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VIII-F-01314 Maßnahmen zur besseren Wahrnehmung von Vorsorge-Untersuchungen für Kinder

Fraktion Die Linke

Mit dem Beschluss der „Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildungsstrategie der Stadt Leipzig“ (VII-A-08652-NF-03) wurden auch Maßnahmen zur Motivation der Wahrnahme von U-Untersuchungen und Kita-Untersuchungen für Kinder beschlossen. Dies erfolgte vor allem vor dem Hintergrund dessen, dass in den Grünauer Ortsteilen die Wahrnehmung der U- und Kita-Untersuchungen unterdurchschnittlich und die Befunde für Sprach-, Motorik- und andere Auffälligkeiten überdurchschnittlich ist.

Das Gesundheitsamt sollte demnach einerseits eine Schulung für Multiplikator*innen (bspw. Kita-Leitungen und Erzieher*innen) entwickeln, um auf die Wichtigkeit der U-Untersuchungen und der sächsischen Kita-Untersuchung hinzuweisen. Der Kinder- und Jugendärztliche Dienst wird Materialien erarbeiten, die die Eltern zur Teilnahme an der Kita-Untersuchung motivieren. Zudem sollen Informationsmaterialien zu den einzelnen Untersuchungsbereichen bezüglich Fördermöglichkeiten durch Eltern in einer einfachen Sprache und gängigen Fremdsprachen produziert werden. Zudem umfasste der Beschluss die beabsichtigte Erweiterung der Untersuchungszeit pro Kind durch den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst bei Kita- und Schulaufnahmeuntersuchung mit Beginn des Schuljahres 2023/24 im Projektgebiet Grünau.

Fragen an den Oberbürgermeister:

  1. Mit wie vielen Multiplikator*innen aus welchen konkreten Bereichen wurde die o.g. Schulung für die Sensibilisierung für U- und Kitauntersuchung durchgeführt?
  2. Welche neuen Informationsmaterialien wurden infolge des Stadtratsbeschlusses erstellt und wo werden diese zur Verfügung gestellt?
  3. Wie bewährt sich die Ausweitung der Untersuchungszeit pro Kind im Projektgebiet Grünau? Können infolge dessen bereits positive Veränderungen wahrgenommen werden? Wurde eine Erweiterung dieser Praxis auf andere Schwerpunktgebiete geprüft, wenn ja, mit welchem Ergebnis? Wurde und wird zu diesem Zweck das Personal des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes erweitert?
  4. Welche weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Kindergesundheit insbesondere in Schwerpunkt- und Aufmerksamkeitsgebieten gibt es?

Antwort

1. Mit wie vielen Multiplikator*innen aus welchen konkreten Bereichen wurde die o.g. Schulung für die Sensibilisierung für U- und Kitauntersuchung durchgeführt?

Die Konzeption einer Multiplikatorenschulung des Gesundheitsamtes wurde mit dem Amt für Jugend und Familie abgestimmt. Die Schulungen wurden in den Monaten September 2024 bis März 2025 per Videokonferenz sowie in Präsenz angeboten (jeweils mehrere Termine). Der Teilnehmerkreis setzte sich zusammen aus: Kita-Leitungen, deren Stellvertretungen sowie Gruppen-Erzieher und -Erzieherinnen. Es waren auch die Projekt-Einrichtungen vertreten. Der Vortragsinhalt umfasste sowohl die Vorteile der sächsischen Kita-Untersuchung (aufsuchend durch das Gesundheitsamt in den Kitas) als auch die Vorsorgeuntersuchungen bei den niedergelassenen Kinderärzten. Gegen Ende der Veranstaltungen fand jeweils ein reger Austausch/eine Diskussion statt. Es wurden durch die Kampagne 142 Kitas erreicht.

 

Termin Multiplikatorenschulung

 

 

Online

 

Präsenz

 

Teilnehmerzahl

 

27.09.2024 (alle Leitungen der städt. Einrichtungen)

 

 

 

X

 

ca. 50

 

28.10.2024

 

 

 

 

X

 

13

 

29.10.2024

 

 

X

 

 

 

8

 

27.11.2024

 

 

X

 

 

 

7

 

10.03.2025

 

 

X

 

 

45

 

12.03.2025

 

 

 

 

X

 

19

 

gesamt

 

 

 

 

142

2. Welche neuen Informationsmaterialien wurden infolge des Stadtratsbeschlusses erstellt und wo werden diese zur Verfügung gestellt?

Die Informationsmaterialien für die Eltern sind erarbeitet und in die gängigen Fremdsprachen übersetzt. Alle Informationsmaterialien sind auf der Webseite der Stadt Leipzig unter

Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen durch das Gesundheitsamt - Stadt Leipzig unter Kita-Untersuchung (4. Lebensjahr) einzusehen. Die Flyer werden ebenfalls in entsprechender Stückzahl gedruckt.

Material:

- Flyer Elterninformation zur Kita-Untersuchung auf Deutsch

- Flyer in Fremdsprachen

Diese Flyer zur Bewerbung der Kita-Untersuchung werden vor den Untersuchungsterminen durch das Gesundheitsamt in den Kitas ausgegeben. Zusätzlich werden die Kita-Leitungen persönlich durch das Personal des Gesundheitsamtes gebeten, die Eltern auf die Vorteile dieser aufsuchenden ärztlichen Gesundheitsvorsorgeuntersuchung hinzuweisen, um eine möglichst hohe Teilnahmequote zu erreichen.

