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Flächen entsiegeln, Leipzig zur Schwammstadt machen!

Susanne Scheidereiter

Sehr geehrter Herr OBM, verehrte Beigeordnete und Kolleginnen, liebe Gäste!

Nach dem vergangenen Wochenende erscheint mir unser Antrag dringender denn je. Wir haben erneut erlebt, welche Auswirkungen extreme Hitze auf unsere Städte hat. Und wir müssen uns ehrlich machen: Solche Hitzewellen sind längst keine Ausnahme mehr. Sie werden häufiger, länger und intensiver. Deshalb können wir nicht auf bessere Zeiten warten – wir müssen das Stadtklima kontinuierlich verbessern und alle Möglichkeiten nutzen, die uns zur Verfügung stehen.

Genau darum geht es heute: um die Entsiegelung städtischer Flächen. Asphaltierte und betonierte Flächen aufzulösen und wieder versickerungsfähig zu machen, bringt zahlreiche ökologische und stadtklimatische Vorteile. Regenwasser kann wieder im Boden versickern, anstatt die Kanalisation zu belasten. Wasser kann verdunsten und dadurch die Umgebung kühlen. Das unterstützt die Neubildung von Grundwasser, entlastet unsere Gewässer und verbessert insgesamt das Stadtklima. Gleichzeitig profitieren unsere städtischen Grünflächen von einer besseren Wasserversorgung.

Entsiegelung ist aber nicht nur Klimaanpassung – sie ist auch Katastrophenschutz. Bei Starkregenereignissen können entsiegelte Flächen große Wassermengen aufnehmen und so helfen, Überschwemmungen und Überlastungen der Kanalisation zu vermeiden.

Wenn wir ernsthaft verhindern wollen, dass unsere Stadt im Sommer für viele Menschen zur gesundheitlichen Gefahr wird, dann brauchen wir ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Dazu gehören selbstverständlich die kommunale Wärmeplanung, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und viele weitere Projekte. Aber eben auch die konsequente Entsiegelung von Flächen.

Dabei müssen wir keineswegs im Blindflug handeln. Mit dem System „Urban Green Eye“ steht inzwischen ein satelliten- und KI-gestütztes Vegetations- und Flächenmonitoring zur Verfügung. Mithilfe der Copernicus-Satellitendaten werden regelmäßig Umweltindikatoren für das gesamte Stadtgebiet berechnet – unter anderem auch der Versiegelungsgrad.

Damit erhält die Stadt flächendeckende und objektive Daten darüber, wo Grün verloren geht, wo Flächen versiegelt oder bereits entsiegelt wurden und an welchen Stellen Maßnahmen zur Klimaanpassung den größten Nutzen entfalten können. Wir können also gezielt handeln und unsere Investitionen dort einsetzen, wo sie die größte Wirkung erzielen. Hinzu kommt: Erst vor drei Monaten haben wir den Entsiegelungswettbewerb beschlossen. Das zeigt doch, dass dieses Thema politisch bereits als wichtig erkannt wurde. Jetzt sollten wir den nächsten Schritt gehen und daraus konkretes Verwaltungshandeln entwickeln.

Gleichzeitig wissen wir alle, dass Klimaanpassungsmaßnahmen und auch der Hitzeaktionsplan bislang nicht ausreichend finanziert sind. Es handelt sich um freiwillige Aufgaben der Kommunen – und genau deshalb müssen wir jede Fördermöglichkeit konsequent nutzen. Bis Ende dieses Jahres kann Entsiegelung beispielsweise über das KfW-Programm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ gefördert werden.

Diese Maßnahmen sind aber nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Nehmen wir unser Beispiel: Würde der rund 800 Meter lange Radweg zwischen Schlachthofbrücke und Tabaksmühle entsiegelt, lägen die Gesamtkosten je nach Ausführung zwischen etwa 70.000 und 180.000 Euro. Durch die Bundesförderung verbliebe für unsere Stadt lediglich ein Eigenanteil von ungefähr 18.000 Euro.

Berücksichtigt man außerdem, dass allein der Wegfall der regelmäßigen Oberflächenbeseitigung jährlich rund 3.000 Euro einsparen kann, hätte sich diese Investition bereits nach etwa sechs Jahren amortisiert. Der Nutzen für den Haushalt ist also klar: Es rechnet sich. Der Nutzen für unsere Umwelt lässt sich kaum beziffern.

Und erlauben Sie mir zum Schluss noch einen Gedanken: Bei dieser Debatte geht es nicht um ein paar angenehmere Sommertage oder um mehr Aufenthaltsqualität allein. Es geht um Gesundheit. Es geht um den Schutz besonders gefährdeter Menschen. Und es geht letztlich um Menschenleben.

Die französische Gesundheitsbehörde hat für die Hitzewelle der vergangenen Woche innerhalb weniger Tage rund 1.000 zusätzliche Todesfälle gegenüber dem erwarteten Durchschnitt gemeldet. Rund 85 Prozent der Verstorbenen waren älter als 65 Jahre.

Diese Zahlen machen deutlich: Hitze ist längst kein Komfortproblem mehr. Sie ist ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. Deshalb sollten wir heute nicht fragen, ob wir uns Entsiegelung leisten können. Wir sollten uns vielmehr fragen, ob wir es uns leisten können, darauf zu verzichten. Ich bitte Sie deshalb um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag.

Vielen Dank.

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