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A 10366 25/26 Einführung eines Leipziger Ernst-Bloch-Fellowship im Hinblick auf das Ernst-Bloch-Jahr 2027

SR P. Heine, SR C. März, SR Dr. V. Külow, SR M. Götze

Beschlussvorschlag

Aus dem Budget „Erinnerungskultur“ werden in den Jahren 2025 und 2026 jeweils 15.000 Euro für die Einrichtung eines Fellowships zur Verfügung gestellt, das sich dem Leben und Werk Ernst Blochs widmet und dessen hohe Aktualität in der gegenwärtigen Demokratiekrise hervorheben soll. Die Fellowship soll zudem den Boden dafür bereiten, dass dieser große Leipziger Bürger zu seinem 50. Todesjahr 2027 der Stadtgesellschaft angemessen sichtbar gemacht werden kann.

Ernst Bloch (1885 bis 1977) gehört zu den bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Seine Bücher „Geist der Utopie“ und „Das Prinzip Hoffnung“ sind Marksteine des kritischen Denkens unserer Epoche. Wie viele deutsch-jüdische Gelehrte musste der Antifaschist nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrieren. 1949 wurde er Professor an der Universität Leipzig. In seinen Leipziger Jahren bis 1961 zog sich all das zusammen, was ihn zu einer der paradigmatischen Konfliktfiguren seiner Zeit machte. Er wirkte einerseits als das philosophische Aushängeschild der DDR, geriet andrerseits aber mit der SED-Führung derart über Kreuz, dass er nach dem Bau der Berliner Mauer von einer Reise in die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr zurückkehrte.

Es ist bedauerlich, wie wenig Bloch, der in Leipzig seine brisanteste Zeit durchlebte, in dieser Stadt präsent ist. Dabei hätte Leipzig angesichts der vielfältigen globalen Krisenprozesse und den damit verbundenen Grundsatzdebatten allen Anlass, an diese epochale Figur anzuknüpfen und die Auseinandersetzung mit Blochs Vorstellungen von Utopie („Denken heißt Überschreiten“), Gerechtigkeit („aufrechtem Gang“) oder dem unerledigten Erbe der Religion neu zu beleben.

Insofern ist das prinzipielle Bekenntnis der Verwaltungsspitze zu Bloch sehr begrüßenswert: „Die Würdigung Ernst Blochs hat für die Stadt Leipzig einen hohen Stellenwert. Das Jubiläumsjahr 2027 bietet einen geeigneten Anlass, Blochs Bedeutung für Leipzig noch sichtbarer zu machen. Die einschlägigen Einheiten der Stadtverwaltung sind zum Thema mit Leipziger Wissenschaftseinrichtungen im Austausch.“ (VII-F-10120-AW-01)

Zur Konkretisierung dieses Bestrebens wird die Einrichtung eines Ernst-Bloch-Fellowships für die Jahre 2025 und 2026 beantragt. Es soll jungen, international tätigen Wissenschaftler*innen jeweils einen einsemestrigen Forschungsaufenthalt in Leipzig ermöglichen. Als etwaiger Arbeitsort würde sich das Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) der Universität Leipzig anbieten, dessen Forschungen zu Demokratie und Rechtsextremismus in engem thematischen Zusammenhang mit der Kontur des Fellowships stehen und die langjährige Erfahrung mit dem Transfer wissenschaftlicher Erträge in Politik und Zivilgesellschaft zur Verfügung stellen kann. Durch hochkarätige Studien und Vorträge, aber auch durch neue Formate von Workshops und Dialogen, sollen die Fellows zur festen Verankerung Blochs in der Leipziger Erinnerungskultur beitragen und die Stadtgesellschaft motivieren, sich mit dessen ungemein vielfältigen Wirken als Denker, Schriftsteller, Lehrender und Bürger vertraut zu machen. Dem soll im Bloch-Jahr 2027 eine zusätzliche internationale Tagung Nachdruck verleihen.

Zudem gäbe das große internationale Renommee Ernst Blochs der Fellowship auch weit über Leipzig als Stadt hinaus Strahlkraft und würde zweifellos dazu beitragen, dass es die Sichtbarkeit Sachsens als Wissenschaftsstandort mit internationalem Rang deutlich erhöht.

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