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Amsel, Drossel, Fink und Star: Glasklar für Vogelschutz!

Michael Neuhaus

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Vogelbegeisterte,

Ein freundliches TschiepTschiep in die Runde.

Viele Menschen träumen davon, Vögel zu sein. Einfach frei sein und davonfliegen können. Doch so wundervoll wie es klingt, ist ein Vogelleben gar nicht.

Es gibt zahlreiche Gefahren. Kalte Winter, Katzen, Waschbären. Und auch Glasfassaden gehören dazu. Die moderne Architektur hat eine besondere Vorliebe für große Glasfronten. Leider werden sie von Vögeln aber nicht wahrgenommen. Stellen sie sich vor, Sie sind ein Vogel und krachen mit 35 km/h, so schnell fliegt eine Amsel, ungebremst in ein Gebäude. Dass da meist nur ein Fettfleck an der Scheibe und ein Vogelkadaver am Boden zurückbleiben, verwundert wenig.

Dabei ist die Gefahr, die Glasbauten ausgeht, eigentlich belegt. Auch hier in Leipzig. In einem einzigen Monat wurden vor dem Glaskasten in der Max-Liebermann-Straße 23 tote Vögel gefunden. Aber auch die neuen Haltestellen werden immer wieder zu Todesfallen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Das klingt vielleicht alles gar nicht so schlimm und auch irgendwie lustig. Die paar Vögelchen. Vogelmord ist allerdings kein Kavaliersdelikt. Denn geschützt sind nicht nur Arten auf der roten Liste, sondern alle europäischen Vogelarten.

Es ist verboten, wildlebende Vogelarten bei der Brut zu stören, einzufangen oder sogar zu töten. Das Tötungsverbot ist mit §44 des Bundesnaturschutzgesetzes sogar nochmal besonders im deutschen Recht verankert. Man könnte also denken, dass es kein Problem ist, diese unästhetischen Glaskisten einfach mal zu beauflagen und ein paar Aufkleber an die Scheibe zu kleistern. Kann ja so schwer nicht sein.

Aber Fehlanzeige. Wieso das nicht so einfach geht, haben mir nun mehrere Jurist:innen in feinstem Bürokratendeutsch erklärt.

Denn es reicht in Deutschland nicht aus zu wissen, dass eine bestimmte Bauweise Tiere tötet, nein, man muss es erst nachweisen. Und erst dann kann man tätig werden. Das ist ein bisschen so als müsste man jedes Mal praktisch beweisen, dass herabhängende Starkstromkabel wirklich prickelnde Erlebnisse auslösen können.

Wer in Deutschland Naturschutz vorantreiben will, sollte zukünftig nicht mehr Ökologie studieren, sondern einfach Jura.

Aber sei es drum. Als LINKE haben wir eine Neufassung unseres Antrages „Glasklar für Vogelschutz“ vorgelegt. Die juristischen Bedenken haben wir dort natürlich einfließen lassen, sodass der Antrag, über den wir heute sprechen, zumindest aus unserer Sicht nicht mehr rechtswidrig ist. Wir fordern den Oberbürgermeister auf, alle Bauenden, die mehr als 5m² Glasfläche am Stück planen, zu informieren und auf das Tötungsverbot des Bundesnaturschutzgesetzes hinzuweisen. Darüber hinaus soll sich der Herr Oberbürgermeister dafür einzusetzen, dass Vogelschutz am Bau auch präventiv beauflagt werden kann.

Es kann doch nicht sein, dass wir die Umweltverbände dazu verdammen, jedes Mal tote Vögel einzusammeln, bevor ein verdammter Aufkleber auf die Scheibe kommt.

Außerdem möchten wir regelmäßig über die Bemühungen informiert werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Amsel, Drossel, Fink und Star, und die ganze Vogelschar,

Wollen nicht mehr warten müssen,

Und nicht mehr die Hauswand küssen.

Lassen sie fröhlich sein,

Loggen sie bitte Zustimmung ein.

Vielen Dank.

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