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Mandy Gehrt

Mandy Gehrt zur Instandhaltung und Instandsetzung des Gefallenendenkmals am Neustädter Markt

Wir haben lange mit uns gerungen und mit anderen demokratischen Fraktionen rege diskutiert, wie mit diesem CDU-Antrag umzugehen ist. Leider waren die Meinungen so unterschiedlich, dass sich kein gemeinsamer Kompromiss finden ließ, deswegen lagen nun mehrere Änderungsanträge vor. Ich würde behaupten, dass unser Änderungsantrag den besten Kompromiss darstellte.

Was wollte die CDU eigentlich? Sie hat einen Antrag vorgelegt, der zunächst die Stadt in die Pflicht nehmen wollte, ein sogenanntes Gefallenen- oder Kriegerdenkmal, instand zu setzen bzw. zu restaurieren, obwohl es gar nicht der Stadt gehört. In der Neufassung sollte die Stadt nun verpflichtet werden, die Eigentümerin (die Kirchgemeinde St. Nikolai) bei der Restaurierung finanziell zu unterstützen, sogar bei der Wiedererrichtung des niedlichen kleinen Ziergitters, was dort bis 1940 stand...
 

Eine Unterstützung der Stadt, z. B. bei der Suche nach Restaurator:innen, ist bereits gegeben, aber finanziell muss diese unserer Meinung nach nicht sein. Das eigentlich Unfassbare birgt die Begründung des CDU-Antrags. Die CDU interpretiert das Denkmal einzig als einen Verweis auf „ein Nacktes Menschsein und die Verwundbarkeit“. Diese Deutung missachtet und verkennt den Kontext der Erstellung des Denkmals nach dem ersten Weltkrieg und die Deutung solcher Denkmale in den folgenden Jahrzehnten komplett. Außerdem zeugt diese Deutung von Blindheit, denn es ist eben nicht nur ein nackter Mensch, der dort dargestellt wird, sondern ein Soldat und kein ziviles Opfer. Diese Deutung der CDU ist schlichtweg eine Verharmlosung, ja sogar Geschichtsrevisionismus.

In der Begründung verleumdet die CDU-Fraktion „progressive Großstadtkultur“ (was immer das auch sein soll) der Beschädigung von Denkmalen und will außerdem „ein Klima erzeugen“, in dem geächtet und geahndet, also verurteilt und bestraft werden soll. Das klingt, in dieser Kombination, sogar gefährlich. Wenn dann noch gefordert wird, ein Netzwerk in der Nachbarschaft (im Antrag als Patenschaftsmodell bezeichnet) zur dauerhaften Instandhaltung zu erreichen, dann ist deutlich herauszuhören, dass die CDU „ein Klima“ der Überwachung und sozialen Kontrolle erzeugen will. Im ganzen Antrag ist keine Rede von einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Denkmal, keine Rede von einem zeitgemäßen Umgang mit derartigen Denkmälern, keine Rede von einer irgendwie gearteten Kontextualisierung.
 

Genau das ist aber das wichtige an dieser Stelle. Wie gehen wir heute mit solchen Denkmälern um? Was sagen sie aus? Sind sie überhaupt lesbar? Wollen wir diese heute überhaupt noch haben? Bzw. wenn ja, Wie kann das heute zeitgemäß vermittelt werden? Dass diese Fragen im Raum stehen, sieht mensch ja am aktuellen Umgang mit dem Denkmal bzw. an den Reaktionen darauf.
Denkt die CDU, es würde irgendetwas lösen, wenn das Objekt einfach nur instandgesetzt wird und sonst nichts weiter passiert? Das ist reine Restauration...ohne jegliche Progression. Das provoziert regelrecht eine Reaktion! Soll das dann durch nachbarschaftliches, gegenseitiges Überwachen und Denunzieren gelöst werden? Eine schreckliche Vorstellung! Ich behaupte auch, dass es keinen Konsens in der Stadtgesellschaft gibt, „allen Toten der Weltkriege“ gleichwertig zu gedenken, oder dieses Gefallenendenkmal in eine Reihe mit Gedenkstätten oder Denkmalen, die an die Opfer des Holocaust erinnern, zu stellen, wie es in der Begründung des CDU-Antrags behauptet wird.
 

Wir müssen uns dringend mit dem Thema „Gefallenen- oder Kriegerdenkmale“ kritisch auseinandersetzen, es muss zwingend Teil unseres städtischen Erinnerungskulturkonzeptes werden, das ist ganz klar. Und dabei müssen wir zivilgesellschaftliche Akteur:innen mitnehmen, das ist auch klar, aber eben nicht, um Aufgaben wie Instandhaltung und Überwachung an sie zu delegieren, für ein Denkmal mit dem offensichtlich viele gar nichts mehr anfangen können und sich mit dessen Botschaft  nicht identifizieren wollen. Die ist eben nicht so einfach und flach, wie uns das die CDU weismachen will.
Das Denkmal ist auf der Liste der Kulturdenkmäler und steht offensichtlich unter Denkmalschutz und die Kirchgemeinde St. Nikolai will es tatsächlich auch restaurieren. Es fanden auch schon Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Amt für Bauordnung und Denkmalpflege statt, in dem sich über Restaurierung und Fördermittel abgestimmt wurde. Das sind Tatsachen. Es ganz zu entfernen oder komplett umzugestalten ist also keine wirkliche Option mehr, umso wichtiger wird die kritische Begleitung, die Auseinandersetzung und die Kontextualisierung des Denkmals.

Die Entscheidung zu den verschiedenen vorliegenden Änderungsanträgen, wäre tricky... Wenn alles abgelehnt wird, wird es trotzdem restauriert, ohne eine kritische Begleitung. Die Gründe, warum dem CDU-Antrag nicht zugestimmt werden kann, sind offensichtlich. Der Verwaltungsstandpunkt ist ebenso zu unkritisch und eine Umformung ist wegen des Denkmalschutzes leider auch nicht möglich. Auch wenn mensch dem B90/Grünen-Antrag zustimmen wöllte, wird das Objekt dann ebenso einfach nur restauriert. Das „Problem“ würde auf unbestimmt Zeit ins Erinnerungskulturkonzept verschoben.
 

Für unsere Fraktion bieten all diese Vorschläge keine gute Lösung. Für uns steht fest: Die kritische Auseinandersetzung und die Kontextualisierung solcher Denkmäler müssen im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Schlussendlich hat die CDU-Fraktion den Antrag komplett zurückgezogen, vielleicht eine Folge der sehr kontroversen und sehr kritischen Diskussion des Anliegens gepaart mit der Hoffnung, es würde sich nun alles in aller Ruhe von selbst regeln. Das auch das keine nachhaltige Lösung ist, wird sich sicher zeigen, aber ich will an dieser Stelle nicht unken.

 

Presse


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