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Marco Götze zur Einrichtung einer Außenstelle der Immanuel-Kant-Schule

Marco Götze

Sehr geehrter Herr OBM, sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, 

 

wenn Sie aus einer Wohnung ausziehen, dann können Sie die Risse in der Wand aus dem Gedächtnis nachzeichnen, sie haben ihnen vielleicht sogar Namen gegeben, Sie sehen Landkarten im abgeblätterten Putz, Elefanten und Gebirge zeichnen sich in abgeblätterter Farbe ab.

Mit all diesen Phänomenen der Abnutzung können Sie leben, weil sie die verwohnte Wohnung ja verlassen. Es ist mit Sicherheit eine andere Perspektive, wenn Sie der Riss und der Bröckelputz und der Kellerschimmel als neue Bewohnerin begrüßen und zu ihnen sagen: „Herzlich Willkommen, wir verbringen die nächsten Jahre zusammen.“

Dann kann man den Mängeln entgegnen, Ihr wachst nicht, Ihr bleibt unerheblich, die Verwaltung hat‘s versprochen. Oder man sagt, es muss was geschehen, bevor man einzieht. Aufklärung sei die Befreiung des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, so sagte Immanuel Kant.

Und nun sehen Sie, wohin uns die Kurve trägt: zum geplanten Interim für die kleineren Klassen des Kantgymnasiums in die ehemalige Schule Petri. Es ist sicher ein sehr lobenswertes Vorhaben der Verwaltung, den Peak der Schülerinnenzahlen an den weiterführenden Schulen kreativ abzufangen und nach Lösungen zu suchen.

Der Plan sieht bekanntlich vor, dass Klasse 5 und 6 in Größenordnung von etwa anderthalb Klassen zusätzlich in einer Außenstelle unterrichtet werden. In diesem Zeichen hat man sich im Kantgymnasium zunächst aufgeschlossen gezeigt, die Petrischule, welche in die ehemalige, leider ehemalige Schumannschule zieht, zu beerben und ihr altes Gebäude nachzunutzen.

Nun denn, es kam Ernüchterung. Der bauliche, hygienische und optische Zustand wird als mangelhaft betrachtet, die Mängel werden benannt. Dem schließen sich etliche Eltern, im Sinne auch der Stadtbezirksbeirat Süd, an. Es ist gestritten worden, inwiefern die Abnutzungserscheinungen des Gebäudes seine Nutzbarkeit oder Sicherheit einschränken.

Ich vermag hier nicht mit den Wandrissen in fachkompetenten Dialog zu treten, wohin sich ihre Tiefe entwickelt. Ich kann auch nicht die Wachstumsgeschwindigkeit des Schimmels in den gesperrten Räumen prognostizieren. Eines jedoch steht fest: Ob es gerade so geht oder nicht – es ist von der Beschaffenheit her derzeit kein wirklich einladender Ort, die ersten Schuljahre an einer weiterführenden Schule zu erleben. 

Ich sage grundsätzlich auch nicht Gymnasium, weil es völlig egal ist, welche Schulform. Das Vertrauen ist seitens der Schulleitung ganz offensichtlich nicht da, ohne brachiale Thematisierung der Zustände Abhilfe zu erreichen. Von den Trocken-Toiletten über die Bedingungen für das Essen, die Beschaffenheit der Wände, die Nutzbarkeit von Gebäudeteilen, Ort des Sports und der Pausen, etc. Schließlich soll man noch Jahre dort bleiben.

Diese Abhilfe, also möglichst zeitnahe Reparaturen und auch optische Auffrischung, das ist psychologisch auch nicht ganz unwichtig, werden auch vom Stadtbezirksbeirat Süd angemahnt. Die Tische und Stühle Petri werden wie das restliche Mobiliar vor Ort bleiben. Aber das reicht nicht für eine Außenstelle.

Ausstattung und Wartung gehören ebenso dazu wie die Gewährleistung eines rasanten Auszuges und Einzuges. Klassen 5 startet mit Biologie und Geografie, Klasse 6 beginnt mit Physik und Fremdsprachen. Hierfür hat eine heutige Schule ausgestattete Fachkabinette, Kunst und Werken brauchen schon frühzeitig welche. Ob dies für die Außenstelle gewährleistet ist, steht nur zu hoffen –  wie die höhere Ausstattung des Gymnasiums mit Personal, Hausmeisterin, Schulsachbearbeiterin, für Bibliothek, Inklusion, Schulsozialarbeit.

Vergessen wir nicht: Eine Außenstelle hat auch personaltechnisch extreme Herausforderungen. Lehrkräfte brauchen Zeit für Wege. Viele Fächer bieten nicht genug Stunden über die kleinen Klassen hinweg, um Lehrkräfte in der Außenstelle zu belassen. Ein schwer planbarer Wanderzirkus mit vielen Reibungsverlusten wird die Folge sein. Wenn es wirklich so ist, dass wir dafür die Mittel nicht haben, so sind wir ganz arm dran.

Die Fragen stellen sich bei doch vielen Betroffenen: Gab es keine Kapazitätsalternativen von 1,5 Klassen angesichts vieler neuer Schulen? Gab es keine Möglichkeit, die baulichen und ästhetischen Mängel alsbald zu beheben oder zumindest das Signal einer geplanten Behebung dazu zu senden? Ist das Interim organisatorisch tatsächlich von uns als Schulträgerin und vom LASuB als Personalträgerin rundum abgesichert oder verschiebt man die Schwierigkeiten auf das Organisationstalent der Schulleitung? Gibt es bei weiterem Fortschreiten von Mängeln einen Plan B, wenn das Gebäude Probleme hat? Warum nutzt man den Leerstand nicht zu einer umfassenden Sanierung und Ertüchtigung? Lässt sich dort gut lernen und ankommen?

Alles in allem Zweifel genug, bei allen auch von uns gesehenen guten Absichten, den eingeschlagenen Weg auf diese Weise schweren Herzens abzulehnen. Auch wenn der Weg hier beschlossen wird, wir werden dranbleiben und einen Zustand anmahnen, der tragbar ist.

Wir hoffen zudem, dass die Verwaltung von selbst die Mittel und Kraft dazu finden möge, wie sie das ja an vielen Stellen das auch tut. Das wäre natürlich der beste Weg. Hier lehnen wir vorerst ab.

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