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Leipziger Kulturstätten langfristig fördern!

Marco Götze

Leipzig als Gamma-Weltstadt hat vor allem einen, nachhaltig die Zeiten überdauernden, weltweiten Bekanntheitspunkt: seine Musikgeschichte und seine kulturelle Tradition. Dies ist auch ein Hauptgrund dafür, dass wir jährlich das finanzieren, was wir als recht arme Stadt trotz zahlreicher Herausforderungen eben zu investieren bereit sind. Saniert werden muss zweitens im Gebäudebestand ohnehin fortwährend, das bleibt keiner und keinem, die bzw. der länger als nur kurzzeitig im Stadtrat verweilt, wirklich verborgen. Und dieser Notwendigkeit stellen wir uns kollektiv. Ein dritter Hauptpunkt ist sicherlich die grundsätzliche Kulturaffinität und Verbundenheit zur kulturellen Bildung vieler Stadträtinnen und Stadträte, die den kulturellen Eigenwert von Oper –  inklusive Musikalischer Komödie – Gewandhaus, Schauspiel, Theater der Jungen Welt und Musikschule kennen und schätzen. Daher sind hier also alle bereit, Kultureigenbetriebe nachhaltig zu unterhalten und stabil zu finanzieren. Die allermeisten teilen sogar, manche erst später, die Erkenntnis, dass die gefundene Struktur ganz tragfähig und optimiert ist. Sicher sind Weiterentwicklungen immer denkbar, aber wohl kaum im Wege einer massiven Strukturumbauerei.

Aber glauben wir doch nicht, dass all das selbstverständlich war oder für alle Zeit bleiben muss. Das würde ja bedeuten, dass wir uns im Herbst hier alle in der Zusammensetzung wiedersehen. Die Zeiten aber sind mehr als dynamisch – a) wegen künftig anderer politischer Mehrheiten, b) wegen der Flüchtigkeit von inhaltlichen Gewissheiten, c) wegen der grundsätzlich verschiedenen Prägungen von Menschen und ihren politischen Prioritäten. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Stadtrat künftig aus denselben politischen Kräften besteht, die wir heute hier sehen. Das Parteiensystem ist im Fluss und selbst die Letztstabilen beginnen zu erodieren, auch wenn dies langsam geschieht ohne dass sie es merken. In den letzten Jahren erleben wir, dass politische Grundüberzeugungen eine immer kürzere Halbwertzeit haben, so auch Prioritäten und Zugewandtheiten. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass heute Selbstverständliches immer und ewig selbstverständlich bleibt. Es ist auch nicht gesagt, dass fortwährend kulturaffine Vertreterinnen und Vertreter sich in unseren eigenen Fraktionen oder ganz neuen durchsetzen. Es gibt bei immer knapperen Mitteln viele Begehrlichkeiten und Notwendigkeiten, die Gewichte können sich da schnell verschieben. Da Umstrukturieren-Wollen und Abstoßen von Teilen der Eigenbetriebe in der Vergangenheit durchaus stattfand, das ist also nicht aus der Luft gegriffen.

Ja, wir wollen Hürden aufrichten. Hürden, sich an etwas sehr Wertvollem zu vergreifen. Zumindest sollte man einen politischen Konsens zunächst diskutieren müssen. Zum anderen wollen wir aber –das ist fast wichtiger – den Betrieben Stabilität und Planbarkeit sichern. Und zwar über die Kurzlebigkeit unserer politischen Strahlkraft hinaus. Man soll nicht wieder das ausgekaute Argument des Populismus‘ bemühen. Wenn wir populistisch wären, dann würden wir beantragen, 20 Millionen Euro bei der Hochkultur zu kürzen und damit Straßenlöcher zu stopfen. Wenn wir den Wert dieser Kultur nicht schätzen würden und es uns allein um Tourismus ginge, dann würden wir sagen, dass auch Fußball höherer Ligen ausreichend Hotelbetten füllt. Nein, es geht uns um das klar Gesagte. Stabilität und Verlässlichkeit sowie Zugang zur Hochkultur und zur kulturellen und musischen Bildung für alle. Denn Kultur ist, was diese Stadt ausmacht. Der Verwaltungsstandpunkt ist ganz nett, markiert aber nicht viel mehr als der Ist-Zu-Stand. Kurzum, er hat nicht genug Hintern in der Hose. Wir lassen daher unseren eleganteren Antrag abstimmen. Vielen Dank.

 

 

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