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Marco Götze zur Erhöhung der Ticketpreise für die Leipziger Oper

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, 

sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Wahrnehmende dieser Ratsversammlung,

wir haben ja schon genug über die schweren Zeiten gestritten.

Und dies ist selbstverständlich bei Entgeltordnungen noch insbesondere zu thematisieren. Wir stehen vor einem neuen komplexen Gefüge von Eintrittspreisen verschiedener Platzkategorien. Fakt ist, die Karten werden erheblich teurer. Ich kann nicht behaupten, dass uns das gefällt. Ich kann nicht behaupten, dass das für alle Liebhaber der Oper leicht zu vermitteln sein wird.

Bisweilen sind die Steigerungen heftig. Im Ganzen lässt sich weitgehend erkennen, dass die soziale Wirklichkeit unserer Stadt, in der es sehr sehr viele Menschen mit wenig Geld gibt, mit in die Überlegungen eingeflossen sind. Die bereits diskutierten Umstände erfordern Mehreinnahmen. Gleichwohl muss die Erfahrung zeigen, ob diese Preiserhöhung überhaupt vom Publikum so akzeptiert wird.

Möglicherweise wird ein oft zu leeres Haus noch leerer. Oder es bleibt halb leer wie oft. Schwerlich kann man sich vorstellen, dass sich das Haus dadurch mehr füllt. Dafür bedarf es neuer künstlerischer Impulse und Ideen, mehr Menschen in die Oper zu locken. Die wohl überlegte Staffelung der Eintrittspreise für die verschiedenen Kategorien sehen wir durchaus. Sie reichen von recht leistbar für mittelverdienende Menschen bis zu recht teuer.

An einer Stelle allerdings begehren wir mit unserem sehr kleinen und bescheidenen Änderungsantrag eine sehr wichtige Korrektur. Dies trifft die preiswerteste Karte im großen Haus und damit den Grundzugang zum Operngenuss. Es handelt sich um eine einzige von mehr als 20 Kartenkategorien auf nicht gerade den besten Plätzen. In der alten Platzgruppe 6 Preiskategorie A alt kostete die preiswerteste Karte 13 Euro. Die preiswerteste Karte Platzgruppe 6 Preiskategorie A neu kostet nunmehr 19 Euro, entnehmen können Sie das der Anlage 1. Dies ist eine Steigerung um 6 Euro, also um über 46 Prozent.

Ganz unabhängig davon, dass die Platzgruppen und Preiskategorien umstrukturiert und von 56 auf 30 reduziert wurden, ist dies ein Effekt. Dies halten wir gerade für die Niedrigstverdienenden, für Rentnerinnen und Rentner und andere Menschen mit wenig Geld, für eine zu heftige Steigerung im Eingangsniveau. Wir sind auch in der Pflicht, dem geringstverdienenden Teil unserer Gesellschaft den regelmäßigen Zugang zu unserem schönen Opernhaus zu ermöglichen.

Wir schlagen eine moderatere Erhöhung um einen Euro vor, also auf 14 Euro, so wie es auch bei vielen anderen Kategorien preiswerter Plätze der Fall ist, auch in derselben Anlage bei der MuKo. Ich möchte noch hinzufügen: Alle anderen in Anlage 1 angeführten Steigerungen liegen zwischen 5,6 und 15,2 Prozent. Die teuersten Karten steigen um 11,6 Prozent. Warum also bei der preiswertesten Karte der Oper 46 Prozent? Zudem ist bei der MuKo ist die preiswerteste Karte nur von 11 auf 12 Euro gesteigert, was auch aus unserer Sicht absolut vertretbar ist.

Die Steigerung bei der Oper erscheint mir in sich und verglichen mit der MuKo also zusätzlich nicht besonders konsistent. Diese eine kleine Teilkategorie von 30 Kategorien wird keine relevante Auswirkung auf die gesamte Einnahmekulisse und den Wirtschaftsplan haben. Diese wenigen Euro sollten in der Tat auch durch höhere Auslastungen generierbar sein.

Für viele stellt diese Platzkategorie eine Chance auf den häufigeren Besuch der Oper dar. Für viele, die es sonst sehr schwer hätten, sich diesen Besuch öfter zu leisten. Vielleicht können Sie diesen Perspektivwechsel vornehmen, auch wenn viele hier im Haus sich die sozialen Realitäten von Menschen, die von der Hand im Mund leben müssen, nicht aus eigenem Erleben vorstellen können. Diese wenigen Karten werden sehr begehrt sein, aber sie öffnen die Affinität zum Haus, fördern die Verbundenheit mit der Oper. Zudem ist es auch ein wichtiges Signal, dass die Oper kein Kulturbetrieb nur für Besserverdienende ist.

Ich bitte Sie, diese kleine, ich möchte sagen, winzige, aber sozial wichtige Änderung wohlwollend zu prüfen. Vielen Dank.

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