Das Auenentwicklungskonzept ist noch Zukunftsmusik
Der Leipziger Auwald ist einer der bedeutendsten, wenn nicht gar der bedeutendste Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten im Leipziger Raum. Doch die Probleme des Auwaldes sind unübersehbar. Man müsste eigentlich eher von einem Auawald sprechen als von einem Auwald. Fehlendes Wasser in einem Gebiet, dass eigentlich von Überflutungen gekennzeichnet sein sollte, ein stetig wachsender Nutzungsdruck und Krankheiten wie das Eschentriebsterben.
Und jetzt soll ein Wassertouristisches Nutzungskonzept aufgestellt werden? Ein Wassertouristisches Konzept, obwohl wir erst vor kurzem beschlossen haben, ein Auenentwicklungskonzept aufzustellen? Sollte sich der Tourismus nicht dem Naturschutz unterordnen, sprich, sollten wir nicht erst die Aue in einen guten Zustand versetzen und dann schauen, wie viel Tourismus überhaupt noch machbar ist?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dazu ein glasklares und unmissverständliches Ja von mir und meiner Fraktion. Leider wird das aber Wunschdenken bleiben müssen. Das Auenentwicklungskonzept ist nämlich noch Zukunftsmusik, Paddler*innen, die mit Monoboxen an Bord durch Schutzgebiete fahren, sind jedoch bereits Realität. Der Tourismus auf unseren Gewässern findet statt und er wird auch noch stattfinden, wenn wir beschließen, kein wassertouristisches Nutzungskonzept aufzustellen. Ich glaube es ist auch nochmal wichtig, an dieser Stelle klarzumachen, dass wir heute noch kein Konzept verabschieden, sondern bloß beschließen, eines zu erarbeiten.
Dass sich die Aufstellung dabei am Verfahren für Bebauungspläne orientiert, ist positiv, denn es bietet uns als Stadträt*innen gleich an mehreren Stellen die Möglichkeit, Änderungen vorzunehmen oder notfalls sogar die Reißleine zu ziehen. Es bietet aber auch den Umweltverbänden und Bürger*innen die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Und wenn ich an dieser Stelle von einer Reißleine spreche, dann meine ich das auch so. Das wassertouristische Nutzungskonzept wird kein Selbstläufer werden.
Wenn beispielsweise im WTNK von 2005 geschrieben steht, dass, -Zitat: „die vollständige Erschließung der Leipziger Gewässer das Ziel ist und es dafür verschiedener wasserbaulicher Anlagen bedarf“, um die - Zitat: „durchgängige Schiffbarkeit“ herzustellen, gibt es von mir die rote Karte. Das wassertouristische Nutzungskonzept darf kein Instrument für die Förderung von Wassertourismus zulasten der Umwelt werden. Es muss in erster Linie ein Instrument für die Steuerung und umweltbewusste Regulierung des Wassertourismus' werden. Diese Möglichkeit verbauen wir uns allerdings, wenn wir das wassertouristische Nutzungskonzept erst gar nicht aufstellen.
Die Alternative heißt dann, der Verwaltung das Ruder zu überlassen. Das können meiner Meinung nach weder wir als demokratisch gewählte Stadträt*innen wollen, noch kann ich nachvollziehen, dass es im Interesse derer ist, die der Verwaltung diesbezüglich ohnehin schon misstrauen.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Umweltschützerinnen und Umweltschützer, liebe Stadträtinnen und Stadträte,
nutzen wir das wassertouristische Nutzungskonzept, um gemeinsam Tourismus und Naturschutz in Einklang zu bringen. Ob das WTNK am Ende nämlich der Auenrenaturierung entgegensteht oder ein wirksames Instrument wird, um den Nutzungsdruck im Auwald zu reduzieren, liegt ganz alleine an uns. Für mich ist klar: Projekte, welche am Ende dafür sorgen könnten, dass das Wasser nicht in die Aue kommt: raus damit. Wenn wir im WTNK am Ende trotzdem etwas beschließen sollten, das uns später im Auengesamtkonzept nicht mehr in den Kram passt, weil sich die Situation geändert hat: Raus damit. Auch in 3 Jahren noch: Raus damit.
Noch viel besser ist allerdings: Gar nicht erst rein mit solchen Projekten. Deswegen haben Jürgen Kasek und ich einen Änderungsantrag vorgelegt, der fordert, alle Projekte mit Relevanz für das Auenentwicklungskonzept gesondert den Ausschüssen zur Beratung vorzulegen und diese bei der Vorstellung des ersten Entwurfs zu kennzeichnen. Nur so können wir als ehrenamtliche Stadträt*innen, aber auch Bürgerinnen und Bürger oder Umweltverbände unsere Hausaufgaben machen und WTNK und Auengesamtkonzept verzahnen. Klar ist aber auch: Das Wassertouristische Nutzungskonzept ist kein Konzept für die Förderung der Auenentwicklung. Sonst würde es vermutlich auch Auenentwicklungskonzept heißen.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
heute reden wir nur über einen Aufstellungsbeschluss, der aber alleine schon viele Gemüter erhitzt hat. Dabei beginnt die richtige Arbeit heute erst. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das AIDA-Clubschiff niemals im Stadthafen anlegen wird, außer wenn die Bugwelle nachweislich zur Auenrenaturierung beiträgt. Stimmen sie deswegen auch dem Änderungsantrag von Herrn Kasek und mir zu.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.
Rede zur Drucksache DS 00234 "Fortschreibung Wassertouristisches Nutzungskonzept - Aufstellungsbeschluss i. V. m. Bestätigung überplanmäßiger Aufwendungen gem. § 79 (1) SächsGemO".

