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Michael Neuhaus

Lassen Sie Blümchen sprechen!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, liebe Gäste,


„Mähen war gestern: Erfurt setzt auf Blühwiesen in der Stadt“ titelte der MDR Thüringen. 
„Leipzigs Verwaltung findet eine Umstellung des Mahdregimes in Parks und an Straßen viel zu kompliziert“ schrieb hingegen die LIZ. 

Und in der Tat: Der Verwaltungsstandpunkt zum vorliegenden Blühstreifen-Antrag des Jugendparlaments ist, freundlich formuliert, etwas weniger leidenschaftlich als das Bekenntnis Erfurts zu einem Blütenmeer im Stadtgebiet. Im sogenannten Alternativvorschlag heißt es: „Es wird zur Kenntnis genommen, dass bereits eine Reihe öffentlicher Grünflächen und Straßenbegleitgrünflächen insektenfreundlich bewirtschaftet werden.“ 

Weiter dann in der Begründung: „Maßnahmen zur Aufwertung von städtischen Grünflächen und dem Straßenbegleitgrün sind aus naturschutzfachlicher Sicht zu begrüßen.“

Liebe Verwaltung, wenn mich meine Freundin fragt, ob ich mit ihr ins Theater gehen möchte, dann sag ich ja oder nein. Vielleicht mach ich ihr auch einen Alternativvorschlag. Kino zum Beispiel. Ich sag doch aber nicht: „Ich begrüße dein Anliegen, schlage aber folgende Alternative vor: Ich nehme zur Kenntnis, dass wir dieses Jahr bereits im Theater waren.“
Anstatt die Vorschläge des Jugendparlaments aufzugreifen und Möglichkeiten der Umsetzung aufzuzeigen, gibt man sich im Verwaltungsstandpunkt sehr viel Mühe zu erklären, was alles nicht geht. Man brauche eine Kurzgrasmahd für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Außerdem stünden seit Jahren für die Pflege des Straßenbegleitgrüns nur begrenzt finanzielle Mittel zur Verfügung. Und was heißt das nun? Wie viel Geld müssten wir locker machen, um die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen? Wie hoch darf Bewuchs bei Gewährleistung der Verkehrssicherheit sein? All diese Fragen bleiben offen.

Ich meine: Wir müssen ja nicht zwangsläufig Sonnenblumen pflanzen, die zugegebenermaßen die Sichtachsen durchaus beeinträchtigen könnten. Aber würde roter Klatschmohn wirklich zu mehr Autounfällen im Stadtgebiet führen? Ich habe da so meine Zweifel, ob wirklich nur der berühmte Leipziger Stoppelsteppenrasen von 3 Zentimetern Höhe verkehrssicher ist.
Dabei lässt der Antrag des Jugendparlaments eigentlich viel Gestaltungsspielraum. Was er nämlich sagt, ist folgendes: 
Die Standards der Stadt Leipzig für die Planung und Ausschreibung von Straßenbegleitgrün werden ohnehin gerade überarbeitet. Nutzen wir diese Chance und erweitern wir sie: 1) um Blühstreifen, 2) um Dach- und Fassadenbegrünung, 3) um Gleisbettbegrünung. Stellen wir 4) die Bewirtschaftung auf eine ökologische Pflege um und führen wir 5) eine ökologisch wertvolle Pflanzliste bzw. Saatgutmischung ein. Und damit wir endlich mal vorankommen, legen wir dann noch eine jährliche Zielmarke fest.


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, liebe Gäste,
Ich gehe einfach davon aus, dass Ihnen allen die Bedeutung von Bienchen und Blümchen bekannt ist. Und vermutlich ist ihnen auch schon aufgefallen, dass sie von Jahr zu weniger Insekten von ihrer Windschutzscheibe wischen müssen. Deshalb ein Argument für die Neoliberalen hier im Raum: Das ist bares Geld, was sie da von der Scheibe kratzen. Und das wird immer weniger. Alleine in der EU sind das inzwischen 15 MRD Euro durch den Bestäuberrückgang - jährlich! Wir als LINKE stehen deshalb klar auf der Seite des Kapitals. Also auf der des Naturkapitals, versteht sich. 
Das heißt für uns: Ohne Moos nichts los. Wir schlagen deshalb vor den Antrag des Jugendparlaments mit 200 000€ jährlich und zwei Personalstellen zu untersetzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie: 
Lassen sie Blümchen sprechen. Denn diese sang schon in den 90ern von den Folgen des Artensterbens: „Wie ein Boom, Boom, Boom, Boomerang, komm ich immer wieder bei dir an.“ Das gilt es zu verhindern. Ich bitte sie deshalb um Zustimmung zum Originalantrag und zu unserem Änderungsantrag.


Vielen Dank!


Presse


Juliane Nagel

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