Oberbürgermeister Jung schlägt vor, dass der Stadtrat die Umbenennung des Wilhelm-Leuschner-Platzes in "Platz der friedlichen Revolution" beschließt. Für die zukünftige Verwendung des Namens Wilhelm Leuschner soll später ein Vorschlag in die Ratsvesammlung eingebracht werden.
Die Linksfraktion hat gestern einen Antrag ins Verfahren gegeben, nach dem über die Umbenennung des Wilhelm-Leuschner-Platzes in „Platz der friedlichen Revolution“ die Bürger selbst entscheiden sollen. Dazu soll der Oberbürgermeister einen Bürgerentscheid durchführen.
Der Sozialdemokrat und Gewerkschafter Wilhelm Leuschner war ein aufrechter Gegner des Naziregimes. Ab 1939 gehörte er gemeinsam mit dem ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler zu den Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944. Nach dem Scheitern des Attentates nahm die Gestapo die Ehefrau Leuschners als Geisel. Daraufhin stellte er sich, wurde vom sogenannten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 29. September 1944 hingerichtet.
Angesichts dieses Lebens ist es ein schwerwiegender Beschluss, an zentraler Stelle in Leipzig den Namen Wilhelm Leuschner gegenüber dem der friedlichen Revolution aufzugeben. Das starke Interesse der Leipzigerinnen und Leipziger an dieser Entscheidung sollte aus unserer Sicht in eine stärkere Bürgerbeteiligung einfließen als es bisher geschehen ist. Ein Bürgerentscheid ist eine gute Möglichkeit dafür.
Direkte Bürgerbeteiligung ist gelebte Demokratie – das galt 1989, und das gilt auch heute.