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Kritik des Kreistages am neuen MDV-Tarifmodell geht in die falsche Richtung

Jens Herrmann

Als Mitglied des MDV-Aufsichtsrates muss ich der harschen Kritik des Landkreises Leipziger Land am neuen Tarifmodell und den Preissteigerungen unbedingt widersprechen. Sie trifft völlig falsche Adressaten und ist wenig konstruktiv.

Die Einflussnahme des Landkreises auf den MDV ist natürlich schon gegeben. Der Landkreis hat sehr wohl die Möglichkeit, der Tariferhöhung seine Zustimmung zu verweigern. Da es sich im MDV-Gebiet um Zonen handelt, in denen unterschiedliche Fahrpreise gelten, kann der Landkreis für seine Zonen günstigere Fahrpreise festlegen. Allerdings mit der Konsequenz, dass die entsprechenden Mindereinnahmen der Verkehrsunternehmen lt. Gesellschaftervertrag durch den Flächenaufgabenträger, d. h. den Landkreis Leipziger Land, zu tragen sind.

Das ist aber nicht gewollt. Wie jedoch anders als über Tarifsteigerungen sollen allgemeine Steigerungen gerade im Bereich Energie oder sinkende Zuschüsse bzw. Ausgleichszahlungen von Bund, Land und Landkreis ausgeglichen werden? Einsparungen innerhalb der Verkehrsunternehmen allein können diese Lücke unmöglich schließen.

Natürlich sind Fahrpreiserhöhungen ärgerlich, machen den öffentlichen Personennahverkehr unattraktiver und bedingen auch den Wegfall von Fahrgästen – im Leipziger Land noch eher als in der Stadt.

Dringend notwendig ist eine andere Finanzierung des ÖPNV – entweder durch gesicherte Zuweisungen von Bund und Land oder auch über eine allgemeine Verkehrsabgabe. Ohne stabile, zuverlässige Finanzierung wird sich die Spirale zwangsläufig weiterdrehen. 

Noch ein Wort zum neuen Tarifmodell: Hier werden seit Jahren geäußerte Forderungen der Fahrgäste nach größerer Flexibilität aufgegriffen. Das starre Wochen- und Monatskartensystem wurde allein im Leipziger Stadtrat mehrfach kritisiert. Wenn nun endlich der MDV diese Wünsche aufgreift, ist es unpassend, ihn dafür gleichzeitig zu kritisieren.

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