Zum Hauptinhalt springen

Der Familienfreundlichkeitspreis 2013 geht an den Leipziger Oberbürgermeister

Dr. Skadi Jennicke

Am 15. Mai diesen Jahres verleihen Sie zum fünften Mal den Leipziger Familienfreundlichkeitspreis. Die Frist für die Vorschläge ist abgelaufen. Aber sicher kann man das ein wenig aufweichen, denn dieses Jahr hat niemand den Preis mehr verdient als Sie. Kaum einer hat sich für die Familienfreundlichkeit unserer Stadt so vehement und engagiert eingesetzt als Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!
Symbolische neun Monate haben Sie benötigt, um uns Stadträten einen überaus durchdachten und von strategischer Weitsicht nahezu überbordenden Vorschlag zur Kinderbetreuung im Rathaus vorzulegen. Die Verwaltung hat keine Mühe gescheut, um dieses in seiner prosaischen Schlichtheit bestechende Konzept auszuarbeiten. Ich bin sicher, auch Sie als Chef der Verwaltung haben daran Ihren gebührenden Anteil und ich frage nicht nach den ermüdenden Beratungen, die sich mit Sicherheit nicht selten bis in die frühen Morgenstunden erstreckt haben und Ihnen manch Sorgenfalte ins Gesicht schrieben.
Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Selten wurde Familienfreundlichkeit so groß geschrieben in unserer Stadt. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich bei der nächsten Kommunalwahl Dutzende von jungen Menschen für ein Stadtratsmandat bewerben, denn nirgends wird es einem so leicht gemacht, ehrenamtliches Mandat und Familie unter einen Hut zu bringen. Die jungen Stadträte werden in Jubel ausbrechen, wenn Sie erfahren, dass die meisten Sitzungen mehrmals pro Woche sich von 17.00 bis 20.00 Uhr erstrecken und sie ihre Kinder für den symbolischen Betrag von bis zu 80 Euro in den guten Händen der privaten Kinderbetreuung "Wiesengrund" wissen. Dass das nur zu Ratsversammlungen möglich ist, die bereits 14.00 beginnen und sie dafür ihre Kleinkinder aus dem Mittagsschlaf reißen müssen oder ihre schulpflichtigen Kinder vor Unterrichtsschluss aus der Schule entfernen müssen, dieser unbedeutende Wermutstropfen wird kaum den honigsüßen Geschmack des Schaumweins der Freude und Begeisterung trüben.
Der Leipziger Familienfreundlichkeitspreis gebührt Ihnen, sehr geehrte Herren Bürgermeister Jung, Müller und Fabian aber auch aus einem persönlichen Grund: Sie haben je vier bzw. drei zum großen Teil erwachsene Kinder. Und dennoch haben Sie es geschafft, in herausgehobener Funktion unserer Stadt vorzustehen. Ich bin sicher, das haben Sie ganz ohne Unterstützung Ihrer Frauen geschafft, die es nicht nötig hatten, Ihnen" den Rücken frei zu halten", weil sie ganz ohne Mühe eine eigenständige Karriere verfolgen konnten. Mühelos haben Sie meine sehr geehrten Herrn Bürgermeister Familie und Beruf verbunden und sind, was Sie sind nicht trotz, sondern wegen Ihrer Kinder! Jede junge Mutter und jeder junge Vater in unserer Stadt sollte sich an Ihnen ein Beispiel nehmen und sich bei der nächsten Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit – zu der selbstverständlich in einer aufgeklärten Gesellschaft, wie Sie sie repräsentieren auch gesellschaftliche Arbeit, also das Ehrenamt gehört – fragen, ob es wirklich notwendig ist, lauthals zu streiten, für eine Gesellschaft, in der Kinder kein erhöhtes Armutsrisiko bedeuten und zu Einschränkungen im Berufsleben und sozialem Aufstieg führen. Das ist doch alles Schnee von gestern – zumindest in unserer kinder- und familienfreundlichen Stadt. Seien Sie mutig, verleihen Sie sich selbst den Familienfreundlichkeitspreis der Stadt Leipzig. Sollte der tückische strukturell bedingte Kurzschluss, dass Sie sich nur schwer den Preis selbst überreichen können, diese einmalige Gelegenheit verhindern, bin ich mir sicher, dass einige Stadträte der CDU-Fraktion in Stellvertretung Ihrer Person Ihnen den Preis gern überreichen. Ich danke Ihnen! 
 

Rede zur RV DS 2421 "Kinderbetreuung während städtischer Veranstaltungen - Testphase Januar 2013 bis April 2013 (Umsetzung RBV-1132/12)"

Zurück zum Kopf der Seite