Die Sorge vieler Mitarbeiter in unseren großen Kultureinrichtungen ist berechtigt, denn das scheinbar objektiv sinnvollste Szenario des Gutachtens der Firma actori trifft im Kern die Musikalische Komödie. Die Idee, die Muko in ein junges Musiktheater umzuwandeln und dem Betrieb des Theaters der Jungen Welt anzugliedern, bedeutet auf den ersten Blick eine Lösung für das Defizit bei Beibehaltung des Spielortes Haus Dreilinden mit modifiziertem Profil.
Auf den zweiten Blick bedeutet das: Abwicklung des gesamten künstlerischen Personals der Musikalischen Komödie – aller Orchestermusiker, aller Solisten, aller Mitglieder des Chors und des Ballettensembles. Der künstlerische Verlust bei Auflösung der Operettensparte ist unwiederbringlich und ein kalter Bruch mit einer spezifisch Leipziger Tradition. Die mit der Abwicklung der Beschäftigten anfallenden Abfindungskosten von 9,8 Mio. Euro als „Investitionskosten“ zu bezeichnen, ist zynisch.
Unsere Fraktion wird dieses Szenario nicht mittragen. Zum einen löst es nicht das strukturelle Problem der Kostensteigerung, dass auch nach 2014/15 zu einem erhöhten Subventionsbedarf führt. Zum anderen überzeugt das Konzept eines „jungen Musiktheaters“ in der jetzigen Ausfertigung nicht. Es ist Bestandteil des Vertrags mit dem Intendanten Prof. Ulf Schirmer, den Bereich kultureller Bildung (education) in der Muko auszubauen, junges Musiktheater, flankiert von zeitgemäßen Vermittlungsformen anzubieten. Dafür ist keine Betriebsüberführung notwendig. Und was ist, wenn das Konzept nicht aufgeht? Dann ist der Spielort Haus Drei Linden für immer verloren und man wird sich sehnsüchtig an die vollen Säle in der Muko-Zeit erinnern.
Wir setzen im Gegenzug auf Einnahmensteigerung im Kulturhaushalt, beispielsweise durch die Einführung einer Kulturförderabgabe. (Unser diesbezüglicher Antrag wurde leider 2010 im Stadtrat abgelehnt. Die kulturelle Situation gibt uns jedoch Anlass, ihn erneut zu prüfen.)
Wir fordern den Oberbürgermeister auf, weitere Vorschläge für Strukturveränderungen vorzulegen. Darüber hinaus halten wir an dem Vorhaben fest, die Muko, einschließlich Rang, zu sanieren und endlich den langersehnten und aus unserer Sicht absolut notwendigen Zweckbau zu errichten. Den hier eingesetzten Kosten stehen Einnahmesteigerungen durch mehr Besucher und Vorstellungen sowie Kosteneinsparungen durch den Wegfall der Transporte gegenüber. Unser entsprechender Antrag befindet sich nach wie vor im Verfahren.