Der Anker ist in Seenot!
O-Ton Veronika Fischer: "Ich kann nicht verstehen warum die Stadt Leipzig so ein Haus verrotten und verwahrlosen läßt! Leipzig müßte doch eigentlich stolz auf seinen "Anker" sein!"
Vor kurzem hatte ich in meiner TV-Sendung "Leipziger Allerlei. Leute in Leipzig" unter anderem Veronika Fischer, eine der bekanntesten deutschen Sängerinnen zu Gast. Während des Gesprächs kamen wir auch auf Leipziger Veranstaltungshäuser zu sprechen und es stellte sich heraus, das Veronika Fischer ihre Künstlerkarriere u.a. im "Anker" mit Livekonzerten begonnen hat.
O-Ton Veronika Fischer,: "Das wunderbare Flair dieses Hauses ist mir noch in bester Erinnerung."
Für Sie war es auch einer der Hauptbeweggründe, im Rahmen ihrer Deutschlandtournee anläßlich ihres 30-jährigen Bühnenjubileums, ihr Leipziger Konzert 2001 in die Hände des "Anker-Teams" zu legen.
Leider entsprachen die baulichen und sicherheitstechnischen Gegebenheiten des "Anker" nicht mehr den Anforderungen für solch ein großes und besonderes Konzert. Das "Anker-Team" reagierte und veanstaltete kurzfristig das Konzert im Großen Saal des Gewandhauses. Das ausverkaufte Jubileumskonzert wurde ein voller Erfolg. Um trotzdem ihre Verbundenheit mit dem "Anker" Haus zu zeigen, verlegte Frau Fischer anläßlich der Leipziger Buchmesse die Lesung aus ihrem neuesten Buch kurzerhand von der Neuen Messe in den "Anker". O-Ton Veronika Fischer: "Ich kann nicht verstehen warum die Stadt Leipzig so ein Haus verrotten und verwahrlosen läßt! Leipzig müßte doch eigentlich stolz auf seinen "Anker" sein!"
Warum erzähle ich ihnen dies?
Ich will ihnen damit zeigen, welch sehr guten Ruf der "Anker" als Konzert- und Veranstaltungsort deutschlandweit und international unter Agenten und Künstlern hat.
Der Anker ist in Seenot!
Das Flaggschiff der Soziokultur, die Besucherzahlen sprechen für sich, droht unterzugehen!Seit Jahren ist der Verwaltung und dem Stadtrat von Leipzig die prekäre Lage und der desolate Bauzustand der Haupteinnahme- und Hauptbesucherquelle, des sogenannten "Große Saals", bekannt. Der Bauzustand des Saalgebäudes ist in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verbessert worden. Im Gegenteil, es erfolgten nur Maßnahmen, welche die Nutzbarkeit des Gebäudes erhalten sollten.
Mittlerweile ist jedoch auch die Nutzungsfähigkeit in Frage gestellt und eine Schließung nicht mehr ausgeschlossen. Für die Leipziger Kulturszene ein Imageverlust, welcher nicht mehr gutzumachen wäre.Anträge verschiedener Fraktionen u.a. der PDS-Fraktion zum Haushaltsplanentwurf 2001 und 2002 haben gezeigt, das ein Großteil der Stadträte die unbedingte Notwendigkeit des Erhalts dieser "Kulturinsel" erkannt haben. Trotz Zustimmung zu den Punkten 1 u. 2 des Antrages der PDS-Fraktion, dem Stadtrat von Seiten der Verwaltung im I. Quartal 2002 eine Konzeption zur Weiterbetreibung und einen Bau-und Finanzierungsbeschluss vorzulegen, ist dies bis zum heutigen Zeitpunkt nicht geschehen. Nun endlich soll laut dem Verwaltungsstandpunkt der Bau- und Finanzierungsbeschluss im IV. Quartal vorliegen. Wir werden die Hoffnung nicht aufgeben!
Eine Frage sei trotzdem gestattet, warum mußte es erst so weit kommen? Die vorhandenen Probleme waren doch seit Jahren bekannt, und wir als Mitglieder des Kulturausschusses haben zusammen mit den Kollegen des "Anker" oft genug diese Probleme angemahnt!Man sagt immer: "Was lange währt, wird gut!"Ich kann nur hoffen, das dieser Spruch auch im Falle des "Ankers" stimmen wird! Ich kann nur immerwieder an die Verwaltung appellieren und hier spreche ich im Besonderen das Dezernat Planung & Bau und das Dezernat Finanzen an, in Zukunft solche Problematiken, besonders im Kulturbereich, ernsthafter anzugehen und nicht zu verschleppen. Denn, dass Probleme nicht kleiner werden, wenn man sie totschweigt, im Gegenteil nur noch größer, sehen wir nun am Beispiel des Kulturhauses "Anker". Hier steht mittlerweile nicht nur die Existenz eines der bekanntesten Veranstaltungs- und Konzerthäuser zur Debatte, sondern damit verbunden - und das sollten wir nicht vergessen - auch Arbeitsplätze.Zwischenzeitlich sind die Auflagen zum ersten Bauabschnitt, welche eine drohende Schließung verhindern sollen, fast erfüllt, im Haushalt 2003 sollen für den 2. Bauabschitt 430 000 Euro eingestellt werden. Natürlich ist uns der "Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach", bei jeglicher Euphorie darf aber eines nicht vergessen werden: Die Schließung ist damit nicht vom Tisch. Wenn die Gelder in Höhe von 1,2 Mio Euro 2004 nicht kommen und damit der 3. Bauabschnitt nicht realisiert wird, steht laut Bauordnungsamt die Schließung wieder auf der Tagesordnung und die 430 000 Euro, wie man so schön sagt, "waren für die Katz"! Mit der Sängerin Veronika Fischer, meine sehr verehrten Damen und Herren, habe ich begonnen. Lassen sie mich mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe aus seinem "Faust I" schließen: "Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich auch endlich Taten sehn! Indes Ihr Komplimente drechselt, kann etwas Nützliches geschehn......". In diesem Sinne !
