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VIII-F-01498 „ICH WILL DORT KÄMPFEN WO DAS LEBEN IST“ - Verschwundene Büste von Clara Zetkin in Lindenau

Fraktion Die Linke

Auf dem Areal zwischen Kleiner Luppe und Palmengarten errichtete Stadtbaurat Hubert Ritter 1929 einen Gebäudekomplex, welcher bis heute zu den herausragenden Schulbauten Leipzigs zählt. In den Jahren 1972-1992 (ab 1990 ohne Namenszusatz) war hier der Standort der Pädagogischen Hochschule Leipzig „Clara Zetkin“. Im Jahr 1972 schuf der renommierte DDR-Bildhauer und Grafiker Prof. Walter Arnold (1909-1979) für diese Einrichtung eine Bronzebüste von Clara Zetkin, die auf einem Steinsockel stand. Neben dem Steinsockel befand sich ein Steinquader mit der Inschrift „ICH WILL DORT KÄMPFEN WO DAS LEBEN IST“ (siehe Foto).

Büste und Sockel nebst Steinquader fanden einen neuen Standort auf dem unter Denkmalschutz stehenden Gelände in Lindenau, als das neu gegründete Gymnasium „Schule am Palmengarten“ vor einigen Jahren in Betrieb genommen wurde (siehe Foto). Seit Ende 2024 ist allerdings nach Auskunft von Eltern, deren Kinder an diese Schule gehen, die Büste von Clara Zetkin verschwunden.

Fragen an den Oberbürgermeister:

1. In wessen Zuständigkeitsbereich gehört die Büste?
2. Wie wird der kunsthistorische Wert der Büste eingeschätzt?
3. Seit wann und über welchen Informationsweg ist das Verschwinden der Büste bekannt?
4. Falls die Meldung über Eltern geschah, wurde von der Verwaltung zeitnah und adäquat reagiert? Wenn nicht, warum nicht?
5. Was hat die Stadtverwaltung bislang getan, um die besagte Büste wieder aufzufinden?
6. Wurde der mutmaßliche Diebstahl bei der Polizei angezeigt und finden nach Kenntnis der Stadtverwaltung entsprechende Ermittlungen statt?
7. Gibt es für den Fall des Nichtwiederauffindens bereits Pläne, eine Kopie der Büste herzustellen und sie wieder aufzustellen? Wenn ja, bis wann? Wenn nein, warum nicht?


Antwort

1. In wessen Zuständigkeitsbereich gehört die Büste?

Die Büste befindet sich innerhalb des umzäunten Schulgeländes, welches eine Liegenschaft des Amtes für Schule ist.

2. Wie wird der kunsthistorische Wert der Büste eingeschätzt?

Die Bronzebüste „Clara Zetkin“ (1972) wurde von Walter Arnold geschaffen. Neben der Tätigkeit als Druckgraphiker und Zeichner stellt das plastische Schaffen den zentralen Wirkungsbereich des Künstlers Walter Arnold (1909–1979) dar. Er gilt als renommierter Bildhauer der DDR und erhielt dort zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Verdienstorden der Stadt Leipzig (1959).
Zu seinen bevorzugten Sujets gehören Gewandfiguren und Bildnisse. Die Bronzebüste für Clara Zetkin (1972) stellt zwar kein Hauptwerk Arnolds dar, doch sind Darstellungen der Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin Clara Josephine Zetkin (1857–1933) fest in seinem Werk verankert: So hatte er neben der Bronzebüste von 1972 bereits zuvor eine Clara Zetkin gewidmete Statuette (1959) und das im Leipziger Johannapark installierte Clara-Zetkin-Denkmal (1967) geschaffen. Der Stadt Leipzig war Arnold seit seiner Ausbildung zunächst an der Leipziger Kunstgewerbeschule und dann an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe, wo er zudem ab 1946 für drei Jahre und dann ab 1970 für vier Jahre Lehraufträge innehatte, eng verbunden. Auch wurde sein Schaffen in Leipzig mit zahlreichen Ausstellungen unter anderem im Museum der bildenden Künste (1966) und in der Galerie am Sachsenplatz (1978) gewürdigt. Die Clara Zetkin gewidmete Bronzebüste unterstreicht daher sowohl den Stellenwert des Künstlers in dieser Region, als auch das politische Wirken Zetkins.

Arnolds Werke werden auf dem Kunstmarkt derzeit tendenziell niedrig bewertet. Mit der Bronzebüste von Clara Zetkin vergleichbare Skulpturen wurden im Zeitraum zwischen 2015 und 2023 für 750 € bis 2000 € verauktioniert (Galerie der Berliner Graphikpresse, Auktionshaus Quentin Berlin, Schmidt Kunstauktionen in Dresden, vgl. Artprice.com).

3. Seit wann und über welchen Informationsweg ist das Verschwinden der Büste bekannt?

Die Meldung zum Diebstahl der Büste erfolgte am 02.12.2024 durch die Schule an die Stadt Leipzig als „Besonderes Vorkommnis“.

4. Falls die Meldung über Eltern geschah, wurde von der Verwaltung zeitnah und adäquat reagiert? Wenn nicht, warum nicht?

Am 03.12.2024 wurde der Diebstahl über die Onlinewache der Polizei angezeigt und dem Polizeirevier Leipzig – Südwest zugeordnet. Das bei der Staatsanwaltschaft Leipzig eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde mit Information vom 12.02.2025 eingestellt, da der Täter nicht ermittelt werden konnte.

5. Was hat die Stadtverwaltung bislang getan, um die besagte Büste wieder aufzufinden?

Siehe Antwort zu Frage 4.

6. Wurde der mutmaßliche Diebstahl bei der Polizei angezeigt und finden nach Kenntnis der Stadtverwaltung entsprechende Ermittlungen statt? 

Siehe Antwort zu Frage 4.

7. Gibt es für den Fall des Nichtwiederauffindens bereits Pläne, eine Kopie der Büste herzustellen und sie wieder aufzustellen? Wenn ja, bis wann? Wenn nein, warum nicht?

Eine Neubeschaffung der Büste wird, in Abhängigkeit von der städtischen Haushaltslage, geprüft. Dazu erfolgt im Vorfeld eine Klärung der Zuständigkeit.

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