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Juliane Nagel und Michael Neuhaus

Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen

Im Zuge der aktuellen Debatte um Rassismus und dessen koloniale Wurzeln gehen derzeit zehntausende Menschen auf die Straße. Allerorten wird debattiert und mancherorts werden sogar Statuen von Kolonialherren gestürzt.

Auch in Leipzig muss diese Auseinandersetzung geführt werden, denn der europäische und deutsche Kolonialismus haben die Stadt Leipzig grundlegend geprägt.

Dabei wirkten auch Leipziger Akteur*innen (Ethnographen, Geographen, Missionare, „Forschungsreisende“, Kaufleute, Händler etc). aktiv an der kolonialen Erschließung der Welt mit. Dieses System war von Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung, Raub und Mord und Entmenschlichung der kolonisierten Menschen geprägt.

Am augenfälligsten ist diese Geschichte beim Leipziger Zoo. In der kommenden Ratsversammlung wird eine Einwohneranfrage zur Umbenennung der nach dem Zoogründer Ernst Pinkert benannten Straße und Schule beantwortet werden.

Doch die Spuren reichen viel weiter: ins Leipziger Verlagswesen und den Wissenschaftsstandort Leipzig (einschließlich der Universitäten und Museen), das Leipziger Missionswerk bis hin zu Messen. Die Aufarbeitung dieser Kolonialgeschichte, ist heute angesichts der aktuellen Ereignisse dringlicher denn je.

Darum fordert die Linksfraktion die Stadtverwaltung mit einem Antrag auf, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Leipziger Kolonialgeschichte in der Erinnerungskultur der Stadt verankert werden kann und macht dafür bereits einige Vorschläge. Unerlässlich ist der Fraktion dabei die Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Initiativen, wissenschaftlicher Akteure und lokaler Museen.

Stadtrat Michael Neuhaus erklärt:
„Das Erbe des Kolonialismus wirkt nach. In der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Ländern, die einmal als Kolonien geplündert wurden, aber auch im Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Dass die Leipziger Kolonialgeschichte in der Erinnerungspolitik der Stadt bisher kaum eine Rolle spielte, ist als Verdrängen, Wegschauen oder auch als Schuldabwehr Teil des Problems. BlackLivesMatter heißt deshalb, offensichtlichem Rassismus entgegentreten und verdeckten Rassismus offenlegen, wo immer er uns begegnet. Deswegen wollen wir die Leipziger Kolonialgeschichte im Stadtbild erfahrbar machen und kritisch aufarbeiten.“

Stadträtin Juliane Nagel fügt hinzu:

„Rassismus ist in Leipzig allgegenwärtig, im Alltag, in Behörden, aber auch tief eingeschrieben in die Geschichtsschreibung. Da müssen wir ran und kolonial geprägte Bilder und Mythen hinterfragen und entkräften. Wenn beispielsweise der Zoodirektor Junhold meint, den Zoogründer Pinkert vor Kritik an dessen rassistischer Praxis des Ausstellens von Menschen in Schutz nehmen zu müssen, und diese Praxis rein in den Kontext der damaligen Zeit setzt, liegt er falsch. Es ist jetzt Zeit sich mit den kolonialen und rassistischen Praxen der Vergangenheit und den Auswirkungen auf die Gegenwart zu befassen und vor allem Konsequenzen zu ziehen!

Die Kraft, die die Black lives matter Bewegung entfaltet, sollten wir auch nutzen, um an die Wurzeln bzw. einen maßgeblichen Motor des Rassismus zu gehen: das koloniale Erbe auch unserer Stadt.“