Stadtumbau nicht nur für, sondern mit den Menschen gestalten!
Es bleibt für uns die wichtigste Herausforderung – Stadtumbau ist nicht nur für die Menschen, sondern vor allem mit ihnen zu gestalten. Ebenso war und ist es uns wichtig, die Eigenverantwortung der Wohnungseigentümer beim Abriss hervorzuheben.
In einem Hit der DDR-Rockgruppe Puhdys heißt es: „Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt, dass er zu früh geht, wenn ein Mensch lange Zeit lebt, sagt die Welt es ist Zeit, dass er geht. Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln Steine zerstreu`n - Gleiches gilt für Gebäude, wie eben auch Wohnhäuser. Es ist widersinnig über den Abriss relativ neuer, kostengünstig sanierungsfähiger Gebäude im Osten zu diskutieren, während gleichzeitig in westlichen Bundesländern Industrieansiedlungen mit der Forderung zum Bau von Wohnungen und nach Schulen sowie Kindertagesstätten verknüpft werden, was vor allem durch den Zuzug aus dem Osten bedingt ist. Der im Raum Leipzig erfolgte Zuzug aus dem Westen gleicht den Wegzug in den letzten Jahren nicht mehr aus.
Zukünftige Bundesregierungen und vor allem die deutsche Wirtschaft, müssen sich daran messen lassen, wie durch Schaffung von Arbeitsplätzen die fortgesetzte Abwanderung aus dem Osten gestoppt wird.Als von Wohnungsunternehmen gefordert und der Expertenkommission der Bundesregierung im November 2000 vorgeschlagen wurde, das Verbot zur Verwertungskündigung auf DDR-Mietverträge aufzuheben, hat die PDS als erste bundesweit darauf hingewiesen, dass dies weder politisch noch juristisch vertretbar ist und kein vernünftiger Mensch bereit sein dürfte, sich in dem Unternehmen einzumieten, von dem er vorher zwangsweise aus einer Wohnung vertrieben worden ist. Erst Mitte vergangenen Jahres setzte sich diese Erkenntnis auch in Leipzig durch.
Es bleibt für uns die wichtigste Herausforderung – Stadtumbau ist nicht nur für die Menschen, sondern vor allem mit ihnen zu gestalten. Ebenso war und ist es uns wichtig, die Eigenverantwortung der Wohnungseigentümer beim Abriss hervorzuheben. Diese Verantwortung verbunden mit dem Ziel die Mieter im Unternehmen zu halten, nehmen die Wohnungsunternehmen immer stärker wahr. Die vorhandenen Instrumente wie die Schlichtungsstelle bei Mietstreitigkeiten, das Forum Grünau oder wohnkomplexbezogene Beiräte sind zu erhalten oder zu schaffen, wo sie fehlen.
Bei aller Eile ist es richtig, über den Teilplan Großwohnsiedlungen erst heute zu entscheiden. Dadurch konnten Betroffene Bedenken äußern und Vorschläge unterbreiten.
Den Machern des STEP`s und dem Dezernenten persönlich muss Kreativität und Lernfähigkeit bescheinigt werden. Vorschläge der PDS-Fraktion, wie der unbedingte Erhalt von Gebäuden mit behindertengerechten Erdgeschosswohnungen oder der 9-geschossigen Punkthochhäuser, die extra als altengerechter Wohnungstyp mit Sozialstationen entwickelt wurden, sollen erhalten und beschleunigt saniert werden. Die Idee, problematische Wohnkomplexe wie WK 7 und WK 8 in Grünau mit dem Sanierungsrecht einschl. Sozialplänen umzubauen, war nicht nur uns gekommen.Präziser werden im überarbeiteten Teilplan bzw. den ergänzenden Vorlagen auch die Möglichkeiten der Umnutzung des Umbaus mit oder ohne Teilrückbau vorzugsweise vor dem Totalabriss propagiert. Während am Abriss einzelner Gebäude in Grünau kein Weg vorbeiführt, sollte auf Grund der Entwicklung im Nordraum, auf den Abriss in den benachbarten Großwohnsiedlungen völlig verzichtet und statt dessen über Einmottung nach gedacht werden.Die PDS-Fraktion hat sich von Anbeginn konstruktiv und kompetent in den Diskussionsprozess eingebracht und zur Versachlichung der Diskussion beigetragen.
Als erste hatte sie sich zum Abriss des ehemaligen Bauarbeiterhotels in Grünau öffentlich geäußert und war bereit, auch über einen Abriss von sanierungsfähigen Gebäuden zu diskutieren, wenn dadurch die betroffene Wohnsiedlung erhalten und sozial stabilisiert werden kann. Dies wird aber nur dann so bleiben, wenn nicht dafür Gebäudemumien, über deren städtebaulich und architektonischen bzw. denkmalpflegerischen Wert man streiten kann, mit volkswirtschaftlich unvertretbaren Aufwand zu neuem Leben erweckt werden. Dem ideologisches Ausspielen der im Rahmen des komplexen Wohnungsbaus errichteten sogenannten Plattenbauwohnungen zugunsten der Gründerzeitquartieren werden wir auch zukünftig entgegentreten. Debatten wie zum Totalabriss des WK 7 in Grünau dürfen sich nicht wiederholen.
Für jemanden, der selbst Jahrzehnte seines Lebens am Bau von zehntausenden Wohnungen und zugehörigen Einrichtungen unmittelbar mitgewirkt hat, ist die heutige eine der schwersten Gewissensentscheidungen. Millionen Menschen auf dieser Welt haben kein menschenwürdiges Obdach geschweige denn eine zumutbare Wohnung, ihnen fehlt quasi die dritte Haut.
Viele Bauarbeiter, darunter zahlreiche, die sich noch heute als Grünauer fühlen, haben in ihrem Arbeitsleben auch bei brütender Sommerhitze und in kalten Wintern mit Verstand und Herz Wohnungen gebaut, Genossenschafter haben Arbeitsstunden geleistet, die Mieter kommunaler Wohnungen haben mit je hundert Stunden zur Gestaltung der Grünflächen in Grünau beigetragen. Jeder Wohnkomplex für sich ist Heimat für seine Bewohner geworden. Die Achtung vor diesen Leistungen gebietet ein Höchstmaß an Verantwortung und Sensibilität beim Stadtumbau, den wir ausdrücklich anmahnen.
