Die größte Gefahr für Frauen sind Täter im eigenen nahen Umfeld
Im März dieses Jahres erreichte uns eine Petition, die die „Einführung eines Frauen-Taxis in Leipzig, vorschlug, „um Frauen eine sichere und zuverlässige Mobilitätsoption, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden zu bieten. Sie sollen eine Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem nächtlichen Heimweg zu Fuß darstellen.“
Die Petition hat auf der städtischen Homepage 62 Mitzeichnungen. Bei „Openpetition“ sind 686 Unterschriften aufgelistet. 191 Personen haben die Petition kommentiert – meistens positiv. Der Petitionsausschuss hat sich für die Übernahme des Verwaltungsstandpunktes (VSP) entschieden.
Mehrfach diskutiert wurden Petition und Verwaltungsmeinung im Beirat für Gleichstellung. Argumente dafür und Argumente dagegen, aber auch grundsätzliche Fragen zur Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum wurden abgewogen. Mit Interesse haben wir gehört, mit welchen Erfahrungen andere Städte solche Projekte umsetzen. Letztendlich gab es in den Abstimmungen zu Petition und VSP aber keine eindeutigen Präferenzen.
Eindeutig war aber das Votum zum Änderungsantrag von B90/Grüne: Zustimmung. Auch die Linksfraktion wird dem Änderungsantrag zustimmen. Gleichzeitig möchte ich (nochmals) darauf verweisen: Die größte Gefahr für Frauen ist nicht der Unbekannte nachts im Park, die größte Gefahr sind Täter im eigenen nahen Umfeld, die Noch- bzw. ehemaligen Partner, Angehörige oder Bekannte. Die häusliche Gewalt ist das zentrale Thema.
Interessante Zahlen gibt es dazu in der vor einigen Tagen veröffentlichten bundesweiten Jahresstatistik 2024 der „Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt“.
Den insgesamt knapp 266.000 Menschen, die körperliche Gewalt durch Verwandte oder (Ex-)Partner*innen erlebten, standen nur rund 3.400 Fälle gegenüber, in denen die gewaltausübende Person eine Beratung aufnahm.
Prävention muss Täterarbeit, frühzeitige Interventionsangebote und finanzierte Schutzräume (Frauenhäuser, Beratungsstellen) stärken. Sicherheitsmaßnahmen im öffentlichen Raum (Beleuchtung, Begleitangebote wie Frauentaxi, Präsenz) sind ergänzend wichtig. Bildung, Sensibilisierung und niedrigschwellige Zugänge zu Hilfen sind nötig, damit Betroffene Unterstützung finden und Kinder geschützt werden.
Kurz: Öffentlicher Raum braucht Schutzmaßnahmen — langfristig wirksam werden wir aber nur, wenn wir Gewalt an der Wurzel bekämpfen: im Privaten, durch Täterarbeit, Prävention und verlässliche Hilfsstrukturen.
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Und von dieser Stelle nochmals Herzlichen Glückwunsch an Sidekick eV, der gestern mit dem Luise-Otto-Peters-Preis der Stadt Leipzig ausgezeichnet wurde.
… weil sich Sidekick Leipzig e.V. (Sportverein für Thaiboxen und Selbstbehauptung für FLINTA und MINTA) in besonderer Weise für Geschlechtergerechtigkeit, Empowerment und feministische Selbstbehauptung einsetzt.
Vielen Dank!

