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Kulturpolitischer Gegensatz

Klaus-Dieter Bartig

Soziokulturelle Zentren und Initiativen gehören zur selbstverständlichen kulturellen Infrastruktur deutscher Städte und haben sich zu einem eigenständigen Faktor der Kulturszene entwickelt. Die Soziokultur und ihre Einrichtungen zielen darauf ab, sich neuen gesellschaftlichen Themen, Problemen und Aufgaben zu öffnen und sich mit diesen auseinanderzusetzen.

Soziokulturelle Zentren und Initiativen gehören zur selbstverständlichen kulturellen Infrastruktur deutscher Städte und haben sich zu einem eigenständigen Faktor der Kulturszene entwickelt. Die Soziokultur und ihre Einrichtungen zielen darauf ab, sich neuen gesellschaftlichen Themen, Problemen und Aufgaben zu öffnen und sich mit diesen auseinanderzusetzen. In einer Zeit nicht ungefährlicher gesellschaftlicher Entwicklungen, wie Gewaltbereitschaft, Arbeitslosigkeit und Ausländerfeindlichkeit, kommt der Soziokultur und ihren Einrichtungen eine wachsende Bedeutung zu. Durch zielgruppenorientierte Angebote sowie aktive und kreative Einbeziehung der Besucher und Besucherinnen haben diese Zentren eine integrative und präventive Funktion. Diese Bedeutung der Soziokultur hat sich besonders in den neuen Bundesländern, speziell auch in Leipzig, gezeigt.

Zu diesem Befund kam auch der Staatsminister für Kultur, Herr Nida-Rümelin. Schon die Bundesregierung unter Helmut Kohl hat die Bedeutung und den Bedarf der Soziokultur erkannt. Anlässlich einer großen Anfrage hat sie dargelegt, dass die „traditionelle“ Kultur und die Soziokultur weder in einem Gegensatz zueinander, noch in einem Verhältnis des beziehungslosen Nebeneinanders stehen – und auch nicht in einem Verhältnis der Über- und Unterordnung. Beide Kulturbereiche ergänzen und bereichern sich wechselseitig.

Und nun sehe ich den Widerspruch:
Eine Gleichsetzung der verschiedenen Kulturbereiche in förderungspolitischer Hinsicht ist noch lange nicht erreicht, obwohl soziokulturelle Arbeitsweisen und Angebotsformen in Kulturinstitutionen wie Theater und Museen schon längst Einzug gehalten haben - auch in Leipzig.

Nach einer Berechnung finanziert die öffentliche Hand z. B. jeden Theaterbesuch mit 90,- bis 280,- DM, den Besuch eines soziokulturellen Zentrums dagegen mit 6,37 DM.

Auf dem Weg, diese Kluft schrittweise zu überwinden, hat Leipzig inzwischen eine Vorreiterrolle. Seit 1991 wurden Rahmenverträge mit sechs soziokulturellen Zentren abgeschlossen und 1996 für weitere fünf Jahre verlängert. Diese Verträge des Kultursenates mit den Trägervereinen sind zweifelsohne ein wesentlicher Grund für das positive Image und die Ausstrahlung der Leipziger Soziokultur. Sie haben eine bedarfsgerechte und gewachsene Infrastruktur ermöglicht. Der wesentliche Aspekt für die Verträge ist und bleibt die mittelfristige Plansicherheit. Wenn wir hier in Leipzig weiterhin eine gleichbleibende und sogar noch bessere Programmqualität gewährleisten wollen, sind die Betreibervereine auf weitere 5-Jahres-verträge angewiesen.

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