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Juliane Nagel und Michael Neuhaus

Kritische Aufarbeitung der Kolonialgeschichte in der Stadt Leipzig: Stadtrat beschließt Antrag der Linksfraktion

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 12.11.2020 den Antrag der Linksfraktion „Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen“ beschlossen.

Damit ist der Weg geebnet, dass sich Leipzig endlich einem blinden Fleck der Stadtgeschichte widmet: Der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit. Die Stadt ist nun beauftragt, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Leipziger Kolonialgeschichte in der Erinnerungskultur der Stadt kritisch verankert werden kann.

Dabei sollen neben etablierten Institutionen wie das GRASSI Museum für Völkerkunde und das Stadtgeschichtliche Museum auch zivilgesellschaftliche Initiativen wie die AG Leipzig Postkolonial, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Leipzig sowie Historiker*innen und zum Thema arbeitende wissenschaftliche Expert*innen einbezogen werden. 

Mit den Protesten der Black-lives-Matter-Bewegung in Deutschland wurde auch der Ruf nach einer Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit laut. Auch Deutschland war eine führende Kolonialmacht. Die kolonialen Ausbeutungs- und Unterdrückungs-Praxen war rassistisch. Die ansässigen Menschen wurden zumeist als unterentwickelt betrachtet, die es nach den eigenen westlichen Prämissen zu zivilisieren galt. Zur kolonialen Praxis gehörte nicht allein der Raub von wirtschaftlichen und kulturellen Gütern aus den eroberten Gebieten, sondern auch das Anwerben von Menschen für sogenannte „Völkerschauen“. Und spätestens an diesem Punkt führen die Spuren direkt nach Leipzig, unter anderem in den Zoo, wo der Stadtrat an diesem Donnerstag auch tagte. Doch die Spuren führen weiter: ins Leipziger Verlagswesen, in Universitäten, Museen, die Messe bis in den Clara-Zetkin-Park. Auch Leipziger Straßen trage Namen von Akteuren, die aktiv an kolonialen Praxen beteiligt waren.

Juliane Nagel kommentiert: „Es ist gut, dass die zivilgesellschaftliche Bewegung für die kritische Aufarbeitung auch der lokalen Kolonialgeschichte nun auch den Stadtrat und die Stadtverwaltung erreicht haben. Die Frage nach dem Umgang mit problematischen Straßennamen ist dabei nur ein Teil der Debatte. Es geht auch um Sichtbarmachung bisher unsichtbarer Orte kolonialer Entmenschlichung. Es geht darum, den Rassismus der Gegenwart in seiner kolonialen Tradition zu verstehen und zu überwinden.“

Michael Neuhaus ergänzt: „Erinnerungskultur ist politisch. Wir müssen das, was vor einem Jahrhundert noch übliche Praxis war, kritisch hinterfragen und in diesem Zusammenhang auch bereit sein, Straßen umzubenennen und Denkmäler zu stürzen. Wir danken den vielen Aktivist*innen, die in den letzten Monaten die kritische Debatte um Rassismus, seine historischen Wurzeln und seine Gegenwart, geführt haben und damit auch den Impuls für unsere Initiative gegeben haben.“

Bis zum 2. Quartal 2021 soll die Stadtverwaltung dem Stadtrat nun Vorschläge vorlegen.

 

 

 

 

 

 


         Die Fraktion im Amtsblatt