Stadt will Skala in der Gottschedstraße verkaufen
Die Stadt plant den zeitnahen Verkauf der Skala in der Gottschedstraße, so ist aus Kreisen des Liegenschaftsamtes zu vernehmen. Dabei hat der Stadtrat sich dazu noch überhaupt nicht positioniert.
Die Fraktion DIE LINKE hat für die Ratsversammlung am kommenden Donnerstag eine Dringliche Anfrage dazu eingereicht.
Der Erlös aus dem Verkauf der ehemaligen Spielstätte des Schauspiel Leipzigs soll einen Teil der Kosten für den Umbau der Diskothek zu einer Zweitspielstätte im Hauptgebäude des Theaters refinanzieren. Noch im Juli, als die Stadt einen Planungsbeschluss zu diesem Bauvorhaben (DS V/3739) vorlegte, wurde der vierte Beschlusspunkt im Einvernehmen zwischen Stadträten und Verwaltung gestrichen. Eine Mehrheit wollte das Gebäude für eine kulturelle Nutzung sichern. Die Verwaltung war aber nicht in der Lage, eine rechtssichere Formulierung vorzuschlagen. Termine, eine solche vorzulegen, verstrichen ungenutzt. So wurde der Verkauf explizit nicht beschlossen.
Seit Januar 2014 ist ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen im Verfahren (215/14), der ebenfalls den Verkauf zum Höchstgebot verhindern möchte. Es sollen vielmehr Modelle geprüft werden, die eine kulturelle Nutzung des traditionsreichen Hauses sichern. Immerhin war die einst als Kammerspiele und Neue Szene bekannte Spielstätte eine der ersten, die nach dem Krieg, Ende der vierziger Jahre, wieder als Theater genutzt wurde. Viele Leipziger verbinden mit diesem Ort wertvolle Erinnerungen. Zur Abstimmung kam dieser Antrag bislang nicht, weil sich auch hier die Verwaltung strikt verweigert, eine Position zu beziehen. Mehrere Termine zur Vorlage eines Verwaltungsstandpunktes sind bislang ergebnislos verstrichen.
In den Ausschüssen wurde auch die Möglichkeit der Erbbaupacht diskutiert. Dieses Modell wurde zuletzt favorisiert, weil die Situation auf dem immer enger werdenden Immobilienmarkt in Leipzig einen Verkauf einer städtischen Liegenschaft in dieser Lage eigentlich verbietet.
Wenn das Liegenschaftsamt in Abstimmung mit dem Dezernat für Kultur jetzt den Verkauf am Stadtrat vorbei hinter verschlossenen Türen einfach zur Tatsache machen will, würde sie eine ganze Menge Stadträte erheblich brüskieren. Offenkundig nimmt sie das billigend in Kauf – ist ihr ein schneller Verkaufserlös wichtiger als die Entwicklung einer nachhaltigen Strategie im Umgang mit öffentlichen Liegenschaften und nicht zuletzt auch mit Orten der Kulturentwicklung.
Anlässlich der Dringlichen Anfrage ist der Oberbürgermeister am Donnerstag aufgefordert, Farbe zu bekennen.
