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Thomas Kumbernuß

Erinnerung an die Kerzendemonstration 1983: Es ging nicht um Bananen und D-Mark, die Menschen wollten eine freie Gesellschaft!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, sehr geehrte Gäste auf der Tribüne und im Livestream, sehr geehrte Ratsmitglieder.

 

Nach Abschluss der Friedensdekade der evangelischen Kirche vom 6. bis 16. November 1983 wurde am 18. November 1983 die Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmwoche eröffnet. Nachdem bereits während der Friedensdekade Dutzende Jugendliche mit Kerzen auf dem Markt, vor dem Bachdenkmal und am Gedenkstein der ehemaligen jüdischen Synagoge in der Gottschedstraße ihrer Forderung nach Abrüstung und Frieden Ausdruck verliehen, eskalierte die Situation an diesem Freitag. Dutzende meist junge Menschen versammelten sich vor dem damaligen Kino "Capitol" mit Kerzen und lila Tüchern, dem Symbol der unabhängigen Friedensbewegung. In nicht für möglich gehaltener Härte ging die Polizei gegen die Demonstrierenden vor und verhaftete sie. Gegen acht von ihnen wurde ein Verfahren eingeleitet und sieben verurteilte man wegen "Zusammenrottung" zu zum Teil hohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.

Einer derjenigen, die damals verurteilt wurden, ist Bernd Stracke, in den 1980ern unter anderem Sänger bei den Leipziger Punk-Bands Wutanfall, HAU und L'Attentat, auf gemeinsame Initiative mit Christian Schulze ist er heute hier und sitzt auf Tribüne. Vielen Dank Bernd, dass Du Zeit gefunden hast und vielleicht findet die LVZ ja auch mal Zeit, sich mit damaligen Akteuren zu unterhalten, wenn es um das Thema Kerzendemonstartion geht.

Die Kerzendemonstration ist dabei nur ein Beispiel von verschiedenen oppositionellen Gruppen und deren widerständischem Denken und Handeln in Leipzig in den 1980ern Jahren. Dabei ging es den handelnden Personen nicht um Bananen und D-Mark, sie wollten eine freie Gesellschaft, befreit von Bevormundung seitens der SED und der ihr nahestehenden Organisationen, aber auch befreit vom typischen kleinbürgerlichen DDR-Mief. Die widerständisch denkenden und handelnden Gruppen und Personen kamen aus verschiedenen politischen Zusammenhängen, sie hatten teilweise einen kirchlichen Hintergrund, kamen aus der Umwelt-, der Friedens- und der Frauenbewegung, einige waren Anarcho-Hippies, andere Punks, es waren Arbeiter:innen unter ihnen ebenso wie Künstler:innen.

Mit diesem Antrag soll an die damals handelnden Akteur:innen, ihrem Handeln und ihren Aktionen schon weit vor 1989 erinnert werden, sei es beispielsweise bei der oben beschriebenen Kerzendemo, in der Initiativgruppe Hoffnung Nicaragua, bei den Olof-Palme-Gedenkmärschen, bei den Pleißewanderungen, beim Liedermachersommer 1989, um nur einige zu nennen. Der Herbst 1989 kam nicht aus dem Nichts, er hat eine lange Vorgeschichte, und an diese soll dieser Antrag erinnern. Einige der damals handelnden sind auch heute noch politisch aktiv, auch im Stadtrat, stellvertretend seien hier Christian Schulze, Monika Lazar und Sabine Heymann erwähnt.

 

Werte Zuhörende, hier in der Ratsversammlung, auf der Tribüne, im Livestream:

Mandy Gehrt und ich erhielten in den letzten Tagen und Wochen viel Zuspruch zu diesem Antrag. Den damals beteiligten Akteur:innen ist es dabei sehr wichtig zu betonen, dass es dabei um historische Aufarbeitung, wissenschaftliche Begleitung und pädagogische Vermittlung gehen soll und nicht um die Deutungshoheit eines Einzelnen.

Um an die Ereignisse in den 1980ern im Vorfeld der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 zu erinnern, soll deshalb ein Konzept für eine Veranstaltungsreihe vom 18. November 2023, dem 40. Jahrestag der Kerzendemonstration, bis zum 9. Oktober 2024 entwickelt werden. Die Veranstaltungen sollen sich an ein breites Publikum richten, weshalb neben öffentlichen Veranstaltungen auch Formate für Bildungseinrichtungen zu entwickeln sind. In die Aufarbeitung der historischen Ereignisse sowie bei der Konzeption von öffentlichen Veranstaltungen und Bildungsformaten sollen städtische Institutionen und Akteur:innen wie beispielsweise das Archiv Bürgerbewegung Leipzig, das Stadtgeschichtliche Museum, das Schulmuseum, die Frauenkultur Leipzig, DOK Leipzig, die Nikolaikirche und die Stiftung Friedliche Revolution sowie das Zeitgeschichtliche Forum aktiv einbezogen werden.

Ebenso wie es wichtig ist, an die damals für Demokratie streitenden Menschen zu erinnern, ist es heute notwendig, den Feinden der Demokratie offen entgegenzutreten. Laut Urteil des Kölner Verwaltungsgerichtes darf der Verfassungsschutz die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall einordnen und damit als Feindin der Demokratie.  Auch wenn sie, die AfD, sich immer als selbsternannte Erbin der Wendezeit aufspielt, ist sie doch in Wirklichkeit Gegnerin derjenigen Menschen, die in der DDR ihre Zukunft für Demokratie und Meinungsfreiheit aufs Spiel setzten.

Dieser Antrag soll an die couragierten Menschen erinnern, die sich damals gegen das System stellten. Der Mut der wenigen beförderte eine Dynamik massenhaften Aufbegehrens. Es soll an die lange Vorgeschichte der Ereignisse vom Herbst 1989 in Leipzig erinnert werden. Ich bitte um Zustimmung des Antrages in der Neufassung.

 

 

 

Presse


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