VIII-F-01903 Aktuelle Entwicklungen in der Rüstungsindustrie in Leipzig
Spätestens seit der Berichterstattung über die Munitionsherstellung in Leipziger Gießereien im Jahr 2024 ist die Produktion von Militär- und Rüstungsgütern in den Fokus der hiesigen Öffentlichkeit gerückt. Im LVZ-Artikel vom 17. Oktober 2025 „Rüstungsindustrie in Sachen boomt trotz fehlender Bundeswehraufträge“ wird dieser brisante Komplex erneut aufgegriffen und mit der Dresdner Firma Rohde & Schwarz auch ein Rüstungsproduzent konkret benannt, dass auch in Leipzig aktiv ist. Der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) wird auf einem Thementag zur Sicherheitsindustrie im Artikel wie folgt zitiert: „“Die Milliarden aus dem Sondervermögen dürfen nicht nur im Westen aufschlagen“. An anderer Stelle des Beitrages verlautbart der Wirtschaftsminister, dass er „Geheimgespräche“ zur Ansiedlung von Rüstungsindustrie in Sachsen führt.
Fragen an den Oberbürgermeister:
- Wie schätzt die Verwaltung aktuell den wirtschaftlichen Stellenwert der Rüstungsproduktion in Leipzig ein?
- In welchen Leipziger Unternehmen bzw. hiesigen Standorten von auswärtig ansässigen Unternehmen werden derzeit in welchem Umfang Rüstungsgüter und militärische Ausrüstungsgegenstände produziert? Bitte auch Güter für Dual-Use in die Beantwortung einbeziehen.
- Inwieweit ist bekannt, ob Porsche plant, Fahrzeuge aus der Leipziger Produktpalette für eine militärische Nutzung umzubauen?
- In welchen Institutionen, Gremien und Formaten - mit städtischer Beteiligung und auch ohne – werden derzeit (strategische) Überlegungen angestellt, militärische Investitionen in Leipzig anzubahnen bzw. die Rüstungsproduktion in Leipzig zu steigern?
Antwort
Frage 1: Wie schätzt die Verwaltung aktuell den wirtschaftlichen Stellenwert der Rüstungsproduktion in Leipzig ein?
Leipzig zählt nicht zu führenden Standorten der Verteidigungswirtschaft. Anders als etwa Bayern hat Leipzig kein etabliertes Cluster von Unternehmen für Verteidigungstechnik und auch die Hochschullandschaft fokussiert auf andere Themen.
Allerdings lässt sich dies über Zahlen kaum belegen: Die Stadtverwaltung Leipzig verfügt nicht über eine systematische, belastbare Erhebung zur wirtschaftlichen Bedeutung der Verteidigungswirtschaft in Leipzig. Anders als bei anderen Branchen gibt es hier keine WZ-Schlüssel, nach denen sich die Unternehmen clustern ließen. Oftmals geben Unternehmen, sollten sie in dem Bereich teilweise tätig sein, diesen Geschäftsbereich auch öffentlich nicht bekannt.
Die Wirtschaftsförderung beobachtet bei Unternehmenskontakten, dass Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie sich darüber Gedanken machen (müssen), welche neuen Geschäftsfelder sie erschließen, um Umsätze und Arbeitsplätze zu sichern. Denn: für Automotive Zulieferer brechen tradierte Geschäftsfelder und Kunden teilweise weg.
Aber auch in der Branche IT / Cybersecurity / KI / Automation erkennen Leipziger Unternehmen zunehmend Chancen in neuen Absatzmärkten im Bereich Verteidigungswirtschaft.
Die Eintrittshürden in den Markt sind jedoch hoch:
- Die Branche arbeitet nach eigenen Standards und Normen der Bundeswehr, die häufig spezifische Zertifizierungen erfordern.
- Die Energiekosten in Deutschland und der Region übersteigen Konkurrenzregionen in Europa.
- Die Verteidigungswirtschaft setzt auf langfristig Partnerschaften.
Frage 2: In welchen Leipziger Unternehmen bzw. hiesigen Standorten von auswärtig ansässigen Unternehmen werden derzeit in welchem Umfang Rüstungsgüter und militärische Ausrüstungsgegenstände produziert? Bitte auch Güter für Dual-Use in die Beantwortung einbeziehen
Daten dieser Art werden von der Stadtverwaltung Leipzig nicht erhoben, da sie nicht in deren kommunale Zuständigkeit fallen. Die Zuständigkeit für die Genehmigung der Herstellung von Kriegswaffen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz liegt bei den zuständigen Bundesministerien.
Frage 3: Inwieweit ist bekannt, ob Porsche plant, Fahrzeuge aus der Leipziger Produktpalette für eine militärische Nutzung umzubauen?
Der Stadtverwaltung und der Porsche Leipzig GmbH sind keine Pläne bekannt, Fahrzeuge aus der Leipziger Produktpalette für eine militärische Nutzung umzubauen.
Frage 4: In welchen Institutionen, Gremien und Formaten - mit städtischer Beteiligung und auch ohne – werden derzeit (strategische) Überlegungen angestellt, militärische Investitionen in Leipzig anzubahnen bzw. die Rüstungsproduktion in Leipzig zu steigern?
Die Wirtschaftskammern und Verbände beginnen, sich in dieser Frage zu orientieren, den Markt zu erkunden, erste Netzwerke aufzubauen.
Auch das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz hat sich dazu bekannt, entsprechende Investitionen für Sachsen zu bewerben. Konkrete Ansiedlungsabsichten Leipzig betreffend sind der Stadtverwaltung nicht bekannt.
Auch das Amt für Wirtschaftsförderung analysiert fortlaufend, welche wirtschaftlichen Impulse sich aus den aktuellen politischen Rahmenbedingungen – insbesondere im Zusammenhang mit den Bundessondervermögen – für den Standort ergeben.
