Das Gewandhausorchester ist nur so stark ist, wie es von den Menschen getragen und anerkannt wird
Ich gratuliere dem Gewandhauskapellmeister Ricardo Chailly zum erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen in Mailand. Ohne Zweifel wird Leipzig durch diesen Coup einen großen Schritt in Richtung Mitte der internationalen Musikwelt gelingen, wie das im 19. Jahrhundert schon einmal der Fall war. Insofern gratulieren wir auch dem Gewandhausorchester.
Ich hoffe sehr, dass die Aussage von Prof. Schulz, dass sich an den Planungen der nächsten Jahre nichts Wesentliches ändern wird, auch für die enge Verzahnung der Gewandhausplanung mit der Planung der Leipziger Oper gilt. Denn in Leipzig vom Gewandhausorchester zu sprechen, heißt immer, für beide Häuser zu denken.
Also heute Grund, stolz zu sein.
Die Bedeutung des Gewandhausorchester ist hart erarbeitet, von jedem einzelnem in diesem Orchester. Sie ist aber auch eine Verpflichtung. Denn das Gewandhausorchester wird, ganz anders als die meisten Orchester der Spitzenklasse, rein kommunal finanziert. Die 28 Mio Kulturraummittel des Landes, die hier gern als Gegenargument angeführt werden, sind für das Kulturangebot der ganzen Stadt einzusetzen.
Nun hat das Gewandhausorchester seine Heimat in einer Stadt, in der die Menschen durchschnittlich 1.014 Euro im Monat verdienen. Das mögen vielleicht viele nicht glauben, steht aber im aktuellen statistischen Quartalsbericht unserer Stadt. Und wer mit offenen Augen durch diese Stadt geht, kann sehen, was das bedeutet.
Es sind aber auch jene Menschen, die wenig haben, die mit dem Gewandhaus ein Stück Lebensgeschichte verbindet und die exzellente Musikaufführungen erleben wollen.
Die Gewandhausleitung täte gut daran, der enormen Einkommensspreizung in Leipzig stärker gerecht zu werden, um seine Verankerung in der Stadtgesellschaft nicht zu gefährden.
Die Entscheidung, dass Donnerstags-Abo derart drastisch zu erhöhen, zeugt von ausgesprochen wenig Sensibilität. Gerade Donnerstags gehen vermutlich eher preisbewusste Leipzigerinnen und Leipziger ins Gewandhaus, weil sie sich den Freitag ohnehin nicht mehr leisten konnten.
Auch die Erhöhung der Preise für das Große Concert im Freiverkauf ist in den unteren Preiskategorien grenzwertig.
Ich akzeptiere das Argument nicht, dass man anderswo das Doppelte zahle. Das mag sein, aber die Musiker und die Gewandhausleitung leben hier, spielen hier und werden mit kommunalen Gelder finanziert. Gerade deswegen sollte es deutlich mehr Angebote geben, die auf die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zugeschnitten sind. Andere Häuser machen das längst. Und das die Menschen das fordern, belegen die zahlreich eingegangenen Briefe beim Gewandhaus, die die Preiserhöhung beklagen.
Meine Fraktion hat einen Änderungsantrag eingebracht, der die Erhöhungen insbesondere für das Große Concert am Donnerstag abmildert und Preiserhöhung bei den Capuccino-Konzerten, die nun wirklich ein Angebot für die älteren Leipziger sind, ausschließt. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diesen Antrag mittragen können.
Ein Wort zu den Formalien am Ende: Warum diese Vorlage ein gelbes Deckblatt trägt und mit besonderer Eile behandelt werden musste, erschließt sich mir gar nicht. Die Abonnenten wurden ohne Beschluss schon informiert, warum also Eile? Vielleicht wollte die Verwaltung nur möglichst viel Zeit verstreichen lassen zwischen der Vertragsverlängerung des Gewandhausdirektors und den kurz darauf notwendigen Preiserhöhungen? Denn zur Absenkung der Ausgabenseite hat der Beschluss des Stadtrates im Juli 2013 sicher nicht beigetragen.
Wir wissen es nicht. Aber eins weiß ich: dass das Gewandhausorchester nur so stark ist, wie es von den Menschen getragen und anerkannt wird. Dieses Vertrauen ist ein hohes Gut und sollte nicht verspielt werden.
Rede zum Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE zur DS V/3435 "Neufestsetzung der Eintrittspreise Gewandhaus ab Spielzeit 2014/15". Er wurde abgelehnt und die Vorlage gegen die Stimmen der Fraktion DIE LINKE angenommen.

