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Zum Bibliotheksentwicklungskonzept

Erika Brand

Zwischen unserem Anspruch an moderne Stadtteilbibliotheken und den derzeitigen finanziell technischen Möglichkeiten der Stadt klaffte die Schere immer weiter auseinander.

Erinnern Sie sich noch, wie ein Sturm der Entrüstung durch unserer Reihen und die Medien ging, als ruchbar wurde, dass Stadtteilbibliotheken zu Lesezimmern in den Schulen minimiert werden sollten und das noch als großartige Tat zur Verbesserung der Lesefähigkeit unserer Kinder durch Mitarbeiter mehrerer Ämter angepriesen wurde. (Heute will man davon nichts mehr hören, Schwamm drüber, wenn wir in der Zukunft mit solch grandiosen Ideen verschont werden)Ich denke es ist wichtig, dass sich heute auch die Kritiker der vorliegenden Bibliothekenentwicklungskonzeption daran erinnern. Gelang es doch, in einem monatelangen Annäherungsprozess Standpunkte so zu komprimieren, dass eben nicht nur der Rotstift des Kämmerers darüber entscheiden wird, wie sich die Bibliothekenlandschaft unserer Stadt in den nächsten Jahren sich entwickelt, sondern vielfältiger Sachverstand und die Erfahrungen externer Fachleute berücksichtigt werden konnten.

Zwischen unserem Anspruch an moderne Stadtteilbibliotheken und den derzeitigen finanziell technischen Möglichkeiten der Stadt klaffte die Schere immer weiter auseinander, je mehr wir Mitglieder der Arbeitsgruppe uns mit dieser Problematik vertraut machten. Erklärtermaßen wollten wir aber keinesfalls in der Qualität der bibliothekarischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie am erreichten technischen Niveau und gleich gar nicht am Bucherneuerungsgrad Abstriche machen. Das bleibt nur Konzentration für Qualität.

So entstand die Idee von der mittelfristigen Realisierung von vier großen Stadtteilbibliotheken in Paunsdorf, Plagwitz, Möckern und Südvorstadt in der Steinstraße und den kleineren aber ebenso modern ausgestatteten Statteilbibliotheken in Grünau, Böhlitz-Ehrenberg, Eutritzsch, Schönefeld, Reudnitz und Stötteritz, flankiert von einer modern ausgerüsteten Fahrbibliothek mit lesefreundlichen Haltestellen sowohl auf vormittags auf Schulhöfen und nachmittags an den dann unterversorgten Gebieten unserer Stadt immer mit dem Blick darauf, das Netz so bürgerfreundlich wie möglich zu gestalten und den Bedingungen anzupassen.

Aber natürlich reiften nicht alle Blütenträume, diese Konzeption ist ein Kompromiss, den sicher nicht jeder in allen Teilen tragen kann. Da ist es für die Engelsdorfer vielleicht ein bisschen leichter, die Kröte der nun ausgehandelten Schließung Ende 2005 zu schlucken, wenn die große Stadtteilbibliothek Paunsdorf in den Raum des PaunsdorfCenters ziehen wird, als das bei den Holzhausenern ist, für die die Stötteritzer Bibliothek noch in weiter Ferne, die ungenutzten Räume in Holzhausen aber ständig präsent wären. Als literarische Orte bieten die Stadtteilbibliotheken ein attraktives , vielseitiges Veranstaltungsangebot, das einen wichtigen Beitrag zur Stadtteilkultur leistet, heißt es in der Konzeption…
Ein weiterer Grund, warum wir unseren Änderungsantrag zum Erhalt der Bibliothek Holzhausen gestellt haben. Wie wir wissen, sehen das die Kolleginnen und Kollegen der CDU ebenso, schlagen vor, diese Bibliothek um die Buchbestände von Liebertwolkwitz zu erweitern . Das wird natürlich unsere Zustimmung finden.

Nicht mittragen können wir auch die Schließung der Lößniger Bibliothek. So rasch sollten wir ein Pilotprojekt, das wir mit großen Hoffnungen begonnen haben nicht aufgeben. Mein Kollege Gerd Schlegel wird unseren Änderungsantrag begründen. Ich bitte Sie schon jetzt um ihre Zustimmung.(Umgekehrt wird ein Schuh daraus: nicht Rückzug aus Lößnig, sondern aktive Öffentlichkeitsarbeit, eine interessante Bibliotheksarbeit, Intensivierung der Arbeit vor allem mit den Eltern der Ostwaldschülern, Einbeziehung der Lehrer und des Elterrates in diesen Prozess und nicht lockerlassen). Es geht einfach nicht, dass die … Dreißigtausend Bürgerinnen und Bürger im Südraum unserer Stadt von der Steinstraße an, ohne urbane Bibliothek auskommen sollen.Darüber hinaus bleibt die Anpassung der Bibliotheksstandorte und der Fahrbibiliothekshaltestellen an Entwicklungen der Stadt ständige Aufgabe.

Mich überzeugt die Konzeption auch deshalb, weil es bei deren Umsetzung endlich in absehbarer Zeit dazu kommt , dass die Stadtbibliothek am Leuschner Platz eine Zentralbibliothek mit allen baulichen Notwendigkeiten einer modernen Bibliothek wird, dass die Stadtteilbibliotheken heutigen und zukünftigen Maßstäben von Bibliotheksarbeit gerecht werden können und eben nicht nur Romanausleihstationen sein werden und dass so die Leipziger Bibliothekarinnen und Bibliothekare mehr Möglichkeit haben, mitzuhelfen dass wohl die wichtigste Kulturtechnik , das Lesenlernen sich zur Lesefreude bei unseren Kindern entwickeln kann.

Ich habe den Eindruck, dass sich in unserem Land zur Zeit etwas ganz Wichtiges tut: Während vor noch gar nicht langer Zeit den Eltern ausschließlich die Verantwortung für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zugetraut wurde (und damit war manche Mutter und viele Väter sehr alleingelassen), spricht man jetzt vernünftigerweise von der Bedeutung des Einflusses der ganzen Gesellschaft auf die gesunde Entwicklung unserer Jüngsten, auf ihre Erziehung, Bildung, ihre Kultur, ihre Normen und Werte. Dieser Tenor schwingt auch in unserer Bibliothekskonzeption mit. Finden wir da doch solche Gedanken wie: …benötigt wird ein professionelles Informationsangebot für junge Familien sowie ein bibliothekarisches Angebot zur stärkeren Einbeziehung der Eltern in die Leseförderung ihrer Kinder. Zielgruppe ist die ganze Familie…
So wichtige Bestandtteile der Konzeption wie (auf Seite 5) Bereitstellung von Computerarbeitsplätzen in ausreichenden Zahl, Qualifizierung der Beratungstätigkeit, Leistungen für die „Informationsdemokratie“ usw. sind Ausdruck der Forderung an die Qualitätsverbesserung der Arbeit der Bibliotheken. Und letzten Endes schafft die Konzeption auch Planungssicherheit für die Mitarbeiter der Bibliotheken und damit erhoffe ich einen großen Motivationsschub für freudvolle und engagierte Arbeit, für ideenreiche Bibliotheksveranstaltungen, für Lesungen, Kinder, -Eltern und Seniorenveranstaltungen, kurz für ein aktives Leseverhalten der Leipzigerinnen und Leipziger als Teil ihres kulturellen Anspruchs. Wie heißt es doch bei MDR-Kultur: Kultur ist was für jeden Tag…

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