Nutzung und Eigentum sind keine guten Freunde!
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, liebe Gäste,
Wenn Städte wachsen, schrumpfen die Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Dabei schrumpft auch die Fläche, die nicht mit Gebäuden oder Parkplätzen bebaut ist. Zeitgleich erhöht sich der Nutzungsdruck und die Flächennutzungskonkurrenz. Immer mehr Menschen prügeln sich um immer weniger Platz.
Dann kollidiert plötzlich mein Freiluft-Pilateskurs mit dem Rugbytraining anderer Stadträte. Oder die Grünen bekommen Probleme beim ungestörten Bäumeknuddeln, weil die Partymäuse von der CDU, deren C laut Herrn Weickert ja für Clubkultur steht, mal wieder einen semi-legalen Rave organisiert haben. Aus einer Flächennutzungskonkurrenz wird dann ein handfester Flächennutzungskonflikt.
Das muss jedoch nicht sein. Denn einen Großteil der Zeit sind Flächen tatsächlich wenig oder gar nicht benutzt. Ist ja auch klar: Mein Pilateskurs hat irgendwann ein Ende und spätestens, wenn sich die Abdrücke der Baumrinde in die Wangen der Grünen Kolleg:innen gebrannt haben, gehen auch diese heim. Nur bei den Tanzbären der Union bin ich mir zugegebener Maßen nicht sicher. Warum?
Weil ich von Nutzung rede und manche Kolleg:innen vermutlich schon Eigentum denken. Aber Nutzung und Eigentum sind keine guten Freunde. Der gemeinsame Spaß endet, wo die Zugänglichkeit und damit die Doppel- oder Mehrfachnutzung eingeschränkt wird.
Beim heute vorliegenden Antrag geht es nicht darum Rugby, Pilates und Party in Einklang zu bringen. Es geht darum, das Rahmengrün, also das nicht-sportlich genutzt Grün auf Sportplätzen, für eine ökologische Bewirtschaftung oder Nutzung zu öffnen.
Die Probleme, also die Eigentumsfrage, die Haftbarkeit, die Zugänglichkeit, die Nutzungskonflikte – all das begegnet uns aber auch hier.
Dass die Flächen aber in der Regel nicht ganztägig einer Nutzung unterliegen, dass sie zumindest theoretisch von mehreren Akteur:innen benutzt werden können und dass sich dadurch Konflikte einer wachsenden Stadt zumindest teilweise reduzieren lassen, das gilt ebenso.
Warum soll ein Urban Gardening Projekt nicht auf dem Gelände eines Sportvereins ein Gemüsebeet anlegen? Warum kann das Rahmengrün nicht mal eine Mahdinsel oder einen Blühstreifen umfassen? Immerhin bekommen die Vereine sogar Geld für die Pflege der Grünfläche. Wenn wir dieses Pflegegeld erhöhen, um ökologische Bewirtschaftung zu fördern, kann ich mir gut vorstellen, dass viele Vereine mitziehen.
Ich denke viele Sportvereine sind da viel weiter, als wir denken. Sie engagieren sich bereits sozial, aber auch ökologisch. Ich glaube es war Herr Geißler, der ein Beispiel brachte, wo ein Sportverein schon heute Bienenkästen aufstellt, um die Artenvielfalt zu fördern.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen,
Der vorliegende Antrag ist eine Unterstützung für eben solche Vereine, die schon ökologisch vorangehen und für diese, die es gerne würden, aber noch nicht wissen wie. Lassen sie uns die knappen Flächen effektiv nutzen. Das heißt so, dass möglichst viele Menschen, diese in Anspruch nehmen können, damit wir keine neuen, bisher noch naturbelassenen, Flächen erschließen müssen. Das heißt aber auch so, dass wir in jeder Fläche auch eine Chance für Biodiversitäts- und Klimaschutz sehen.
Ich bitte sie deshalb um Zustimmung zum vorliegenden Antrag und Ende mit den Worten meine Kollegen Adam Bednarsky: Sport frei.
Danke

