VII-F-09304 Anzahl der Suchtkranken in Sachsen und Leipzig
In der LVZ vom 3. November wird auf Seite 9 unter der Überschrift „Sachsen mit Spitzenplatz bei Suchtkranken“ über den Morbiditäts- und Sozialatlas des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung informiert. Danach waren 2021 im Freistaat 226 Personen je 10.000 Einwohner suchtkrank. In dem Zeitungsbeitrag wird auch auf einzelne sächsische Kreise eingegangen, zu Leipzig gibt es allerdings keine Angaben. Die Meldung fällt im Übrigen mit dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin zusammen, der vom 3. bis 5. November 2023 in Leipzig stattfindet.
Fragen an den Oberbürgermeister:
1. Wie bewertet die Stadt die Ergebnisse der Studie?
2. Welche genauen Zahlen liegen für Leipzig über die Entwicklung der Suchtkranken über den Zeitraum der letzten fünf Jahre bezogen auf die Gesamtbevölkerung vor?
3. Gibt es zahlenmäßig Differenzierungen nach Art der Sucht (Alkohol, Drogen, Medikamente usw.) sowie nach Berufsgruppen, wie sie in der Studie vorgenommen werden?
4. Inwieweit spielt bei der Studie eine Rolle, dass Suchterkrankungen oftmals eng mit psychiatrischen Problemen und Erkrankungen verknüpft sind und entsprechende Menschen häufig doppelt betroffen sind?
5. Sieht die Verwaltung auf Grund der Studie Änderungsbedarf im Bereich der städtischen Sucht- und Drogenpolitik?
Antwort:
1. Wie bewertet die Stadt die Ergebnisse der Studie?
Die Stadt Leipzig nimmt die Studie zur Kenntnis.
Die Datengrundlage der Studie bilden ausschließlich Datensätze von Personen, die in dem jeweiligen Auswertungsjahr durchgängig bei der BARMER versichert waren. Auf Basis dieser Daten und unter Einbeziehung mehrerer Faktoren erfolgte eine Hochrechnung, um einen Vergleich zu anderen Bundesländern und im gesamtdeutschen Kontext zu erhalten. Eines der wichtigsten Risikomerkmale ist die Morbidität der Versicherten. Sie wird über die ambulanten und stationären Diagnosen sowie die verordneten Arzneimittel erfasst.
Diese Daten lassen sich nicht mit den in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen erhobenen Daten vergleichen. Die Suchtberatungsstellen erfassen Daten für die Deutsche Suchthilfestatistik. Die Deutsche Suchthilfestatistik ist das nationale Dokumentations- und Monitoringsystem im Bereich der Suchthilfe in Deutschland. Sie beschreibt:
1) ambulante und (teil-)stationäre Einrichtungen der Suchthilfe hinsichtlich struktureller Merkmale und Leistungsspektrum und
2) die dort betreute/behandelte Klientel hinsichtlich soziodemographischer und suchtbezogener Aspekte sowie betreuungs-/ behandlungs-spezifischer Merkmale.
Die Daten werden bundesweit in standardisierter Form (Kerndatensatz KDS 3.0) erhoben und durch das Institut für Therapieforschung (IFT) analysiert. Die wichtigsten Ergebnisse werden jährlich in Tabellenbänden und einem Jahresbericht online zur Verfügung gestellt. Die Daten der Leipziger Suchtberatungsstellen fließen hier ein.
Das Gesundheitsamt schlägt ein Gespräch mit der BARMER vor, um die Daten einordnen zu können. Im Austausch soll insbesondere der Fragestellung der „Doppeldiagnosen“ (s. Frage 4) nachgegangen werden, um die im Dashboard dargestellten Ergebnisse zu Drogen- und Alkoholmissbrauch und psychischen Erkrankungen zusammenzuführen. Zu dem Ergebnis wird der Fragesteller informiert.
2. Welche genauen Zahlen liegen für Leipzig über die Entwicklung der Suchtkranken über den Zeitraum der letzten fünf Jahre bezogen auf die Gesamtbevölkerung vor?
Die der Stadt vorliegenden Zahlen zu Suchtkranken in Leipzig werden im jährlichen Suchtbericht der Stadt Leipzig veröffentlicht. Die Daten basieren auf den in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen dokumentierten Fallzahlen.
Da 2018/2019 eine Umstellung der Dokumentationssysteme erfolgte, ist die Auswertung in einer Fünf-Jahresscheibe nur bedingt möglich. Dazu wurde in den Fachausschüssen ausführlich informiert.
Ausgewertet wird der Beratungsanlass nach Hauptsubstanz. Nachstehend die entsprechende Grafik für die Jahre 2020 bis 2022.
3. Gibt es zahlenmäßig Differenzierungen nach Art der Sucht (Alkohol, Drogen, Medikamente usw.) sowie nach Berufsgruppen, wie sie in der Studie vorgenommen werden?
Bezüglich einer Auswertung nach der Art der Sucht wird auf die Grafik unter Antwort 2 verwiesen.
Eine Auswertung nach der Beruflichen Situation ist möglich und erfolgt in folgenden Kategorien:
- Arbeiter/-in, Angestellte/r, Beamt/-in/-er
- Arbeitslos nach SGB II
- Schüler/-in, Studierende, Auszubildende/-r
- Berufliche Rehabilitation
- Elternzeit (längerfristiger) Krankenstand
- Hausfrau/-mann
- Rentner/-in, Pensionär/-in
- Selbstständige/-r, Freiberufler/-in, sonstiges
Im Jahr 2022 war ein großer Teil der Klient/-innen in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen arbeitslos erfasst und bezog Leistungen nach ALG I oder II. Diese Gruppe wird gefolgt von der Gruppe der Angestellten/Arbeiter/-innen. Es wurden auch 523 Schüler/-innen, Auszubildende und Studierende beraten.
4. Inwieweit spielt bei der Studie eine Rolle, dass Suchterkrankungen oftmals eng mit psychiatrischen Problemen und Erkrankungen verknüpft sind und entsprechende Menschen häufig doppelt betroffen sind?
Diese Frage kann aus dem im Dashboard veröffentlichten Daten nicht beantwortet werden und soll im Gespräch mit der BARMER thematisiert werden.
Erfahrungen bestätigen, dass es einen großen Zusammenhang zwischen Suchterkrankungen und weiteren psychischen Erkrankungen gibt. In diesen Fällen greift in Leipzig das Netzwerk Psychiatrie und Sucht, auch in gemeinsamen Fallbetreuungen.
5. Sieht die Verwaltung auf Grund der Studie Änderungsbedarf im Bereich der städtischen Sucht- und Drogenpolitik?
Suchtkrankenhilfe wird übergreifend umgesetzt. In der Stadt Leipzig gibt es ein breit gefächertes und gut vernetztes Angebot. Dies spiegelt sich auch in den aktuell neu vom Stadtrat verabschiedenden Sucht- und Drogenpolitischen Leitlinien wider.
Änderungen und Weiterentwicklungen im System werden im Drogenbeirat unter Einbeziehung der Stadträte diskutiert.
