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Juliane Nagel

Antimuslimische Stereotype stecken in jeder*m von uns

Der Migrantenbeirat legt uns heute seine Antrag „Verurteilung von und Engagement gegen jede Form von antimuslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit“ vor. Und glauben sie mir, ich war auch nicht ganz frei von Skepsis als nach dem Beschluss des Stadtrates zur Entwicklung eines Konzeptes gegen Antisemitismus und gegen Antiromaismus vor gut einem Jahr, im Migrantenbeirat diese Debatte aufgemacht wurde.

Aber ganz schnell, wenn man in die Materie eintaucht wird klar: Der Islam ist zu einem der meist bemühten Feindbilder in Deutschland avanciert, und die Menschen, die die Religion praktizieren, aber auch die, die aufgrund ihres Äußeren den Anschein erwecken, dass sie Muslime sein könnten, werden angefeindet. Die Hälfte der Sachsen sieht Muslim*a als Bedrohung - und das bei einem Anteil von nicht mal 1 % an der Wohnbevölkerung.

Das Ressentiment beginnt bereits bei der Projektion arabisch aussehend = muslimisch. Muslimisch = Unterdrückung von Frauen, terroristische Verbindungen, konservativer Lebensstil und Integrationsverweigerung. Diese Stereotype stecken in jedem und jeder von uns und manch eine*r posaunt sie in Form rassistischer Stimmungsmache hinaus in die Welt und macht Menschen damit zu Freiwild.

Der Massenmörder Anders Breivik tötet aus Hass an Muslimen vor neun Jahren 77 Menschen.

Den Täter von Hanau trieben antisemitische und islamfeindliche Bilder um als er am 19.2.2020 neun Menschen und seine Mutter niedermetzelte.

Die Realität des antismuslimischen Rassismus zu benennen und Strategien dagegen zu entwickeln, wie es der Antrag begehrt, nivelliert keineswegs unseren Beschluss zum Vorgehen gegen Antisemitismus von vor einem Jahr. Und Beschlüsse zu den verschiedenen Rassismen in ihrer konkreten Ausprägung zu fassen, bedeutet auch keinen Wildwuchs, sondern eine Form von Aufmerksamkeit und Empathie. So ist es auch möglich zielgenaue Gegenstrategien zu entwickeln. In diesem Sinne sei an CDU und Freibeuter gerichtet: Es ist wichtig Probleme konkret zu benennen und sie nicht hinter Floskeln zu verstecken. Gerade weil antimuslimischer Rassismus tief in die Gesellschaft eingeschrieben ist und sich eben nicht den Bereich geschlossener neonazistischer Weltbilder verbannen lässt.

Am 1. Juli 2009 wurde im Landgericht Dresden Marwa El-Sherbini ermordet. Der Mord an der schwangeren 32-jährigen Pharmazeutin aus Ägypten wurde auch international zur Zäsur dafür, was Islam- und Muslimfeindlichkeit für Folgen haben können. Seitdem hat sich die Feindlichkeit gegen Muslime und Muslima oder als solche gelesene Menschen gerade hierzulande krass verstärkt.

Zivilgesellschaftliche Initiativen riefen darum 2015 den 1.7., den Todestag El Sherbinis, als internationalen Tag gegen antimuslimischen Rassismus aus, einen Tag des aktiven Eintretens für eine solidarische, demokratische, freiheitliche und multireligiöse Gesellschaft.

Es steht in diesem Sinne auch der Stadt Leipzig gut zu Gesicht sich Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus dezidiert entgegenzustellen und präventive Ansätze gegen diese Form des Rassismus zu entwickeln.

Und ich meine, dass dies auch bedeuten muss Muslime und Muslima, die in dieser Stadt leben, in ihrer Vielfalt sichtbar zu machen, in Austausch und Kommunikation mit Gemeinden und Vereinen und vor allem Menschen zu treten.

Der Antrag wurde angenommen. ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp

Rede zum Antrag des Migrantenbeirates A 00689 "Verurteilung von und Engagement gegen jede Form von antimuslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit".


Presse


Franziska Riekewald

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