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Stadträtin Juliane Nagel

Redebeitrag der Stadträtin Juliane Nagel zur Ratsversammlung am 15.6.2022, TOP 14.17 "Personalbedarfe realistisch erfassen. Fachkräftegewinnung und -bindung im Bereich der sozialen Arbeit voranbringen"

Es gilt das gesprochene Wort.

Kürzlich kam es zu einem Ergebnis der Tarifverhandlungen zwischen verdi und dem Verband Kommunaler Arbeitgeberverbände, mit einigen kleinen Verbesserungen für die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste, für Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen sowie Mitarbeiter*innen anderer sozialer Berufe. Auch in Leipzig fanden begleitend Warnstreiks statt. Gewerkschaft und Beschäftigte betonten in den Tarifauseinandersetzungen, dass es neben den wichtigen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Entlohnung explizit auf darum geht dem Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken, denn beides gehört zusammen. Der Fachkräftemangel betrifft auch in Leipzig längst alle Bereiche, von der frühkindlichen Bildung über die Sozialarbeit bis hin zum Pflegebereich. Und die Leistungsbereiche konkurrieren um die wertvollen Arbeitskräfte. Insbesondere der Bereich der stationären Hilfen zur Erziehung steht unter Druck, denn hier haben wir es mit Nacht- und Schichtdiensten nicht nur mit harten Rahmenbedingungen zu tun, sondern auch einer sehr anspruchsvollen Arbeit mit den jungen Menschen, die in den Wohngruppen ihr neues zu Hause gefunden haben.

Wir haben in Leipzig eine plurale engagierte Trägerlandschaft und mit dem kommunalen Eigenbetrieb VKKJ ein eigenes starkes Pferd im Rennen. Und wenn wir konstatieren, dass es im Kitabereich eine leichte Entspannung hinsichtlich neuer Kapazitäten gibt, stehen wir insbesondere im Hze-Bereich, ob stationär oder ambulant, in den kommenden Jahren vor größeren Sprüngen, 200 stationäre Plätze sollen in den kommenden 5 Jahren aufgebaut werden. Der Personalaufbau ist gleichsam ein Schwerpunkt der Integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung.

Wir fordern mit unserem Antrag – erneut – die Erstellung einer Personalbedarfsprognose, sowohl für Kita als auch für die Hilfen zur Erziehung, nachdem ein entsprechender Beschluss aus dem Juni 2020 bisher nicht umgesetzt wurde. Im Verwaltungsstandpunkt wird dazu aufgeführt, dass dies verwaltungsintern bereits in Ansätzen geschieht, Warum können sie uns diese Prognose denn dann nicht – z.B. jährlich mit der Kitabedarfsplanung – vorlegen und für den Bereich der HzE wo uns sicherlich nicht die Altersabgänge umtreiben, sondern Personalfluktuation und neue Angebote mit den umfangreichen Berichten im Jugendhilfeausschuss?

Kern unseres Antrages allerdings ist ein Förderprogramm für die berufsbegleitende Ausbildung von Sozialarbeiter*innen für den Bereich HzE sowohl beim kommunalen VKKJ als auch bei den Freien Trägern. Mit der entsprechenden Fachförderrichtlinie Erzieher*innenausbildung können pro Ausbildungsjahr je 50 Erzieher*innen beim öffentlichen und bei den Freien Trägern ausgebildet werden, und das trägt maßgeblich zur Entspannung bei.
Wir fordern nun 50 Plätze bei Freien Trägern für die Praxisanteile von Studierenden der sozialen Arbeit, Azubis, die für den HzE Bereich eine berufsbegleitende Erzieher*innenausbildung absolvieren und Mitarbeiter*innen, die eine heilpädagogische Zusatzausbildung absolvieren. Hinzu sollen 16 Plätze für Studierende im VKKJ kommen. Wir wollen den Trägern unter die Arme greifen, die im öffentlichen Auftrag das Kindeswohl sichern.

Bereits jetzt beschäftigt die Stadt in verschiedenen Bereichen Studierende der Berufsakademien, dieses Praxispartnerschaftsmodell kann hier teilweise als Vorbild dienen. Zentral ist, dass wie beim Erzieher*innenausbildungsprogramm neben der Vergütung des Praxisanteils, auch der zusätzliche Verwaltungsaufwand der und die Praxisanleitung durch die Träger erstattet wird. Was wir mit diesem Förderprogramm fordern ist eine notwendige Investition in die Zukunft, wie im Jugendhilfeausschuss gesagt wurde, der dem Antrag einstimmig zustimmte. Verwiesen sei außerdem auf ein entsprechendes Förderprogramm zur Fachkräftesicherung im Bereich der Sozialarbeit, das die Stadt Chemnitz schon seit 2018 hat!
In unserer Neufassung beantragen wir zudem eine zusätzliche Stelle im Amt für Jugend und Familie, die das Förderprogramm betreuen soll.

Wir schlagen der Stadtverwaltung außerdem vor, ein Konzept für so genannte Personalentwicklungsboni zu entwickeln. Ein solches Modell kann z.B. Sondermittel für die Personalbildung, für ein gutes Arbeitsklima, für Coaching/ Teambuidling, Weiterbildung, Mentoringprogramme etc, umfassen, es geht hier nicht um neoliberale Anreizsysteme, sondern um Sonderzulagen um Personal langfristig zu pflegen und zu halten. Und wie bei der Ausbildung gilt auch hier: Nicht jeder Träger kann sich solche Maßnahmen im Alltagsbetrieb leisten, diese sollten auch im Fokus der Fördermaßnahme stehen.

Unsere Forderungen nach einem regelmäßigen Fachaustauschs zwischen Ausbildungseinrichtungen und öffentlichen und freien Trägern nimmt der VPS genauso auf wie sich weiter im Land für die Verbesserung des Personalschlüssels in den Kita zu engagieren. Wir wollen im letzten Punkt nichts desto trotz auf unsere Variante beharren: Auch im HzE-Bereich muss der Personalschlüssel verbessert bzw zur Fachkraft-Kind-Relation entwickelt werden, indem auch hier etwa Ausfallzeiten angerechnet werden. Wenn wir das nicht dem Land überlassen wollen, können wir hier mit der Entgeldkommission kommunal selbst aktiv werden.

Es reicht nicht das Problem des Fachkräftemangels als solches zu benennen und auf die viel zu langsamen Schritte in Land und Bund zu warten. Lassen sie uns als Kommune voranschreiten.

Der Antrag wurde angenommen, nur Punkt 4 (Personalentwicklungsboni) fand keine Mehrheit.

Presse


Michael Neuhaus

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