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Michael Neuhaus

Mit Baumscheiben die Nachbarschaft verschönern und den Anteil der Grünflächen in der Stadt erhöhen!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen,

dieser Stadtrat hat ein großes Herz für Bäume. 58.000 Straßenbäume besitzt die Stadt Leipzig bereits. Mit dem Straßenbaumkonzept sollen jährlich 1000 hinzukommen, mit dem Sofortmaßnahmenprogramm Klimaschutz einmalig 5000 weitere.

Doch was wäre ein Straßenbaum ohne den Boden, der ihn umgibt? Ein Fisch ohne Wasser. Eine besondere Form von „Boden, der den Baum umgibt“ heißt Baumscheibe. 18.600 dieser Dinger werden aktuell von der Stadt Leipzig bzw. beauftragten Unternehmen gepflegt. Ich bin heute Morgen mal losgezogen und habe die Baumscheiben vor meiner Tür vermessen. Bei ca. 1,5m Breite und 2,5m Länge macht das eine Fläche von 3,75 m². Bei 18.600 Baumscheiben ergibt sich eine Fläche von knapp 70.000m². Das sind 7 Hektar. Zum Vergleich: Der Johanna Park hat eine Größe von 11 Hektar.

Dabei kann die sogenannte Baumscheibe so viel mehr sein als einfach nur eine Ansammlung aus Erde und Urin betrunkener Wildpinkler: ein bisschen grünes Idyll im grauen Straßenraum. Auf der Könneritzstraße zum Beispiel sind die meisten Bäume von eben jenen blühenden Landschaften umgeben, die uns Kohl einst versprach und doch schuldig blieb. Doch solche grünen Inseln sind die Ausnahme; und sie sind bedroht.

In der Regel gleichen die Baumscheiben in Leipzig nämlich eher der Wüste Gobi. Das hat einen Grund: Die Sehnsucht nach klaren Regeln, die selbst dem geliebten deutschen Gartenzwerg die Lichter ausknipst, wenn dieser kleine Mistkerl illegal einen Fuß auf die Baumscheibe setzt. So gilt bisher, dass Baumscheiben zwar bepflanzt werden dürfen, aber eben nur mit der Leipziger Mischung. Alles andere, egal ob Gartenzwerg oder Vegetation, muss runter.

Handelt es sich bei der Vegetation nicht um die Leipziger Mischung, sondern um böse Spontanvegetation, so wird jede Pflanze mit Strunk und Stil entfernt und in den verbleibenden Dreck ein schönes Muster geharkt. Es soll ja nicht ungepflegt aussehen.
Als kluge Stadtratsmitglieder fragen sie sich jetzt sicher: Na woher weiß ich denn aber, ob es sich bei dem blöden Klatschmohnstängel und dem anderen Gestrüpp um die Leipziger Mischung handelt, oder um bösen Wildwuchs? Einfache Antwort: In der Regel weiß ich das nicht.

Auf der Baumscheibe gibt es zwar einen Baumstamm, aber keinen Stammbaum. Die logische Konsequenz: Wenn die mit der Pflege beauftragten Unternehmen kommen, geht es auf der Baumscheibe zu wie beim Sommerschlussverkauf: Alles muss raus! Genauso schlimm wie Spontanvegetation sind natürlich auch Geranien, Stiefmütterchen und was diese kleinkriminellen Nachbarschaftsinitiativen noch so zur Verschönerung ihres Kiezes anpflanzen. Denn die sogenannten Zierbepflanzungen ist natürlich genauso wenig Leipziger Mischung wie die Spontanvegetation.

Kommen wir nun zur Preisfrage: Ziel der Bepflanzung mit der Leipziger Mischung ist die Förderung von biologischer Vielfalt, vor allem die von Insekten. Warum ist eine Ödland-Baumscheibe für Biene Maja besser als eine Baumscheibe mit Spontanvegetation oder Zierbepflanzung?
Auch hier muss ich ihnen die Antwort schuldig bleiben.

Aus der Leipziger Straßenreinigungssatzung oder dem sächsischen Straßengesetz ergibt sich die berühmte Leipziger Steppenbaumscheibe jedenfalls nicht. Dort ist nur geregelt, dass das Ziel der Straßenreinigung die Herstellung von Verkehrssicherheit ist und dass die Baumscheibe dieser Straßenreinigungspflicht unterliegt. Von Vegetationsfreiheit steht dort nichts.

Der vorliegende Antrag hat deswegen das Ziel die Pflege- und Reinigungspraxis grundlegend zu ändern. Simpel gesagt: Das Grünzeug bleibt stehen, solange weder Naturschutz noch Verkehrssicherheit Grund zur Entfernung liefern. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei der Verwaltung und allem voran bei der Stadtreinigung und insbesondere bei deren Betriebsleiter Herrn Kretzschmar bedanken. Diese haben das Problem bei dem bisherigen Verfahren sofort erkannt und einen Verwaltungsstandpunkt vorgelegt, der unsere Idee aufgreift und ins rechtssichere Bürokratendeutsch übersetzt.
Nur mit der Ablehnung der Insektenhotels wollen wir uns allerdings nicht zufriedengeben. Die Verwaltung befürchtet, dass unsere Forderung nach Wohnraum für Karl den Käfer den Baum, dessen Wurzel oder Verkehrssicherheit gefährden könnte. Insektenhotels sind jedoch genauso vielfältig wie Hotels für Menschen.

Ich denke wir können uns hier einigen: Karl der Käfer verzichtet auf sein 4-Sterne Insektenhotel mit Jacuzzi und achtet darauf, dass sein Insektenhotel weder Baum noch Verkehr schadet. Solche Insektenhotels gibt es.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mit dem vorliegenden Antrag können wir der Law-and-Order-Baumscheibenpflege ein Ende setzen. Wir geben Bürger:innen die Möglichkeit ihre Nachbarschaft zu verschönern und erhöhen dabei noch den Anteil der Grünfläche in der Stadt. Eine grüne Baumscheibe ist nur ein kleiner Schritt für einen Menschen. Aber ein großer Schritt für das Insektenreich.

 

 

 

 


Presse


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