Hier wird vorgegaukelt, dass der Verkauf von kommunalen Wohnungen an eine seriöse, gemeinnützige Gesellschaft vorzubereiten sei
Liest man auf dem Deckblatt der Vorlage V/1178 den Auftrag an den OBM, so könnte man meinen, dass hier von der Verwaltung beabsichtigt wird, der Stadt und den dortigen Mietern etwas Gutes zu tun. Hier wird vorgegaukelt, dass der Verkauf von kommunalen Wohnungen an eine seriöse, gemeinnützige Gesellschaft vorzubereiten sei, eine Gesellschaft, die nichts als das Wohl ihrer Mieter im Auge hat. Liest man die Vorlage bis zum Ende, wird aus der Siedlungsgesellschaft für Kriegsbe-schädigte und deren Hinterbliebene eine Familie Eisen, deren Gewinne aus der Vermietung in die Vergrößerung ihres Wohnungsbestandes fließen. Nichts von Gemeinnützigkeit - also auf gut Münteferingsch – Verkauf an eine Heuschrecke!!!
Bei Besichtigung der zum Verkauf vorgesehenen Häuser in Liebertwolk-witz habe ich Mieter getroffen, die große Angst haben, vor dem, was da auf sie zukommen kann. Da sind Menschen dabei, die Flucht, Massen-quartier, Barackenlager und Behelfsquartier erlebt haben und nach Jahren in Untermiete oder Teilhauptmiete sehr glücklich waren, erstmals eine eigene, eine kommunale Wohnung beziehen zu können.
Und nun will uns doch die Verwaltung glauben machen, dass die Begründung für den Verkauf von 48 Mieteinheiten in 10 vollsanierten, denkmalgeschützten Wohnhäusern in Liebertwolkwitz darin besteht, dass wir sie in nächster Zeit sehr kostenaufwändig zu Passivhäusern umzurüsten hätten. Aktuell ein Totschlagargument, meint die Verwal-tung - eine Veränderung, die derzeit gesetzlich nicht vorgeschrieben ist.
Da frage ich: Wieviel denkmalgeschützte Mehrgeschosser in Leipzig sind von wem bereits für den Passivhausstandard überhaupt geplant, geschweige denn schon umgerüstet worden? Mir ist nicht ein Beispiel bekannt!!
Denn wie ich vor einiger Zeit hier schon ausgeführt habe, wäre dafür nötig:
- Die Keller- und Dachbodendecken bestens zu dämmen
- Die Außenwände von innen zu dämmen, das ist bauphysikalisch nicht ganz einfach
- Die Fenster mit Wärmeschutzglas zu versehen und
- Die Schornsteine wären zu Lüftungsschächten umzubauen.
Glauben Sie wirklich, dass die zur Debatte stehenden denkmalgeschütz-ten Häuser durch diesen potentiellen Käufer je eine Veränderung zum Passivhausstandard erfahren würden?
Diese Leistungen will und wird der neue Eigentümer also nicht erbringen, deshalb kauft er ja gerade denkmalgeschützte Häuser.
Also beinhaltet dieser Teil der Vorlage einzig und allein die Absicht, attraktive Wohnungen im Südosten unserer Stadt zu veräußern und dabei entsprechende Gewinne einzufahren, ohne sich zukünftig um das Wohl seiner Mieter zu kümmern. Das ist mit den Leipziger Linken nicht zu machen. Da sind uns die Dresdener Erfahrungen zu nahe.
Unsere Fraktion schließt sich hinsichtlich des Verkaufs in Liebertwolkwitz damit der Meinung des Ortschaftsrats an und wird dagegen stimmen.
Zum Verkauf von Häusern im westlichen Leipzig wird meine Fraktionskollegin Pia Witte Ausführungen machen.

