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Michael Neuhaus

Leipzig macht sich auf den Weg und etabliert ein Second-Hand-Warenhaus!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen,
liebe Gäste,

Wer schon einmal auf einem der Leipziger Wertstoffhöfe war, weiß, was dort alles im Müll landet. Von funktionierenden Mikrowellen, über Sofas, Betten, Lampen, bis hin zu Fernsehgeräten wird dort so ziemlich alles entsorgt. Entsorgt? Wie entsorgt? Der Hof heißt doch Wertstoffhof und nicht Abfallhof.

Tja, liebe Kolleginnen und Kollegen, Es gibt zwar das Kreislaufwirtschaftsgesetz, wo klar geschrieben steht: Erst Wiederverwenden, dann recyclen, dann sonstige Verwertung und erst dann Abfallbeseitigung. Doch dem gegenüber steht wie so oft die Eigentumsfrage.

Wenn ich nämlich beispielsweise einen Kühlschrank auf dem Wertstoffhof abgebe, ist es nicht so, dass man dort dann damit machen kann, was man möchte. Nein, das wäre ja zu auch einfach. Wenn ich einen Kühlschrank auf dem Wertstoffhof abgebe, dann geht das deutsche Recht davon aus, dass ich das mit der Absicht der Entsorgung tue. Es wäre also gar kriminell, würden wir einen weggeworfenen, noch funktionsfähigen Kühlschrank wieder in Umlauf bringen.

Sie sehen: das deutsche Abfallrecht ist ein Abenteuerland und der Eintritt kostet scheinbar den Verstand. Es gibt in Deutschland aber durchaus Städte, die versuchen eine goldene Vorreiterrolle einzunehmen, um bei musikalischen Anspielungen zu bleiben. Eine Möglichkeit ist die Weiterentwicklung der Wertstoffhöfe zu Wertstoffhöfen der Zukunft. Hier werden nicht nur Dinge entsorgt, sondern auch für die Wiederverwendung oder Wiederaufbereitung gesammelt. Auf manchen Wertstoffhöfen kann man übrigens sogar direkt stöbern und sich Sachen mitnehmen.

Uns schwebt allerdings etwas Anderes vor, um den gesammelten Plunder wieder loszuwerden: ein kommunales Second-Hand-Warenhaus.

Klingt wild, ist aber kein Hexenwerk. Einige Kommunen machen vor, wie es geht. In Hamburg heißt der Laden „Stilbruch“, in Norderstedt „Hempels“, in Frankfurt das „Neufundland“ und in Erfurt gibt es das „Stöberhaus“. Und wissen Sie was? All diese Second-Hand-Warenhäuser leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit, sie sind dabei sogar noch sozial. Mitnichten handelt es sich dabei um irgendwelche Absteigen, wo Menschen mit geringem Einkommen den weggeworfenen Ramsch anderer erwerben sollen. Es sind vollwertige Warenhäuser für alle. Ganz abgesehen davon, dass sich bei den entsorgten Dingen immer noch um Dinge handelt, die Menschen mit ihrer Arbeitskraft und Lebenszeit hergestellt und ich sie daher lieber in einem Second-Hand-Warenhaus sehe als in einer Müllpresse.

Wir begrüßen es deswegen, dass Leipzig sich auch auf den Weg machen will, so ein Second-Hand-Warenhaus zu etablieren. „Zweite Liebe“ soll es heißen.

Ein sehr schöner Name Herr Jung. Bitte sagen Sie mir, dass er ihnen einfiel, als Sie gerade mit einem Glas griechischen Weins zu Hause saßen und „eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ von Jürgen Marcus hörten. Das wäre doch eine schöne Geschichte.

Weniger schön finde ich allerdings, dass wir als Stadtrat an dieser Geschichte bisher kaum beteiligt wurden. Ich selbst erfuhr davon erst aus der LVZ und da war der vorliegende Antrag bereits geschrieben.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen,

ich freue mich sehr, dass die Stadt, die von uns vorgeschlagenen Punkte trotzdem in ihre Planung einbeziehen will. Das ist Wahnsinn, schreit da mein innerer Wolle Petry! Konkret geht es uns darum, die Wertstoffhöfe von Abfallhöfen zu wirklichen Wertstoffhöfen zu machen. Außerdem wollen wir nicht nur funktionsfähige Dinge wieder in Umlauf zu bringen, sondern auch kaputte Dinge wiederaufbereiten. Am besten in Kooperation mit den vielen Projekten, wie den Repair-Cafes, die es in Leipzig bereits gibt, oder sogar mit dem kommunalen Eigenbetrieb Engelsdorf.

Ich möchte an dieser Stelle den Verwaltungsstandpunkt zur Abstimmung und bitte sie um ihre Zustimmung. Die aktuelle Praxis der Entsorgung auf den Wertstoffhöfen ist jedenfalls ein Zug nach Nirgendwo, wenn sie mir einen letzten Schlager-Witz erlauben.

Aber etwas Spaß muss ja bekanntlich sein.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

Presse


Michael Neuhaus

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