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Naturkundemuseum entwickeln

Dr. Skadi Jennicke

Warum tun wir uns hier im Stadtrat so unendlich schwer mit dem Naturkundemuseum? Warum scheuen wir uns, auf diese Bürgersammlung, die vor über 100 Jahren von einem Lehrer gegründet wurde, stolz zu sein? Die Sammlung des Naturkundemuseums ist einzigartig. Am Montag diese Woche haben sich die Bewerber für die Direktion dieses Hauses vorgestellt. Sie alle kannten diesen Wert, haben ihn – allen voran die Dermoplastiken von ter Meer, aber auch die geologische Sammlung – hervorgehoben. Nun weiß ich wohl, dass in dieser Runde keiner sagen würde, dass die Sammlung nichts zu bieten hätte, aber die Perspektive von außen schärft gleichwohl den Blick aufs Eigene.
Seit 2011 gibt es den erklärten Willen der Bürgerinnen und Bürger wie auch des Stadtrates, einen Neustart für das Naturkundemuseum zu ermöglichen. Im September 2012 (!) sollte der Masterplan vorliegen. Im Sommer 2013 lag eine Vorabfassung vor, beschlussfertig ist nach wie vor nichts. Ob eine Standortentscheidung mit dem Masterplan gefällt werden soll – dazu heißt es heute so und morgen so.
Inzwischen erhitzen sich die Gemüter am geplanten neuen Standort Bowlingcenter. Für und Wider sind hier bekannt, auch, dass ich die kritischen Einwände (Wasser, Sicherung des Sammlungsgutes, Überflutungsgebiet etc.) teile. Das bringt uns ohne Masterplan aber nicht weiter. Ebenso wenig hilfreich ist es, wenn sich einzelne Fraktionen schon festlegen, ohne die neue Fassung des Masterplans zu kennen.
Aus diesem Grund hat die Fraktion DIE LINKE in ihrem Änderungsantrag erneut einen Termin vorgeschlagen, wann der Masterplan vorliegen soll. Dieser liegt immerhin ein Jahr und vier Monate nach dem ursprünglich beschlossenen, sollte also zu schaffen sein. In diesem Masterplan sollen auch die Ergebnisse der Tiefenprüfung auf eindringendes Wasser sowie verkehrsbedingte Erschütterung einfließen.
Liegt der Masterplan Anfang des Jahres vor, dann erwarte ich, dass noch im nächsten Jahr (2014) ein Planungs- und Baubeschluss erfolgt. Hierfür sind Planungsmittel notwendig. Im Haushaltsplanentwurf der Verwaltung steht da eine satte Null. Wir beantragen für 2014 150.000 Euro Planungsmittel, weil ansonsten ein erneutes Jahr mit Stillstand vergeht. Das können wir der neuen Direktorin, dem neuen Direktor, der 2014 sein Amt antreten will, nicht antun.
Im zweiten Änderungsantrag reagieren wir auf die Personalvorschläge im Antrag der Grünen. So gut gemeint Ihr Antrag, sehr geehrte Vertreter der GRÜNEN-Fraktion, ist, so schießt er doch – mit Verlaub – ein wenig übers Ziel hinaus. Sie übernehmen die Stellenmatrix des Masterplans, der offiziell noch gar nicht vorliegt und wollen alles auf einmal. Mit der Überschrift suggerieren Sie ein sterbendes Museum. Sie beleben es aber kaum, indem sie noch mehr Menschen dort hineinsetzen, die gar keinen Platz haben, um zu arbeiten, die gar keinen Platz haben, doppelt bis dreifach so viele Schülergruppen zu empfangen. Insofern haben wir uns erlaubt, ihren Antrag ein wenig zu variieren auf den unserer Meinung angemessenen Bedarf: DIE LINKE  beantragt die Bereitstellung von Mitteln, um die Geologiesammlung wissenschaftlich zu betreuen sowie den Vorlass von Prof. Dr. Lothar Eißmann, aufzuarbeiten. Dieser Vorlass hat die Sammlung des NKM erheblich aufgewertet und selbstredend auch erweitert. Und gemäß der Verpflichtung eines Museums muss dieser aufbereitet werden, um für Forschungs- und Ausstellungszwecke genutzt werden zu können. Sollte der Vorlass im Archiv verschwinden, könnte es die letzte Schenkung gewesen sein. Dieser Museumsbestand wäre aber auch ein guter Anlass für das Museum selbst, Drittmittel zu aquirieren, was bislang fast vollständig unterlassen wurde.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie unseren Änderungsanträgen zustimmen könnten, damit wir in 2014 einen erkennbaren Schritt weiter kommen mit unserem Naturkundemuseum.

 

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