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Mandy Gehrt

Das Naturkundemuseum ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Leipziger Museumslandschaft

Als ich im Stadtrat angefangen habe, wurde mir nach kurzer Zeit im Kulturausschuss im Rahmen einer Anhörung dieses Buch überreicht, eine Festschrift mit dem Titel „Pro Natura – 100 Jahre Naturkundemuseum Leipzig“. Auf der fünften Seite im Grußwort des Oberbürgermeisters Burkhard Jung steht: „die Modernisierung des Naturkundemuseums ist eine Herausforderung, für deren Bewältigung wir uns ein Datum gesetzt haben: Es ist das Jahr 2012, in dem das Naturkundemuseum seine 100jährige Existenz an seinem prominenten Standort am Gördelerring feiert.“ Dies wurde im Jahre 2006 geschrieben, da war noch ein bisschen Luft bis 2012. Jetzt schreiben wir das Jahr 2011 und bis jetzt ist nichts passiert. Im Gegenteil, das Haus kann aufgrund seines schlechten baulichen Zustandes bald nur noch eingeschränkt genutzt werden. Vielleicht droht  kurz vor dem Jubiläum sogar die Schließung.

Vom Bauordnungsamt wurde jetzt nur eine kurzzeitige Genehmigung zur provisorischen Nutzung des Museums im jetzigen Zustand erteilt. Dringend müssen brandschutztechnische Maßnahmen durchgeführt werden. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges,  die zeigt, was hier in den letzten Jahren versäumt wurde. Dass das ursprünglich als Schule errichtete Gebäude im jetzigen Zuschnitt viel zu klein ist für Ausstellungen, Magazine, Werkstätten und Arbeitsräume, war schon seit langem klar. Und es wird deutlich, wenn man sich mal in den nicht öffentlich zugänglichen Teil des Hauses begibt, dort lagern Schätze aus Geologie, Zoologie, Botanik und Archäologie auf Treppen in Gängen und Fluren, man bekommt den Eindruck, das Haus platzt aus allen Nähten. Auch die zur Verfügung stehenden 700 qm Ausstellungsfläche in verwinkelten kleinen Räumen lassen viel zu wenig Platz für ein zeitgemäße Präsentation. Ich denke, da sind wir uns alle einig.

Das Naturkundemuseum ist aber ein unverzichtbarer Bestandteil der Leipziger Museumslandschaft. Diese städtische Institution leistet unschätzbare Bildungsarbeit. Besonders angesichts der Herausforderungen, die Globalisierung und Klimawandel an uns und zukünftige Generationen stellen, ist es wichtig Heranwachsenden zu vermitteln, wie unsere Landschaft entstand, wie sie sich verändert hat und was sie gefährdet.  Eine Einschränkung der Museumsarbeit oder gar eine Schließung würde eine irreparable Lücke in der Kontinuität die Museumsarbeit reißen.
Wir lehnen deshalb die Kürzungen im Haushalt des Naturkundemuseums ab, weil sie unweigerlich zu einem eingeschränkten Museumsbetrieb oder sogar zu einer temporären Schließung des Museums führen müssen. Denn wie soll denn ein ganzjähriger Museumsbetrieb mit der Hälfte der Betriebs- und Bewachungskosten durchgeführt werden?

Sehr halbherzig wirkt da der Alternativvorschlag der Verwaltung. Er beginnt mit den Worten: „Das Naturkundemuseum wird nicht geschlossen.“ Die Ausstellungstätigkeiten soll aber nur noch im Erdgeschoss fortgeführt werden, durch die anderen Etagen kann es auf Anfrage Führungen geben. Zur Aufrechterhaltung des Angebots für Kinder- und Jugendliche sollen geeignete Konzepte noch entwickelt werden. Für April 2012 wurde uns ein erster Vorschlag zum neuen Konzept und Standort versprochen.

Diesem Alternativvorschlag zuzustimmen würde bedeuten, dass wir uns in die absolute Ungewissheit begeben. Weder liegt jetzt ein Konzept vor, wie die museumspädagogische Arbeit fortgesetzt werden soll, noch wissen wir sicher, wie lange das Haus überhaupt noch zugänglich sein wird. Die Zukunft des Hauses steht im Augenblick in den Sternen. Wir wissen  nicht, wann es und wo es weitergeht. Und genau das stört am Fall Naturkundemuseum. Hier läuft etwas ganz falsch herum. Und genau das finden auch tausende von Leipziger Bürgerinnen und Bürgern, die in ihren öffentlichen Protesten der Stadt unmissverständlich gezeigt haben, dass sie nicht auf dieses Museum verzichten wollen.

Deswegen lautet unser Vorschlag:

  1. Solange wie kein klares neues Konzept vorliegt, muss der Museumsbetrieb wie gehabt weiterbestehen, dafür müssen dringend die Betriebs- und Bewachungskosten wie 2010 wieder in den Haushalt eingestellt werden.
  2. Im zweiten Quartal, also April, Mai oder Juni soll ein Planungsbeschluss vorgelegt werden.. Dies bedeutet lediglich, dass man eine Grundsatzentscheidung über den Standort und  inhaltliche Ausrichtung trifft.
  3. Um dann im III. und IV. Quartal mit der Vorplanung zu beginnen und eventuell ein Wettbewerbsverfahren einzuleiten. Um diese Planung seriös zu betreiben, bedarf es Planungsmittel. Auch dazu haben wir einen Antrag gestellt.

Die Zeit drängt, wir müssen jetzt handeln, sonst droht bald die komplette Schließung durch das Bauordnungsamt....

Das wollen wir, die Fraktion die Linke, unbedingt verhindern.

Deswegen bitten wir Sie unseren beiden Anträgen zuzustimmen, denn wir fordern eine seriöse Planung und Konzeption mit übersichtlicher Zeitspanne. Denn nur wenn klar ist, wo es hingeht, kann über Interimslösungen und temporäre Schließung aufgrund von Baumaßnahmen nachgedacht werden.
Eine andere Verfahrensweise ist unseriös und  weckt den Anschein, die Stadt läge keinen Wert auf diese Institution, und ließe das Museum mal eben zur Konsolidierung des Haushaltes über die Klinge springen.


Presse


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