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Dr. Adam Bednarsky

Erinnerung an Leipziger Arbeiter:innensport wachhalten!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung, sehr geehrte Bürgermeisterinnen, sehr geehrte Bürgermeister, werte Stadträtinnen und Stadträte, liebe Mitschauende aus Nah und Fern,

 

der Leipziger Sport hat Tradition und diese dokumentiert sich unter anderem in den Namen unserer Sportstätten. Auf einigen befinden sich auch Denkmäler, die bisweilen in einem bedauerlichen Zustand sind. Nicht selten ist auch die Erinnerung, die durch die Denkmäler gestärkt werden sollte, in einem ähnlichen Zustand wie der der Gedenksteine. Diese Überlegungen waren Grundlage für den Antrag „Die Stadt Leipzig bekennt sich zur Aufnahme von antifaschistischen Denkmälern auf Leipziger Sportanlagen in die Erinnerungskultur“. Initiativ dafür waren die Aktiven des FC Blau-Weiß Leipzig. Denn sie möchten die Erinnerung an den Namensgeber ihrer Kurt-Kresse-Kampfbahn in der Diezmannstraße lebendig halten. Die bauliche Situation dieses Denkmals ist, wie anderorts auch, in einem unwürdigen Zustand und das soll sich alsbald ändern. Wir finden, die Erinnerung an Menschen wie Kurt Kresse muss in unserer Stadt Leipzig wach gehalten werden. Kurt Kresse wurde am 11. Januar 1945 im Hof des Dresdner Landgerichts hingerichtet. Zuvor wurde er gemeinsam mit Georg Schumann und Otto Engert am 24. November 1944 vom Volksgerichtshof in Leipzig zum Tode verurteilt. Grund für dieses Urteil war der organisierte Widerstand gegen das Nazi-Regime, wofür sie mit dem Leben bezahlten. Mit dem Sport verband Kurt Kresse sein langjähriges Engagement als Vorsitzender im Arbeitersportverein „Fichte-West“.

Unsere Stadt Leipzig war ein Hort der Arbeiter:innen-Bewegung, die auch im Sport ihre Spuren hinterließ. Anfang der 1930er Jahre waren circa 25.000 Menschen im Arbeitersport organisiert. Der sozialdemokratische Arbeiter-Turn und Sportbund (ATSB) unterhielt in der Südvorstadt, genauer in der Fichtestraße 28, sein Bundeshaus. Zahlreiche Sportvereine waren jenseits des sogenannten bürgerlichen Sports in Leipzig organisiert, ein Umstand, der viel zu selten Erwähnung findet und das hat seinen Grund: die Machtübertragung der Nazis im Jahr 1933. Diese setzte den Endpunkt der weltanschaulichen und konfessionellen Diversität des Sports. Die Gleichschaltung und Zentralisierung war die Folge. Im Fußball beispielsweise ist seither der – ebenfalls in Leipzig gegründete – Deutsche Fußballbund (DFB) der Monopolist. Und das bis zur Gegenwart, während die Erinnerung an den Leipziger Arbeitersport verblasst. Aber auch diese Geschichte unserer Stadt ist es Wert, aktiv in die Erinnerung der Leipzigerinnen und Leipziger gerückt zu werden. Die aktuellen Aktivitäten des Stadtgeschichtlichen Museums und die Entwicklung unserer Sportroute machen Mut, dass auch der Arbeiter:innensport eine weitere Würdigung und entsprechende Einordnung in den zeithistorischen Kontext erfahren.

Laut Verwaltungsstandpunkt sollen nicht nur der Bestand der antifaschistischen, sondern auch weitere sportgeschichtliche Denkmäler auf Leipziger Sportanlagen Anfang 2022 erfasst werden. Ende 2022 wird daran anschließend ein Sanierungskonzept durch die Verwaltung präsentiert. Diesen Ergänzungen der Verwaltung stimmen wir zu und stellen entsprechend den Verwaltungsstandpunkt zur Abstimmung.

Zum Ende möchte ich die Aktiven des FC Blau-Weiß Leipzig ermuntern, auch weiterhin so gesellschaftspolitisch am Ball zu bleiben. Ihr bürgerschaftliches Engagement gerade auch neben dem Fußballplatz ist beispielhaft und ich hoffe, dass sie gemeinsam mit der Stadt Leipzig das Gedenken an Kurt Kresse wach halten werden. Vielleicht werden zukünftig auch andere Sportvereine das Gedenken an Leben und Leiden ihrer Namensgeber, es sind derzeitig leider zumeist männliche, stärker in den Mittelpunkt ihres Vereinslebens rücken.

Es lohnt sich - trotzdem.

Vielen Dank!

 

 


Presse


Juliane Nagel

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