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VII-F-07290 Wagner 22 – Also doch eher kritiklose Huldigung?

Thomas Kumbernuß

Mit der Anfrage VII-F-07191 "Wagner 22 - Kritiklose Huldigung oder Beginn der Aufarbeitung des Wirkens von Leipzigs bekanntesten Antisemiten" sollte das antisemitische Wirken Richard Wagners thematisiert sowie der Umgang der Stadt Leipzig einschließlich seiner Eigenbetriebe hinterfragt werden. Es ging hierbei nicht um die spätere Rezeption seines Werkes und/oder seiner Aufführungspraxis. Darum wirken mehrere Antworten unbefriedigend und befremdlich, woraus sich viele Nachfragen ergeben.

1) In den Antworten auf die Frage 2 der Anfrage VII-F-07191, die sich nach Veranstaltungen im Rahmen des Fesitvals "Wagner 22" erkundigt, die den Antisemitismus Richard Wagners thematisieren, heißt es in Absatz 2 ("Die Oper leipzig..."): "Schwerpunkte bilden die politische Instrumentalisierung Richard Wagners im Nationalsozialismus und die exemplarische Aufarbeitung der in diesem Zuge erfolgten antisemitisch motivierten Verbrechen sowie die ideologisch gefärbte Aufführungsgeschichte in der DDR." Auf welche Frage bezieht sich diese Antwort und was hat sie mit dem Antisemitismus von Richard Wagner zu tun?

2) Im Absatz 3 heißt es zu Beginn "Die kompletten Wagner-Festtage stehen in der Traditionslinie des jüdisch stämmigen Dirigenten Gustav Brecher. Brecher war einer der zentralen Erneuer des Musiktheaters in der Weimarer Republik und hob unter anderem Brecht/Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ aus der Taufe. Ein zentrales Moment der Erneuerung war die Wagner-Pflege." Sollte sich diese Antwort auf den Antisemitismus von Richard Wagner beziehen, könnte so der Eindruck einer Relativierung entstehen nach dem Motto "Wenn ein jüdisch stämmiger Dirigent Wagner aufführt, wird der Künstler und sein Weltbild schon tragbar sein..." Ist dem Kulturamt die Interpretation dieser Antwort bewusst? Sollte sich die Antwort nicht aus Wagners Antisemitismus beziehen, worauf bezieht sie sich dann?

 

3) In Absatz 4 ("Das Institut für Musikwissenschaft...") ist von "...Richard Wagner und seinem jüdischen Antipoden Felix Mendelssohn-Bartholdy ..." die Rede. Hierbei entsteht der Eindruck einer Auseinadersetzung zwischen zwei Künstlern, von "Leitfiguren der Leipziger Musikgeschichte". Dieses greift zu kurz, da so der Eindruck entsteht, Wagners Antisemitismus beruht auf einer Auseinandersetzung zwischen ihm und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

4) Auch die weiteren Antworten zu Frage 2 setzen sich nicht intensiv mit Wagners Antisemitismus auseinander und beziehen sich kaum auf die Anfrage VII-F-07191, da sie nicht im Kontext zum Festival "Wagner 22" stehen. Das Festival "Wagner 22" hat internationale Strahlkraft. Ist der Stadt Leipzig da ein reibungsloser Ablauf im Glanze Wagners wichtiger als eine intensive kritische Auseinandersetzung?

5) Wie schon zuvor entsteht auch in der Beantwortung der Frage 4 leider der Eindruck einer nur oberflächlichen Auseinadersetzung mit dem Antisemitismus bei Richard Wagner. So heißt es darin "Bei Persönlichkeiten wie Luther oder Bach ist im Gegensatz zu Wagner der Antisemitismus sogar unmittelbar im Werk greifbar." Hier wird Antisemitismus mit Antijudaismus vermengt, was sowohl inhaltlich als auch geschichtlich falsch ist. Ist dies dem Kulturamt bewusst?

6) Wird es also im Rahmen des Festivals "Wagner 22" kritische Auseinandersetzungen mit Richard Wagner und seinem Werk zu seinen Lebzeiten geben, die ihn als führenden Vertreter des Antisemitismus thematisieren? Gar als Vorreiter, dessen Antisemitismus nicht eines Zeitgeistes entsprang, sondern der ihn aktiv befördert hat?

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