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Michael Neuhaus

LINKE fordert eine faktenorientierte Diskussion zum Forstwirtschaftsplan

Seit mehr als einem Jahr tobt ein Kampf um einen Forstwirtschaftsplan für die Pflege und den Erhalt des Leipziger Auwaldes. Der letzte Forstwirtschaftsplan wurde 2018 vorgestellt. Durch den Eilantrag der Grünen Liga auf Zulassung der Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht wird er jedoch bisher nicht umgesetzt. Diese Nicht-Umsetzung ist eine freiwillige Entscheidung der Stadt.  Kritisiert wird der „massive Holzeinschlag“ in den Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH), der Kritiker*innen zufolge einer natürlichen Waldentwicklung der Hartholzaue entgegensteht.

Das Leipziger Verwaltungsgericht hat nun die Klage abgewiesen. Ein neuer Forstwirtschaftsplan für 2019/2020 steht in den Startlöchern und liegt den Stadträt*innen nun vor.

Vor dem Hintergrund der Emotionalisierung der Debatte fordert die Fraktion Die LINKE die Rückkehr zu einer faktenorientierten Diskussionskultur. Die Skandalisierung der Holzentnahme in den FFH-Gebieten führt die Leipziger Bürger*innen an der Nase herum und suggeriert die Durchführung der Maßnahmen wider dem Naturschutz. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass es sich bei FFH-Gebieten nicht um klassische Naturschutzgebiete im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes handelt. Sie basieren auf der gleichnamigen Naturschutzrichtlinie der europäischen Union, die der Umsetzung der Konvention über biologische Vielfalt dient. Das Ziel von FFH-Gebieten ist somit der Schutz der Biodiversität. Da viele besonders artenreiche Habitate unserer Kulturlandschaft, wie eben auch der Leipziger Auwald eines ist, keine natürlichen Habitate sind und ohne menschliches Zutun verschwinden würden, sind Managementpläne in den FFH-Richtlinien vorgesehen insofern sie dem Schutz- und Erhaltungsziel dienen.

Der Leipziger Auwald als Hartholzaue ist durch einen hohen Eichenanteil charakterisiert und auf diese einzigartige Biotopbaumart für die Umsetzung der Schutzziele angewiesen. Die Stiel-Eiche ist Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Arten im Auwald. Historische Entwicklungen und wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass ohne forstwirtschaftliche Maßnahmen der Anteil der Eiche rapide abnimmt. Auch eine Veränderung der hydrologischen Gegebenheiten würde dies, anerkannten Wissenschaftler*innen zufolge, nicht grundlegend ändern. Diesen Trend zu verhindern und umzukehren, ist das Ziel des vorliegenden Forstwirtschaftsplans. Dafür werden kleine Holzeinschläge, sogenannte Femelschläge, vorgenommen und mit jungen Eichen aufgeforstet oder Eichen gesät. Nur so ist der Eichenanteil im Auwald für die Zukunft zu erhalten und zu erhöhen! 

Michael Neuhaus, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion die LINKE dazu:

„Wer behauptet, dass die Stadt ohne naturschutzfachliche Notwendigkeit große Flächen des Leipziger Auwaldes rodet, muss erklären warum sie das tun sollte. Der finanzielle und personelle Aufwand ist enorm und übersteigt die immer wieder ins Feld geführten „Einnahmen durch den Holzverkauf bei Weitem“.

Eine Debatte über den Forstwirtschaftsplan kann und sollte dennoch geführt werden. Auch weitere Aspekte wie die Schönheit eines gänzlich naturbelassenen, unbewirtschafteten Auwaldes können dabei relevant sein, stehen aber nicht zwangsläufig mit dem Arten- und Biotopschutz im Einklang.

Michael Neuhaus hierzu: „Die Debatte, was für einen Auwald die Leipziger sich wünschen, muss dringend geführt und mit Naturschutzinteressen abgewogen werden. Hierfür wünschen wir uns eine öffentliche Bürger*innenbeteiligung und eine auf wissenschaftlichen Fakten basierende Debatte.“

 


         Die Fraktion im Amtsblatt