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Wohnen ist die ursprüngliche Hauptfunktion gewesen, die aus Siedlungen Städte werden ließ

Siegfried Schlegel

Revitalisierung der Innenstädte heißt eben nicht, dass großflächiger Einzelhandel von der „grünen Wiese“ in die Innenstädte umzieht und urbanes Leben ausschließlich als Einkaufen in Beton- und Glashöhlen , neudeutsch „Mall“ genannt, stattfindet.

Stadt ist nicht Mischung von Zentren sondern von Funktionen, im Stadtzentrum nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Vertikalität. So legen Rahmen- und B-Plan fest, dass die Erdgeschosse ausschließlich und teilweise auch das erste Obergeschoss Handel, Gastronomie und Dienstleistung aufnehmen, während die oberen Geschosse der Büro- und Wohnnutzung vorbehalten sein sollen und vorhandene Wohnungen unter besonderem Schutz stehen. Wohnen ist die ursprüngliche Hauptfunktion gewesen, die aus Siedlungen Städte werden ließen. Bereits im März 2001 im Zusammenhang mit der Absicht einen Kinostandort am ehemaligen Hallischen Tor vorzusehen, hatte die PDS-Fraktion erklärt, dass eine attraktive Funktion an der Fußgängerhauptachse zwischen Hauptbahnhof und Markt vorstellbar ist,aber deshalb nicht gleich ein ganzes Wohnquartier abgerissen werden muss.

Der Auszug vieler Mieter aus den Wohnblöcken am Brühl, der darauf hin verstärkt einsetzte und weiter anhält, war nach unserer Meinung einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass die LWB- seit der Wende eine vernünftige Instandsetzung und Instandhaltung der Gebäude hinausgezögert hat. So konnte unterstellt werden, es sollen bei dieser Gelegenheit ungeliebte Plattenbauten gleich mit entsorgt werden. Tatsache ist, das die Brühlbebauung eines der wenigen Zeugnisse der Architekturauffassung Anfang der 60-er Jahre in Deutschland ist, die an Le Courbisier Bezug nimmt.
Mit dem jetzigen Konzept könnte auch in Leipzig das Wirklichkeit werden, was im Zusammenhang mit der Forderung nach Verwertungskündigung schon 2001 als Problem erkannt wurde, nämlich der Abriss von begehrten und überwiegend bewohnten Gebäuden zum Zweck der besseren Grundstücksvermarktung in innerstädtischen Stadtteilen.
Dies muss auch im Interesse des Erhalts eine sozialen Durchmischung und der Wohnfunktion im Stadtzentrum verhindert werden.
Wir wiederholen in diesem Zusammenhang - Kein vernünftiger Mensch dürfte bereit sein, eine Wohnung in dem Unternehmen zu mieten, von dem er vorher zwangsweise aus einer vertrieben worden ist. Statt dessen setzen wir uns für ein vernünftiges Miteinander von Mieter und Vermieter im sensiblen Prozess des Stadtumbaus ein. Dem sinkenden Bedarf an Wohnungen stehen Ansprüche nach vernünftiger Qualitätsverbesserung gegenüber. Kein Mieter darf sich aber bedroht und allein gelassen fühlen. Wir sind froh, dass dies auch die LWB-Geschäftsführung den Bewohnern zugesagt hat.

Nach den Plänen sollen das Wohnen am Brühls quasi weggeschoben werden,was noch zu oft mit dem grausamen Wort „Entmietung“ umschrieben wird. Ein Begriff, den die LWB glücklicherweise inzwischen abgelegt hat.

Revitalisierung der Innenstädte heißt eben nicht, dass großflächiger Einzelhandel von der „grünen Wiese“ in die Innenstädte umzieht und urbanes Leben ausschließlich als Einkaufen in Beton- und Glashöhlen , neudeutsch „Mall“ genannt, stattfindet.
Leipzig und sein Stadtzentrum beweist täglich, dass eine historische und sich zugleich ständig erneuernde Stadt vor allem dann von seinen Bewohnern und auch von Gästen angenommen wird, wenn in ihr zeitgemäß gelebt werden kann.

Auch im Stadtzentrum muss ein Hauptziel der Stadtentwicklung und der Wohnungspolitik sein, dass zukünftig die Bewohner und zeitweilig dort Lebenden eine, ihren finanziellen Möglichkeiten und ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnung nach Lage, Größe und Ausstattung in einem attraktivem Wohnumfeld finden können. Dem wachsenden Bedarf an altersgerechten, barrierefreien und rollstuhlgerechter Wohnungen muss Rechnung getragen werden. Die LWB darf sich keinesfalls aus dem Stadtzentrum zurückziehen. Durch entsprechende Angebote können unterschiedliche Alters- und soziale oder Interessengruppen, wie Jugendliche, Studenten Singles, Familien und Alleinerziehende sowie Senioren oder Ausländer für ein Wohnen im Zentrum gewonnen werden.Unter Berücksichtigung des Wohnungsleerstands fordern wir daher, dass mindestens 70% der bisherigen Wohnfläche erhalten bzw. in unmittelbarer Nachbarschaft neu entstehen. Einer bisher angedachten nur 20% - igen Wohnnutzung, bei 60% für Einzelhandel und 20% Fläche für Büros und Dienstleistungen, stimmen wir nicht zu. Im Rahmen eines Flächentauschs ist auch eine Riegelbebauung am Bildermuseum mit altengerechten Wohnungen und Bereitstellung sanierter leerer Innenstadtwohnungen der LWB vorstellbar. Vor dem Hintergrund der internationalen Leipziger Olympia-Bewerbung ist gerade zu ein Muss wieder Sportliche Einkaufs- ergänzt durch Angebote zur sportlichen Betätigung in dem Komplex mit unterzubringen.

Die Ansätze in der heutigen Beschlussvorlage lassen uns ein solches schlüssiges Konzept bisher nicht erkennen, weshalb die PDS-Fraktion dieser Vorlage keine Zustimmung geben kann. Die PDS-Fraktion hat mit ihrem Forum am 31. März den Dialog mit den betroffenen Bewohnern des Brühl begonnen, an dem sich auch die LWB-Geschäftsführung und das Stadtplanungsamt sowie Ordnungsamt aktiv beteiligten. Die Zeit der Sprachlosigkeit ist also vorbei.

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