Leipzig braucht einen Gleichstellungs-Aktionsplan
Trotz formaler Gleichstellung von Frauen und Männern ist sie auch in Leipzig immer noch nicht Realität geworden. Frauen verdienen in Leipzig ca. 17 Prozent weniger als Männer, 2009 waren es „lediglich“ 14 Prozent. Der Einkommensunterschied vergrößert sich demnach. 28 Prozent der Frauen zwischen 50 und 60 Jahren haben oft ein so geringes Einkommen, dass sie nicht davon leben können. Frauen arbeiten häufiger in geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnissen oder in Teilzeit. Von dem Zuwachs bei den Vollbeschäftigungsverhältnissen profitieren im Augenblick nur die Männer. Sie dominieren auch immer noch in den Leitungs- und Entscheidungsebenen. So wird zum Beispiel nur eine von 14 Fakultäten der Universität von einer Frau geleitet. Obwohl der Universität Leipzig eine Rektorin vorsteht, ist das Rektorat zu vier Fünfteln mit Männern besetzt. An Leipzigs Universitäten und Hochschulen hat nur jede fünfte Professur eine Frau inne. Viele Frauen empfinden es auch heute noch als schwierig, Familie und Beruf bzw. Karriere zu vereinbaren. Viele wünschen sich deswegen familienfreundlichere Angebote, mehr Flexibilität bei Arbeits- und Betreuungszeiten und vor allem eine Anerkennung der Familienarbeit.
Mit unserem Antrag „Unterzeichnung der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“ fordern wir nicht nur eine symbolische Unterschrift des Stadtoberhauptes unter einer weiteren Charta. Nein, mit der Unterzeichnung der Charta verpflichtet sich die Stadt, innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Gleichstellungs-Aktionsplan zu erstellen, in dem auf Grundlage lokaler Bedürfnisse Ziele und Schwerpunkte für Leipzig festgelegt werden. Aber nicht nur das, er soll auch geplante Maßnahmen und bereitzustellende Ressourcen, verbunden mit einem Zeitplan zur Umsetzung dieser Ziele, enthalten. In den Prozess der Erstellung des Aktionsplanes sollen möglichst viele Akteurinnen und Akteure aus dem öffentlichen und privaten Sektor einbezogen werden. Dadurch bietet sich für die Stadt nicht nur die Chance, Gleichstellungsarbeit zu fördern und für die Bürgerinnen und Bürger transparent zu machen, sondern wieder eine öffentliche Diskussion über die Gleichstellung der Geschlechter anzuregen, was gleichfalls ein erklärtes Ziel der Charta für Gleichstellung ist.
