Zur Einrichtung einer Babyklappe
Eine Schwangerschaft kann die Lebensplanung von Menschen entscheidend verändern. Sie löst je nach aktueller Lebenssituation unterschiedliche Gefühle aus: Freude und Hoffnung, aber auch Unsicherheit und Angst bis hin zur Verzweiflung.
Unsere politische Arbeit hat wieder begonnen. Unterschiedliche Anschauungen und Meinungen werden deutlich, verschiedene politische Ziele werden verfolgt. Das ist Normalität.
Aber auf einer Ebene besteht parteiübergreifend ein gemeinsamer gefühlsmäßiger Draht: Wenn es um unsere Kinder, Enkel, Nichten, Neffen geht. Und wenn die SPD-Fraktion durch Frau Neubert vor wenigen Wochen Zuwachs erhielt, freut das auch die anderen Fraktionen. Sie wissen, was ich meine. Unsere Augen leuchten über das Glück, dass wir in unseren Familien, bei Freunde und Kollegen empfinden und ich bin sicher, alle nehmen Anteil an deren Entwicklung. Leider ist das nicht in allen Familien so.
Eine Schwangerschaft kann die Lebensplanung von Menschen entscheidend verändern. Sie löst je nach aktueller Lebenssituation unterschiedliche Gefühle aus: Freude und Hoffnung, aber auch Unsicherheit und Angst bis hin zur Verzweiflung.
In Deutschland werden im Jahr zwischen 30 und 40 Babys aufgefunden, die ausgesetzt wurden, weil ihre Eltern keinen anderen Ausweg sahen.
Viele von diesen Kindern mussten sterben, weil sie zu spät gefunden wurden.
Leipzig hält sicher viele Beratungs- und Hilfsangebote für junge Mütter, für Mütter und Väter in seelischer oder materieller Not seitens der Stadt oder freier Träger vor. Das schätzen wir und stellen es nicht in Abrede. Aber es ist auch Fakt,
- dass wir ein sozialer Brennpunkt in Sachsen sind,
- dass es Mütter und auch Väter gibt, die aus Scham, aus Angst vor Strafe oder aus anderen Gründen bestehende Beratungs- und Hilfsangebote nicht in Anspruch nehmen.
Deshalb sollte ein anonym nutzbares Hilfsangebot neben den bestehenden Angeboten auch in Leipzig sein.Wir wissen auch, dass es nicht erwiesen ist, dass seit der Einrichtung von Babyklappen oder Wärmebettchen die Zahl der Kindestötung zurückgegangen ist.Aber erwiesen ist, dass mit der Einrichtung von Wärmebettchen gesundheitliche Schäden bei ausgesetzten Kindern zurückgegangen sind.
Unser Antrag soll helfen, lebensgefährlichen Kurzschlusshandlungen von Müttern und Vätern in einer für sie ausweglos erscheinenden Situation eine Alternative zu geben.Deshalb hoffen wir auf ihre Unterstützung.
Lassen sie mich zum Abschluss etwas zum Umgang mit unserem Antrag sagen.Seit 12 Jahren bin ich jetzt im Stadtrat und noch nie ist ein Antrag einer Fraktion mit einer Gegenvorlage beantwortet worden. Ein Stil der nicht nur unsere Fraktion verwundert. Wir verstehen, wenn sie unsere Meinung nicht teilen, aber ihre Vorlage hätten sie wenigstens mit dem Gesundheitsamt absprechen sollen; denn in ihr sind Dinge ohne Zusammenhang aufgeführt, ihre Mitarbeiter werden das bestätigen. Sie haben den Sachverstand in ihrem Amt.Die Verwaltung hat dieses Thema zu einem Thema des Sommerlochs gemacht. Uns war es dafür zu ernst und zu wichtig. Aber die breite Reaktion der Leipzigerinnen und Leipziger hat gezeigt, dass diese dem Antrag auf Einrichtung einer Babyklappe in Leipzig positiv gegenüberstehen. Ich hoffe es hat sie nicht überrascht.
Abschießend zwei weitere Meinungen aus der Politik.Die SPD-Bundestagsabgeordnete Christine Lender und der CDU – Bundestagsabgeordnete Friedhelm Repnik äußerten beide fast wörtlich:>br>Das Recht auf Leben rangiert vor dem Recht auf Kenntnis der Abstammung.Meine Meinung: Wenn man leben darf, kann man aus seinem Leben etwas machen, auch wenn man nicht weiß, wer einen geboren hat.
