichert bewertet. Der Bedarf an sozialen Beratungs- und Begegnungsangeboten wird derzeit im Rahmen des Fachplans systematisch überprüft.

 

3. Welche zusätzliche Nachfrage für bestehende soziale, kulturelle und integrative Angebote wird im Zusammenhang mit den geplanten Gemeinschaftsunterkünften erwartet?

Die Inbetriebnahme weiterer Gemeinschaftsunterkünfte führt zu zusätzlichem Integrations- und Unterstützungsbedarf im Stadtteil. Der Beratungs- und Betreuungsbedarf innerhalb der Unterkünfte wird durch soziale Betreuung vor Ort sichergestellt.

Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe können Nachfrageveränderungen entstehen, insbesondere bei sozialpädagogischer Beratung, schulischer Unterstützung, psychosozialer Begleitung sowie möglicherweise bei Kitaplätzen. Der konkrete Umfang hängt von der Zusammensetzung der Bewohnerschaft ab.

Erfahrungen aus anderen Standorten zeigen, dass insbesondere Freizeitangebote, sozial-emotionale Förderung, kultursensible Angebote sowie flexible und mobile Formate an Bedeutung gewinnen können. Die Akteure im Planungsraum haben sich im Zuge der Fortschreibung der Kinder- und Jugendhilfeplanung bereits mit dieser Thematik befasst und streben kooperative Lösungen an.

3a. Welche Angebote sind hiervon besonders betroffen bzw. fehlen derzeit vollständig?

Eine strukturelle Angebotslücke besteht nicht. Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe stehen die bestehenden Einrichtungen im Schwerpunktgebiet zur Verfügung. Mögliche zusätzliche Bedarfe hängen von der konkreten Bewohnerstruktur der Gemeinschaftsunterkünfte ab.

3b. Welche Maßnahmen zur finanziellen Absicherung oder Entlastung bestehender Angebote sind vorgesehen?

Derzeit sind keine Erweiterungen von Standards oder strukturelle Angebotserweiterungen vorgesehen.

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