Die Instrumentenreform der Bundesregierung beginnt zu wirken – und vernichtet Substanz!
Zur drohenden Einstellung des Spielbetriebs an den Cammerspielen erklärt Dr. Skadi Jennicke, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE:
Die Nachricht von der drohenden Einstellung des Spielbetriebs der Cammerspiele in der zweiten Jahreshälfte ist ein Schock. Ursache ist die Instrumentenreform der Bundesregierung. In den Cammerspielen laufen zwei Kommunalkombistellen aus, ohne die der Produktionsbetrieb nicht abgesichert werden kann.
Bereits im Oktober hat die Fraktion DIE LINKE mit einer Anfrage an den Oberbürgermeister auf die wegfallende Förderung von Stellen, die insbesondere im Kultur- und Sozialbereich verheerende Auswirkungen zu haben drohen, aufmerksam gemacht. Das Kulturamt wurde von uns mehrfach befragt, welche Einrichtungen in ihrer Substanz gefährdet sind. Die Antworten waren stets ausweichend und vertröstend. Zwar versicherte das Kulturamt, die Entwicklung im Auge zu halten, konkrete Pläne zur Absicherung der Einrichtungen gibt es aber offenbar nicht. Im Fall der Cam-merspiele ist das besonders ärgerlich, da es hier die klare Aussage des Kulturamtes gab, der Be-trieb in 2012 sei gesichert.
Um so größer ist bei mir der Schock nach der heutigen Mitteilung des Hauses. Doch die Cammerspiele sind kein Einzelfall. Auch im Theatrium droht der Wegfall von Kommunalkombi und Ar-beitsgelegenheiten in der Entgeltvariante dazu zu führen, dass die aus städtischen Mitteln umfas-send hergerichtete neue Spielstätte nicht mehr bespielt werden kann. Weitere Einrichtungen sind in ihrem Kernbereich substanziell betroffen.
Es ist einzusehen, dass die wegfallenden Stellen nicht vollständig durch städtische Mittel kompen-siert werden können. Aber ich erwarte vom Kulturamt, dass es die Lage offen und ehrlich analysiert und gemeinsam mit den betroffenen Einrichtungen konstruktiv nach Lösungen sucht. Letztlich steht das Kulturangebot der Freien Szene auf dem Prüfstand. Darüber muss offen debattiert werden.
Beide Einrichtungen – Cammerspiele und Theatrium – zielen mit ihrem Angebot in jeweils eigener Weise auf niedrigschwelligen Zugang zu kulturellen Angeboten sowohl auf der Seite der Darsteller als auch der Zuschauer.
