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Bleiben wir nicht nur hier, bleiben wir laut. Bleiben wir solidarisch.

Beate Ehms

Liebe queere Community, liebe Freund*innen der Vielfalt,

es ist CSD-Woche in Leipzig – eine Woche der Sichtbarkeit, des Stolzes, des Kampfes und der Hoffnung. Und während wir uns auf die Demo am Samstag vorbereiten, auf das Straßenfest, auf Begegnung und politische Botschaft, wissen wir auch: Dieser CSD ist bitter nötig. Vielleicht nötiger denn je.

Denn 2025 ist ein Jahr, in dem LSBTIQ*-Menschen in Deutschland erneut verstärkt Anfeindungen ausgesetzt sind. Die Zahlen der queerfeindlichen Übergriffe steigen. Beleidigungen und Bedrohungen im Alltag, Gewalt auf offener Straße. CSDs werden von rechtsradikalen Gruppen angegriffen. Und vor allem: Hasskriminalität in den sozialen Medien, dort, wo Worte zu Waffen werden.

Und während Menschen Schutz suchen, kommt aus der Berliner Politik mitunter das Gegenteil: Statt eines starken Zeichens der Solidarität erleben wir Rückschritte. Dass die Bundestagspräsidentin es verbietet, zum CSD die Regenbogenflagge am Reichstagsgebäude zu hissen, ist mehr als Symbolpolitik – es ist eine Absage an Sichtbarkeit und Anerkennung. Wer die heutige Bundestagsdebatte verfolgen konnte, hat gesehen dass Regenbogenfarben in den Sitzreihen der Fraktionen der Linkspartei und bei Bündnis 90/Die Grünen gab. Ein Redner der SPD zeigte bunte Fingernägel.

Umso wichtiger ist es, dass Leipzig Haltung zeigt. Dass unsere Stadt nicht schweigt, wenn andere verstummen. Dass unser Rathaus vor einer Woche die Regenbogenflagge gehisst hat – nicht als Dekoration, sondern als deutliches Zeichen, bedeutet: Wir stehen an der Seite der queeren Community. Wir sehen euch. Wir hören euch. Wir schützen euch.

Und dieses „Wir“ ist nicht abstrakt. Es sind Menschen und Organisationen, die jeden Tag dafür einstehen, dass LSBTIQ*-Menschen in Leipzig sicher und in Würde leben können. Ich spreche von der RosaLinde, von Bellis, von der Aidshilfe, vom CSD e.V., von TIAM, von der Frauenkultur, vom Sportklub ROSALÖWEN und dem Männerchor Tollkirschen. Von Bildungsprojekten, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen. Von Engagierten, die oft im Verborgenen wirken, aber unverzichtbar sind. Ihre Arbeit verdient nicht nur Dank – sie verdient Unterstützung, Aufmerksamkeit, und vor allem eine ausreichende Finanzierung.

„Wir bleiben hier“ – so lautet das diesjährige CSD-Motto. Es ist eine Trotzformel. Eine Kampfansage. Eine Liebeserklärung. An die eigene Identität. An Freiheit. An Mitmenschlichkeit. Und es ist ein Appell an uns alle: Bleiben wir nicht nur hier, bleiben wir laut. Bleiben wir solidarisch.

Denn eine Gesellschaft, in der queere Menschen sich verstecken müssen, ist keine freie Gesellschaft. Und eine Stadt, die Vielfalt feiert, ist eine Stadt, in der wir alle besser leben.

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