7. September 2011 Dr. Ilse Lauter

Bürgermeister Albrechts rosarote Brille?

Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktdaten und des Halbjahresberichts des Jobcenters ist der Bürgermeister für Wirtschaft und Arbeit Uwe Albrecht des Lobes voll für die jüngsten Entwicklungen. Die Anzahl der Integrationen steige weiter, die Zahl der Langzeitarbeitslosen verringere sich, die erforderlichen kommunalen Sozialleistungen gingen zurück etc. Man könnte den Eindruck gewinnen, alles ist auf dem besten Weg und die Bändigung der Geisel Arbeitslosigkeit in Leipzig nur noch eine Frage der Zeit.
Jedoch: So rosarot, wie Bürgermeister Albrecht die Beschäftigungslage in unserer Stadt beschreibt, ist die Lage bei Weitem nicht.
So verdeckt die von ihm genannte Zahl von 7.500 Vermittlungen bis zum Monat Juli die Anzahl der darin enthaltenen Mehrfachvermittlungen durch Kurzzeitjobs, mit denen keinerlei nachhaltige Integrationswirken auf dem Arbeitsmarkt verbunden ist. Generell wird das Problem der beständig wachsenden Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse, die trotz des neuen Jobs unterstützende Sozialleistungen erforderlich machen, wie bei den Aufstockern, ausgeblendet. Dazu hieß es jüngst mit Blick auf das Jahr 2010 im „Abschlussbericht zur Zielvereinbarung 2010 (ARGE Leipzig)“, der aus dem Hause Albrecht kam: „Seit Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen, die zusätzlich Leistungen des SGB II benötigen, ansteigend.“ Jener verhängnisvolle Trend hält bis heute an!
Etwas mehr Realismus ist demnach trotz der erfreulichen positiven Anzeichen auf dem Leipziger Arbeitsmarkt durchaus angebracht.