Baustellen in der Soziokultur könnten sich existenzgefährdend vermengen
Die Zukunft von KOMM-Haus, Buddehaus und OFT Völkerfreundschaft ist derzeit mehr als ungewiss.
Gegenwärtig häufen sich die Baustellen im Bereich des Kulturamtes. Da ist zum einen die Zukunft des KOMM-Hauses in Grünau, ein städtisch betriebenes Soziokulturelles Zentrum. Nachdem bereits in diesem Jahr eine halbe Stelle weggefallen ist, soll nun auch noch die zweite halbe Stelle zum Ende des Jahres gestrichen werden. Das KOMM-Haus ist dann nur noch mit einer Stelle besetzt, die alle Einmietungen und eigene Veranstaltungen abdecken soll. Das ist schlicht und ergreifend nicht möglich, ohne dass man Mitarbeiter verschleißt.
Die zweite Baustelle ist ebenfalls seit mehreren Monaten bekannt: Das Heinrich-Budde-Haus in Gohlis. Auch das ist ein soziokulturelles Zentrum – gegenwärtig allerdings nur auf dem Papier. Bis zum Sommer diesen Jahres wurde es von einem Förderverein betrieben. Dieser verwandte einen Teil der Fördermittel statt für Miete auch für Nebenkosten wie etwa Heizung. Wer das Buddehaus kennt, weiß, dass das Haus in seiner Struktur und seiner Sanierungsbedürftigkeit enorme Energiesummen verschlingt. Nun steht es seit September ohne Betreiber da. Das Kulturamt evaluiert und plant dazu Zeit bis zum Sommer 2015 ein.
In beiden Fällen prüft das Kulturamt, inwiefern die jeweiligen Konzepte fachlich dem entsprechen, was für ein soziokulturelles Zentrum angemessen wäre. Die Antwort wird nicht überraschen: Wenn über Jahre Personal abgebaut wird, kann nur schwer nachhaltige soziokulturelle und stadtteilorientierte Arbeit wachsen. Darüber hinaus wird seit mehreren Jahren ein Bildungszentrum in Grünau unter Beteiligung von Volkshochschule und Stadtbibliothek geplant, in das möglicherweise das KOMM-Haus integriert werden könnte. Hier kommt eine weitere Baustelle hinzu: der Offene Freizeittreff "Völkerfreundschaft", für den neben dem Kulturamt auch das Jugend- und Sportamt zuständig ist. Das integrierte Betreiberkonzept liegt bis heute nicht vor, immer wieder wurden von der Verwaltung neue Termine gesetzt, im September 2014 fällte die Ratsversammlung dazu sogar einen Beschluss.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese kumulierte Problemlage für die eine oder andere Einrichtung existenzbedrohend wird.
Die Fraktion DIE LINKE fordert vor diesem Hintergrund das Kulturamt, aber auch alle weiteren beteiligten Ämter auf, sich zeitnah auf ein abgestimmtes Vorgehen zu verständigen und eine Strategie zu entwickeln, wie die zweifelsohne vorhandenen Bedarfe an soziokulturellen Angeboten sowohl in Grünau als auch in Gohlis gedeckt werden können. Das Hin- und Herschieben von Verantwortlichkeiten, wie es die Leipziger Stadtverwaltung so oft praktiziert, ist hier ebenso wenig zweckdienlich wie andernorts.
