Grundsätzlich unterstützt die Fraktion DIE LINKE leidenschaftliche, aber eben konkrete Investorenabsichten, die den Zielen der Stadtentwicklung gemäß dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept und den Nutzungsarten des Flächennutzungsplanes entsprechen. Besondere Sympathie bringen wir jenen Investitionen entgegen, die vorhandene Gebäude und bauliche Anlagen in Gänze oder wenigstens teilweise nachnutzen. Zweifellos bedarf ein solch großes Projekt, wie der ehemalige Postbahnhof, mit seiner anspruchsvollen und für Leipzig einzigartigen Industriearchitektur einer besonderen Leidenschaft. Jedoch sind bei den vielen zusammengetragenen und in der Presse veröffentlichten Ideen auch Zweifel angesagt.
Trotz vielfältiger Vorstellungen muss eine ca. 10.000 Quadratmeter große Immobilie mit täglichen Nutzungen gefüllt sein, wenn die Investition wirtschaftlich sein soll. Wozu bedarf es eines Trödel- und Antiquitätenmarktes mit Verkaufsständen in Eisenbahnwagen? Solche Märkte haben sich auch in Leipzig auf Standorten etabliert, die durch den ÖPNV gut angebunden sind und über Parkplätze verfügen. Ansonsten werden kurzzeitig freistehende Ausstellungshallen genutzt.
Für Messen und Ausstellungen gibt es das Messegelände und ein weiteres Zentrum in Schkeuditz sowie Flächen in Kultureinrichtungen. Für die Hallen auf dem AGRA-Gelände werden neue Nutzungen gesucht. Deshalb braucht Leipzig kein zusätzliches Ausstellungszentrum. Für Bücher und Porzellan gibt es zahlreiche Antiquariate und Antiquitätengeschäfte vor allem im Stadtzentrum, die Kunden „von überall her“ täglich fußläufig erreichen können. Was soll ein weiterer Vorschlag für eine „ideale Markthalle für Obst, Gemüse und Feinkost“, abgelegen vom Zentrum und einer breiten Kundenschar? Der S-Bahnhaltepunkt Leipzig-Ost wird mit Inbetriebnahme des City-Tunnels Geschichte sein, es wird dort keine Bahn mehr halten. Wie schwer die Umsetzung solcher Visionen ist, zeigt der ungleich besser gelegene Markthallenstandort am Leuschner-Platz, wo bis heute die notwendige Anzahl an „leidenschaftlichen“ Händlern fehlt, ohne die ein solches Projekt nicht funktioniert. Obwohl nicht direkt formuliert, läuft die Absicht dann wohl doch auf großflächigen Einzelhandel hinaus. Selbst bei politischem Willen hätte dieser aber keine integrierte Lage, da ihm die notwendige Einwohnernachbarschaft und die ÖPNV-Anbindung fehlen. Außerdem gibt es bereits inmitten von Wohngebieten in Alt- und Neuschönefeld etablierte Stadtteilzentren, die auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen sind.
Wenn man um die vielen Diskussionen im Zusammenhang mit dem Bau von kleinen und größeren Kaufhallen mit der unmittelbar betroffenen Nachbarschaft weiß, dann bedarf die Ansiedlung von Eigenheimen und Stadthäusern in einem Gewerbegebiet besonderer Maßnahmen. Keinesfalls weiterverfolgt werden sollte der Vorschlag zur Ansiedlung des Naturkundemuseums, das trotz zentrumsnaher Lage weiteres Besucherinteresses nötig hat.
Die Linksfraktion begrüßt deshalb die Absicht des Investors, zeitnah ein belastbares Projekt mit konkreten Nutzungsarten und städtebaulichen Kennzahlen, wie Grundstücksausnutzung und Bruttogeschossflächen, im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau vorzustellen.