Die Namen von Widerstandskämpfer*innen dürfen nicht aus der Leipziger Schullandschaft verschwinden!
Sehr geehrter Herr OBM, sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, sehr geehrte Wahrnehmende dieser Ratsversammlung auf der Tribüne und im Livestream,
Schulnamen sollen sich von den Schulen selbst ausgesucht werden, ob sie uns gefallen oder nicht. Schulkonferenzen sind dabei wichtig, ich bin selbst in einer. Allerdings muss sich jede Stadträtin und jeder Stadtrat fragen lassen, warum dann hier noch einmal über die Vorlagen zu Schulnamen beraten und abgestimmt werden soll. Da geht es ja nicht um das reine formale Abnicken. Weil es eben mit Sicherheit um die Draufsicht auf die Grundentwicklungen im Ganzen, also um das bei vorherigen, jetzigen und neuen Schulnamen in der Entwicklung zu Bedenkende geht.
Die Schulnamen sind in Ordnung, wir werden grundsätzlich zustimmen. Etwas merkwürdig ausgedehnt ist zwar das Rosental, das neuerdings bis an die Georg-Schumann-Straße reicht. Hier wäre künftig mal zu überlegen, wie weit der namengebende Fixpunkt vom Benennungsobjekt weg sein soll. Sonst nennen wir demnächst noch eine Schule im Zentrum nach dem Cospudener See.
Eine Entwicklung sehen wir auf die lange Sicht sehr kritisch: Wir bekennen uns fortlaufend als Stadt zum Erbe des Widerstandes gegen die NS-Diktatur und werden - ganz und gar richtigerweise - nicht müde, den Verdienst des Widerstandes, auch in Leipzig zu würdigen. Sobald es aber um Schulnamen geht, sinkt die lebendige Erinnerung etwas. Hans und Hilde Coppi, Georg Schumann, Arthur Hoffmann, Paul Max Küstner und andere. Namen von Menschen, die ihr Leben im Widerstand gegeben haben, viele davon Leipzigerinnen und Leipziger, die verschwunden sind. Das ist eine ungute Entwicklung. Der Sohn von Paul Max Küstner hat einen Brief geschrieben und uns daran erinnert, dass die 157. Schule einst den Namen seines Vaters trug. Es ist eben die Schule, bei der wir gerade noch verhinderten, dass sie den Namen eines guten Buchautors tragen sollte, der allerdings eine sehr problematische NS-vergangenheit hatte, unmittelbar an der Straße mit Namen Georg Schwarz, ebenfalls hingerichteter Widerständler. Für uns ein Anlass, dass die Schule in geeigneter Form an diesen frühen Schulnamen erinnern sollte.
Paul Küstner gehörte zu jenen 52 Gefangenen, die am 12. April 1945 auf dem Truppenübungsplatz Lindenthal erschossen und im dortigen Bombentrichter verscharrt wurden. Ein allerdings in der Stadt recht abgelegener Ort, an dem wir sehr oft diese Opfer ehren. Wir haben durchaus Verständnis, dass heute andere Personen für Schulen namensgebend sind, die Zeiten ändern sich ja, wie wir wissen. Aber vergessen dürfen wir sie nicht, im Gegenteil. Gerade weil die Zeiten sich ändern. Daher wollen wir diese würdige Erinnerung. Aus diesem Grund auch die entsprechende Prüfung, welche Widerstandsnamen – und als Priorität nicht weniger wichtig – welche Frauennamen mit der Zeit verschwunden sind. Sie sollten zugleich in den Namenspool wandern. Vielen Dank.