Es wurden drei Informationsflyer in einfacher Sprache zu den Themen Sprache, Fein- sowie Grobmotorik erstellt. Bei Entwicklungsauffälligkeiten eines Kindes werden den Eltern, je nach Thema, Informationsbriefe mitgegeben. Da dies nicht alle Eltern betrifft, sind diese drei Flyer nicht „offen“ auf der städtischen Webseite eingestellt.

Diese Materialien sind mittels QR-Code auf den ausgegebenen Flyern in den gängigen Fremdsprachen zu erhalten.

https://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/gesundheit/kindergesundheit/vorsorgeuntersuchungen-gesundheitsamt/elternbriefe-kita-untersuchung-fremdsprachen

3. Wie bewährt sich die Ausweitung der Untersuchungszeit pro Kind im Projektgebiet Grünau? Können infolge dessen bereits positive Veränderungen wahrgenommen werden? Wurde eine Erweiterung dieser Praxis auf andere Schwerpunktgebiete geprüft, wenn ja, mit welchem Ergebnis? Wurde und wird zu diesem Zweck das Personal des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes erweitert?

Die Untersuchungszeit pro Kind wurde bereits im Untersuchungsjahr 2023/2024 im Projektgebiet Grünau für die Kita-Untersuchung ausgeweitet. Im Untersuchungsjahr 2024/25 wurden in allen städtischen Aufmerksamkeits- und Schwerpunktgebieten die Untersuchungszeiten verlängert. Es wird verstärkt auf die Teilnahme an der Kita-Untersuchung in diesen Gebieten hingearbeitet (entsprechende Bewerbung).

In den zehn Projekt-Kitas werden in den Sommerferien für die Kinder, die gefehlt haben, Ersatztermine angeboten.

Auch für die Schulaufnahmeuntersuchungen wurden für die Kinder in den städtischen Aufmerksamkeits- und Schwerpunktgebieten im Untersuchungsjahr 2023/2024 größere Zeitfenster eingeplant. Dies wird im kommenden Einschulungsjahr ab August 2025 fortgesetzt. Die Beratungsbedarfe durch die schulärztlichen Teams in diesen Gebieten waren sehr hoch und erfordern viel Zeit.

Das Personal des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes wurde bislang nicht erweitert. Durch die abnehmenden Kinderzahlen (Geburtenrückgang) kann dies personell derzeit noch ausgeglichen werden.

4. Welche weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Kindergesundheit insbesondere in Schwerpunkt- und Aufmerksamkeitsgebieten gibt es?

Die Auswertungen der Daten zur Schulaufnahmeuntersuchung sind im Dashboard Kindergesundheit ersichtlich. Abrufbar unter nachfolgendem Link: https://geoportal.leipzig.de/arcgis/apps/experiencebuilder/experience/?id=963aeec2d1fc486bada7bd9b05d81bac

Hier wird deutlich, dass in den städtischen Aufmerksamkeits- und Schwerpunktgebieten alle gesundheitlichen Besonderheiten vermehrt auftreten – entsprechend der einschlägigen Literatur zur gesundheitlichen Chancenungleichheit bei Kindern. Die Daten des Gesundheitsamtes unterstreichen diese Erkenntnisse. In den hier zu betrachtenden städtischen Aufmerksamkeits- und Schwerpunktgebieten müssen verstärkt Programme der Primärprävention laufen (z. B. Programme zur Sprachförderung, zu gesunder Ernährung, zu Bewegung und insbesondere zur Mediennutzung). Hintergrund ist allen voran die Tatsache, dass wichtige Weichen für die kindliche Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren gestellt werden. Daher ist zu betonen, dass eine alltagsintegrierte sehr frühe pädagogische Förderung in den Einrichtungen eine extrem hohe Bedeutung hat – im Schulterschluss mit der Förderung im Elternhaus. Hierzu bedarf es geeigneter Personalschlüssel in den Kitas, insbesondere in den städtischen Aufmerksamkeits- und Schwerpunktgebieten. Um benachteiligte Kinder in den ersten drei Lebensjahren sowie im Kita-Alter (3 bis 6 Jahre) zu fördern, bedarf es zusätzlich eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes. Die Eltern müssen entsprechend gestärkt werden.


Ein großes neues Problemfeld ist die starke Mediennutzung der Eltern im Beisein kleiner Kinder sowie die Mediennutzung der unter 3-Jährigen.


Der Kinder- und Jugendärztliche Dienst benötigt für seine Vorsorgeuntersuchungen bei den 4-Jährigen und den Einschülern in diesen Gebieten mehr Zeit und berät die Eltern, Kitas und Schulen eingehend. Dies ist wichtig und erfordert gewisse Zeitfenster. Ziel sollte trotz Geburtenrückgang sein, dass der Personalschlüssel im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst erhalten bleibt, um diesen hohen Beratungsbedarfen gerecht werden zu können und die Kinder/Eltern in das Versorgungssystem zu führen (SGB V, Jugendhilfe, Sozialhilfe).

Allerdings wird dadurch nicht kompensiert, was an frühkindlicher Förderung in den Jahren davor gefehlt/nicht stattgefunden hat. Im Alter von 4 bis 6 Jahren kann man nur noch bedingt Entwicklungsdefizite aufholen.

Angedacht ist zum Thema „Gefahren der Mediennutzung bei Eltern kleiner Kinder“ sowie „Gefahren der Mediennutzung bei kleinen Kindern“ eine multimodale städtische Kampagne in verschiedenen Bereichen. Erste Gespräche für eine Zusammenarbeit von Dezernat VII (Jugend, Schule und Demokratie) und Dezernat V (Soziales, Gesundheit und Vielfalt) sowie dem Kinderärztenetzwerk e. V. wurden bereits geführt.

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