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Thomas Kumbernuß

Warum bei der Erarbeitung des Sitzbankkonzeptes keine Bürgerinnenbeteiligung erfolgte, will sich mir nicht erschließen

Diese Vorlage ist großer Murks, entstanden als Alibi, um Bürgerinnennähe vorzugaukeln!

Wehmütig erinnere ich mich an eine Photoreportage in der Leipziger Volkszeitung vom 10. Februar 1997, Seite 13. Verliebte Pärchen, Familien und Singles jeden Alters ruhten sich bei Frühlingsgefühle erzeugenden Sonnenstrahlen in der Innenstadt aus. Sie schlenderten über die Plätze, aßen Eis oder ließen alle Fünfe gerade sein. Letzteres konnten sie auf einladenen Bänken. Das waren glückliche Zeiten.

Doch bequeme Sitzbänke mussten weichen. In Leipzigs Innenstadt musste es  schneller werden, Menschen sollen konsumieren, nicht ausruhen. Sitzmöglichkeiten boten fast nur noch Restaurants und Cafes, und so wurden die, die sich keine Restaurants und Cafes leisten konnten oder wollten und auch keine Lust hatten, dem Konsumrausch zu erliegen, kaum merklich aber Stück für Stück aus der Innenstadt vertrieben: Punks, Rentner, Schöngeister, Menschen mit Behinderung...

Perfide Kunst sollte ihren Platz einnehmen. Unsägliche "Sitzmöglichkeiten", die ihren Nutzerinnen weder Sicherheit noch Komfort geben wie in der Grimmaischen Straße. Diese "Bänke" laden nicht zum Innehalten ein, sie verschrecken. Sie sind keine Kunst, sie können weg.

Mittlerweile scheint das nach einigen Jahren sogar bei der Verwaltung angekommen sein, ob aus Einsicht oder aus Kalkül sei dahingestellt, allerdings drängt sich das Letztere auf, heißt es doch in dieser unsäglichen Vorlage "...den attraktiven Tourismusstandort der Leipziger Innenstadt zu stärken, indem durch mehr Sitzmöglichkeiten das Verweilen in der Innenstadt verlängert und komfortabler gestaltet wird...". Ich weiß jetzt nicht, ob jemand von der Verwaltung gerade zuhört, wenn doch, schreiben Sie sich bitte folgendes ins Stammbuch: Leipzigs Innenstadt ist nicht nur für Touristinnen da, sondern auch für die hier in Leipzig wohnenden. Auch sie haben ein Recht auf Verweilen, auf Ruhe, auf Müßiggang. Und auf ein leckeres Eis, das sie gerne in der Innenstadt auf einer Bank schlecken wollen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie von selbiger runterrutschen.

Zumindest da scheint die Verwaltung mittlerweile weiter zu sein. Warum jedoch bei der Erarbeitung des Sitzbankkonzeptes keine Bürgerinnenbeteiligung erfolgte, will sich mir, will sich uns nicht erschließen, gearde auf Rentnerinnen und Menschen mit Behinderung...

...und das betrifft im Übrigen auch die Standorte der Bänke und deren jeweilige Anzahl, und vor gipfelt vor allem in der Frage, warum dieses Sitzbankkonzept nur für die Leipziger Innenstadt erstellt wurde. Warum nicht für die anderen Stadtbezirke? Warum nicht für die Ortschaften?

Ach, Moment. Liegt es daran, dass dort nur der Pöbel wohnt, und es sich aus dem Blick der touristischen Erschließung einfach nicht lohnt? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich finde es immer wieder schön und inspirierend, wenn Touristinnen nach Leipzig kommen. Ich war ja schließlich selbst mal einer von ihnen. Aber die Menschen, die diese Stadt mit ihren Händen aufgebaut haben, haben ein Recht, ihrer Arbeit Früchte zu genießen, ohne gleich einen zart gestreichelten Latte Macchiato mit ökologisch produzierter sowie fair gehandelter Sojamilch für nur 9,99 konsumieren zu müssen. Und missverstehen Sie mich bitte auch hier nicht, ich habe generell nichts gegen einen zart gestreichelten Latte Macchiato mit ökologisch produzierter sowie fair gehandelter Sojamilch, immer noch besser als Billigmilch aus den eitrig-blutigen Eutern von Industriekühen.

Ich schweife ab und meine Redezeit geht zu Ende. Bitte, liebe Verwaltung, lernen Sie aus den Fehlern der Vergangenheit und dieser Vorlage und sorgen Sie dafür, dass sich die Menschen, die in Leipzigs Innenstadt mal kurz verweilen wollen, nicht ein Taxi rufen müssen, um eine bequeme Sitzbank zu erhaschen, und erhöhen Sie die Anzahl. Sorgen Sie dafür, dass die Menschen auch die Schönheit der anderen Stadtteile und der Ortsteile genießen können, und erweitern Sie das Sitzplatzkonzept auf ganz Leipzig.

Wenn wir dieser unfertigen Vorlage (inklusive der Änderungsanträge) dennoch zustimmen, dann nur, weil wir diese als ersten Schritt sehen, sei er auch noch so klein.

Vielen Dank!

Rede zur Drucksache DS 06722 "Sitzbankkonzept Innenstadt Leipzig".

 


Presse


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